Gesund arbeiten mit ADHS
ADHS und ADS betreffen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Im Berufsleben bringen die Aufmerksamkeitsdefizitstörungen Herausforderungen mit sich, können unter bestimmten Bedingungen aber auch besondere Stärken der Betroffenen entfalten.
Eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung ohne Hyperaktivität wird mit ADS abgekürzt, eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität als ADHS bezeichnet. Eine im Deutschen Ärzteblatt veröffentlichte Auswertung von Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zeigt, dass AD(H)S bei Erwachsenen in Deutschland deutlich häufiger neu festgestellt wird: Zwischen 2015 und 2024 hat sich die Zahl der Erstdiagnosen verdreifacht – besonders bei unter 40-Jährigen und vor allem bei jungen Frauen.
Die Autorinnen und Autoren der Analyse gehen davon aus, dass viele Betroffene bereits in früheren Lebensphasen Symptome hatten, diese jedoch erst später erkannt wurden. Als Gründe nennen sie eine gestiegene Aufmerksamkeit für AD(H)S in der Bevölkerung und zusätzliche psychische Belastungen durch die Corona-Pandemie.
Der deutliche Anstieg der Diagnosen macht AD(H)S zunehmend zu einem gesundheitspolitisch relevanten Thema im Erwerbsleben. Gefordert sind nicht nur individuelle Bewältigungsstrategien, sondern auch strukturelle Ansätze – etwa im Betrieblichen Gesundheitsmanagement, bei der Arbeitsorganisation und bei der Sensibilisierung von Führungskräften.
Angepasst, aber nicht immer funktional
„Im Laufe der Jugend und des Erwachsenenalters gelingt es zwar häufig, Umgangsstrategien mit AD(H)S zu entwickeln“, sagt der Psychologe und Berater für Betriebliches Gesundheitsmanagement, Stephan Hübner. Diese seien aber nicht immer zielführend. Zudem könne AD(H)S auch unauffällig verlaufen. Der Bewegungsdrang äußere sich dann eher mental: Betroffene wirken ruhig, haben aber dennoch Probleme mit Aufmerksamkeit und Zuhören. „Man wird angepasster, aber nicht zwangsläufig funktionaler“, so Hübner. Deshalb rät er dazu, gezielt wirksame Strategien zu erarbeiten.
Strategien für den Arbeitsalltag
Hilfreich seien vor allem feste Strukturen im Berufsalltag sowie einfache organisatorische Hilfsmittel wie To-do-Listen, Wochenpläne oder digitale Werkzeuge, etwa Apps und Kalender.
Hübner könne sich zudem vorstellen, dass Applikationen wie GPTs helfen könnten, „da sie interaktive Recherchen und Lösungsfindungen unterstützen.“ Sogenannte „Generative Pre-trained Transformer“ (GPTs) sind KI-gestützte Programme, die auf Dialogbasis komplexe Fragestellungen bearbeiten. Benutzerdefinierte GPTs etwa können selbst erstellt und gezielt auf bestimmte Bedürfnisse angepasst werden. Im Zusammenhang mit ADHS könnte zum Beispiel ein GPT erstellt werden, das bei der Strukturierung von Aufgaben hilft und Arbeitsschritte übersichtlich aufbereitet.
Bei körperlicher Unruhe rät Hübner außerdem zu analogen Hilfen wie Fidget Spinnern, Schreibtisch-Laufbändern oder Stressbällen – auch unabhängig von ADHS.
Stärken von AD(H)S im Beruf
AD(H)S bringt im Joballtag jedoch nicht nur Herausforderungen mit sich, sondern kann auch klare Vorteile haben. Hübner zufolge zeigen Studien, dass viele Betroffene besonders kreativ, anpassungsfähig und motiviert sind. Eine Auswertung mehrerer aktueller Forschungsarbeiten komme zu dem Ergebnis, dass Menschen mit AD(H)S „sehr gut zum Multitasking und Lernen aus Fehlern sowie Finden von neuen Lösungswegen in der Lage sind“. Auch Phasen intensiver Konzentration, etwa unter Zeitdruck, seien typisch. Zudem attestiere die Analyse Betroffenen „eine überdurchschnittlich hohe emotionale Intelligenz“.
Die richtige Arbeitsumgebung
Entscheidend für die Entfaltung dieser Stärken ist ein passendes Umfeld. „Langeweile ist selten gut“, sagt Hübner. Eigenverantwortliches Arbeiten, Abwechslung bei den Aufgaben und aktives Lernen fördern die Leistungsfähigkeit. Hilfreich seien außerdem Rückzugsmöglichkeiten, Pausen während langer Besprechungen und kleine digitale Hilfsmittel wie Sticky Notes oder Rechtschreibprogramme. Ebenso wichtig sei ein unterstützendes Team: „Im Grunde das, was ein gesundes soziales Umfeld am Arbeitsplatz ausmacht.“
Mitwirkende des Beitrags
Autorin
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.