Blickwinkel Gesundheitssystem

Reformen auch für Selbstständige

21.01.2026 Klaus Jacobs 2 Min. Lesedauer

Prekäre Selbstständige in der GKV sind Nutznießer der Solidarität, zu der privatversicherte Selbstständige mit hohen Einkommen nicht beitragen. Das kann so nicht bleiben.

Eine Frau sitzt im Schneidersitz auf einem Bürostuhl vor einem Laptop. Um sie herum liegen kreative Materialien, wie Krepppapier und ein Stanzer.
Selbstständige können unabhängig vom Gehalt zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen.
Foto: Porträtbild von Prof. Dr. Klaus Jacobs, Volkswirt und ehemaliger Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO)
Prof. Dr. Klaus Jacobs war von 2002 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im März 2023 Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Viele Vorschläge im Vorfeld der bevorstehenden Gesundheitsreform werden von dem Narrativ begleitet, dass die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kein Einnahme-, sondern ein Ausgabenproblem habe. So zutreffend der zweite Teil dieser Aussage ist und entsprechende Reformen auf der Leistungs- und Ausgabenseite erfordert, so falsch ist der erste Teil. Es gibt nämlich sehr wohl gravierende Strukturdefizite bei der solidarischen Beitragsfinanzierung, die allein für sich schon zu Beitragssatzsteigerungen führen. Grund hierfür ist die bereits seit einigen Jahrzehnten zu beobachtende Wachstumsschwäche der Beitragsbasis. Sie folgt nicht zuletzt daraus, dass bestimmte Personengruppen und Einkommen bei der Beitragserhebung „außen vor“ bleiben.

Ein beredtes Beispiel für bestehende Schieflagen bei der solidarischen Finanzierung der GKV bildet die Erwerbsgruppe der Selbstständigen. Diese können unabhängig von ihrem Einkommen frei entscheiden, ob sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern. Die Annahme fehlender Schutzbedürftigkeit aller Selbstständigen, die dieser Regelung zugrunde liegt, hat mit der Realität jedoch schon lange nichts mehr zu tun. Speziell unter den Solo-Selbstständigen, gut die Hälfte aller rund 3,7 Millionen Selbstständigen in Deutschland, gibt es viele prekäre Einkommensverhältnisse. Deshalb wurde ihr Mindestbeitrag in der GKV ab 2019 sogar schon einmal halbiert, doch stellen sie weiterhin die Mehrheit der Beitragsschuldner.

„Viele Selbstständige sind schutzbedürftig.“

Klaus Jacobs

Volkswirt und ehemaliger Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO)

Dies stellt die Solidarität der übrigen Beitragszahlenden in der GKV auf eine harte Probe. Zumal gleichzeitig viele privatversicherte Selbstständige die bei weitem höchsten Einkommen aller Erwerbspersonen in Deutschland beziehen. Ausgerechnet sie müssen jedoch bislang keinerlei Beitrag zur solidarischen Absicherung des Krankenversicherungsschutzes leisten. Das ist nicht nur ungerecht, sondern auch mitverantwortlich für immer höhere Beitragsbelastungen der GKV-Mitglieder und ihrer Arbeitgeber. Eine nachhaltige Gesundheitsreform, bei der alle Beteiligten gleichermaßen belastet werden sollen, kann diesen Zustand nicht unangetastet lassen.

Illustration (farblich gehalten in lila): Aus der Vogelperspektive sind 5 Menschen in einem Raum zu sehen. Sie stehen um einen Sockel herum, auf dem ein Tablett mit der Aufschrift "Zusatznutzen" steht und in dessen Mitte liegt eine goldene Pille. Die Person links im Bild hat ein Preisschild in seiner Hand, auf dem ein Eurozeichen abgebildet ist. Von oben kommt ein Lichtkegel, der die Pille und das Tablett besonders hervorhebt.
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16.01.20262 Min

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