G+G Kassentreffen: „Wir müssen für die da sein, die krank sind“
Die 13. Podcast-Folge des „G+G Kassentreffen – Wer kommt, was geht?": Zu Gast ist Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes (GKV-SV).
Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre war für Oliver Blatt schnell klar, dass er sein berufliches Leben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) widmen wird. „Mich hat es immer angetrieben, für Gesundheit zu sorgen, aber den ökonomischen Blick nicht ganz zu verlieren“, sagt der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, in der aktuellen Ausgabe des G+G Kassentreffens. Seit einem knappen Jahr ist er jetzt im Amt. Mit Linda Peikert und Ralf Breitgoff spricht er über die Faszination der GKV, deren Trag- und Reformfähigkeit, über die Kommunikation, die unbedingt besser werden müsse, und die großen Fußspuren seiner Vorgängerin Dr. Doris Pfeiffer.
Den eigenen Weg gehen
Pfeiffer war die erste Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, insgesamt 18 Jahre im Amt und hat den Verband zu dem gemacht, was er heute ist. Mit Respekt blickt Blatt auf deren Aufbauleistung. Das sei eine große Kunst. „Ich habe aber einfach beschlossen, die großen Fußspuren lass‘ ich mal liegen und gehe meinen eigenen Weg“, sagt Blatt. „Nur so kann es gelingen!“
Nicht minder groß war sein Respekt vor der Aufgabe an sich und die Verantwortung für mehr als 75 Millionen gesetzlich Versicherte. Schließlich hat Blatt die Verbandsführung in einer Phase übernommen, in der das System massiv unter Druck steht, irgendwo zwischen Gestaltungsauftrag und Krisenverwaltung. „Mein erster Gedanke war, die finanzielle Schieflage erst mal vom Tisch zu bekommen, um wieder Gestaltungsräume erschließen zu können“, formuliert der gebürtige Kölner seinen Auftrag. Er wolle den Versicherten am Ende sagen können, dass nicht immer alles teurer werde. „Die Menschen erleben natürlich, dass die Beitragssätze steigen, aber so richtig besser in der Versorgung wird’s irgendwie auch nicht“, weiß der 58-Jährige.
Den Hintern hochkriegen
An der Tragfähigkeit der GKV zweifelt Blatt überhaupt nicht. „Das System hat das bisher gestemmt“, gibt sich der Verbandschef optimistisch. „Ich glaube schon, dass unser Gesundheitssystem Potenzial hat.“ Immerhin stünden im laufenden Jahr 369,5 Milliarden Euro für die Versorgung und Gesundheit der Menschen zur Verfügung. Deshalb müsse der Fokus darauf liegen, „das vorhandene Geld, was wir haben, besser einzusetzen“, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Strukturreformen „entgegen allen Partikularinteressen“ durch- und umzusetzen. „Wir müssen jetzt den Hintern hochkriegen“, wird der Verbandschef deutlich.
Wie notwendig Strukturreformen sind, dokumentieren die vorläufigen Finanzergebnisse der GKV (KV 45) für 2025 trotz eines Überschusses von 3,5 Milliarden Euro. Wie bereits 2024 sind die Ausgaben (plus 7,8 Prozent) stärker gestiegen als die Einnahmen (plus 5,3 Prozent). „Es ist schön, dass der Überschuss da ist“, räumt Blatt ein. 3,5 Milliarden Euro seien auch viel Geld. Aber wegen des strukturellen Defizits zwischen Einnahmen- und Ausgabenentwicklung und trotz zum Teil massiv erhöhten Zusatzbeiträgen seien die Kassen auch 2025 noch nicht in der Lage gewesen, ihre Finanzreserven, die sie in den vergangenen Jahren – gesetzlich verordnet – abschmelzen mussten, wieder auf das vorgeschriebene Niveau zu bringen. Die lagen Ende 2025 ausweislich der KV 45 bei rund 5,1 Milliarden Euro. Dies entspricht 0,18 Monatsausgaben. Gesetzlich vorgeschrieben sind 0,2 Monatsausgaben.
Am besten gesund bleiben
Prävention liegt dem Ökonomen besonders am Herzen, nicht nur, weil im Moment jeder darüber redet. Volkswirtschaftliche Berechnungen beziffern die Folgekosten des Konsums von Alkohol, Tabak und falscher Ernährung auf einen dreistelligen Milliarden-Betrag. „Der Gedanke, dass wir mehr hinschauen müssen, wie wir bei uns in Deutschland Menschen erst gar nicht krank werden lassen, lohnt sich schon.“
Außerdem spricht Oliver Blatt mit Linda Peikert und Ralf Breitgoff über den aktuellen Stand der Reformagenda, formuliert seine Erwartungen an den wieder aufgenommenen Pharmadialog, erläutert, warum hohe Arzneimittelpreise nicht zwingend den Pharma-Standort Deutschland sichern, und warum gute Gesundheitspolitik und -versorgung die Demokratie stärken. Klar ist auf jeden Fall schon jetzt: 18 Jahre wie seine Vorgängerin bleibt Blatt nicht im Amt. Er wäre dann 76.
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