Zeckenzeit: dem Holzbock keinen Stich lassen
Nach einem Ausflug ins Grüne gibt es manchmal eine böse Überraschung: eine Zecke am Körper! Die Spinnentiere sind gefürchtet, weil sie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen können. Doch ein Zeckenstich – nicht -biss, wie es weit verbreitet heißt – ist kein Grund, Angst zu bekommen: Früh handeln ist angesagt. Zudem gibt es einige Möglichkeiten, um sich vor den winzigen Blutsaugern zu schützen, wie Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband, weiß.
Zecken übertragen zwei Krankheiten
Zecken oder der „gemeine Holzbock“, die häufigste Zeckenart in Deutschland, verlassen, wenn es wärmer wird, ihre Winterquartiere. Sie hocken auf einem Grashalm, im Laub oder Gebüsch und warten auf ihre Opfer. Manche Menschen geraten in Panik, wenn sie einen Zeckenstich an ihrem Körper entdecken, denn die Spinnentiere können hauptsächlich zwei Krankheiten übertragen: die Borreliose, durch Bakterien verursacht, und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die durch Viren hervorgerufen wird.
O-Ton von Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband
Infektionen können gefährlich werden
Meistens bleibt ein Zeckenstich ohne gesundheitliche Folgen. „Viele Zecken sind nicht infiziert und nicht jeder Stich einer befallenen Zecke führt zur Ansteckung“, sagt Medizinerin Debrodt. „Und wenn die Erreger übertragen werden, erkrankt nicht jeder Infizierte oder die Infektion hat einen milden Verlauf.“ Dennoch können beide Infektionen gefährlich werden. Je nach Region ist in Deutschland bis zu einem Drittel der Zecken mit Borrelien befallen. Im Unterschied zur FSME gibt es keine speziellen Risikogebiete, sondern infizierte Zecken kommen in allen Regionen vor. Deshalb tritt die Borreliose auch häufiger auf als die FSME. Es erkrankt etwa einer von 100 Gestochenen, nach Schätzungen erkranken in Deutschland pro Jahr etwa 60.000 bis 100.000 Personen.
Wanderröte typisches Zeichen der Borreliose
„Typisches Zeichen einer Borreliose ist eine ringförmige Hautrötung rund um den Zeckenstich, die sich über Tage langsam nach außen verbreitet und im Zentrum wieder verblasst“, erläutert Medizinerin Debrodt. Diese sogenannte Wanderröte ist nicht zu verwechseln mit der bei fast jedem Stich auftretenden kleinen Rötung, die meistens wie ein Mückenstich etwas juckt. Die Wanderröte entwickelt sich manchmal erst einige Tage bis Wochen nach einem Stich, ist in der Regel innen blasser als am Rand und muss nicht unbedingt an der Einstichstelle, sondern kann auch an anderen Körperstellen auftreten. Möglicherweise treten auch grippeähnliche Beschwerden hinzu, wie Fieber, Muskel- oder Kopfschmerzen. Auch das kann erst einige Wochen nach dem Zeckenstich passieren und muss nicht notwendigerweise von einer Wanderröte begleitet sein. Wer solche Symptome hat, sollte sich ärztlich beraten lassen.
Behandlung der Borreliose
In der Regel wird eine Borreliose mit Antibiotika behandelt. Unbehandelt kann es Wochen später zum Befall von Gelenken und Muskeln kommen. Lähmungen der Gesichtsmuskeln und Schwellungen von Lymphknoten sind möglich, ebenso eine Entzündung des Herzens. Selten kann es auch einmal zu einer Neuroborreliose kommen, die durch heftige Nervenschmerzen und Lähmungserscheinungen, häufig im Bereich der Hirnnerven, charakterisiert ist. Im sogenannten Spätstadium, Monate bis Jahre später, sind Entzündungen der Gelenke möglich. Diese Lyme-Arthritis ist nach dem Ort Lyme in der USA benannt. Dort wurde die Krankheit 1975 erstmals identifiziert.
Ebenso kann sich die Haut chronisch entzünden. Dabei verfärben sich die Innenseiten der Arme und Beine, der Nase, Finger und Zehen bläulich; die Haut wird papierdünn. Solche Verläufe sind allerdings selten und können durch eine frühzeitige Antibiotika-Behandlung verhindert werden. Auch wenn eine Zecke sich schon in der Haut festgebissen hat, ist es noch nicht zu spät: Weil die Borrelien im Darm der Zecke leben und nicht im Speichel, übertragen sie sich, wenn überhaupt, erst nach längerem Saugen. Ärztin Debrodt: „Wenn man den Körper gleich nach dem Aufenthalt im Freien absucht und mögliche Zecken sofort entfernt, kann man sich wirksam vor einer Borreliose schützen.“
Impfung schützt vor FSME
Schutz vor der FSME bietet eine Impfung. Zecken, die FSME-Viren tragen, kommen vorwiegend in Bayern, Baden-Württemberg, Südhessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen, im südöstlichen Brandenburg und östlichen Sachsen-Anhalt vor. In Norddeutschland gibt es dagegen kaum infizierte Zecken. Dennoch ist auch hier eine Infektion möglich. Im Jahr 2025 wurden dem Robert Koch-Institut 693 Erkrankungen gemeldet und damit die dritthöchste Erkrankungszahl seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001. Verantwortlich für die zunehmende Zahl an FSME-Infektionen sind die Auswirkungen des Klimawandels mit wärmeren Temperaturen und durchschnittlich milderen Wintern, das veränderte Freizeitverhalten und das verbesserte Meldewesen. „Eine Impfung ist für Menschen in Risikogebieten empfehlenswert, wenn sie sich viel in der Natur aufhalten“, so Debrodt. Eine Impfung ist auch deshalb sinnvoll, weil eine ursächliche Therapie der Erkrankung nicht möglich ist. Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen.
Verläufe der FSME
Ähnlich wie die Borreliose kann auch eine Infektion mit FSME-Viren milder oder schwerer verlaufen. Die Symptome einer leichten FSME-Infektion ähneln denen einer Grippe: Fieber und Kopfschmerzen, aber auch Erbrechen und Schwindelgefühl. Bei einem kleinen Teil der Erkrankten entwickelt sich, wenige Tage nachdem diese Symptome abgeklungen sind, eine Entzündung der Hirnhäute oder des Gehirns – ebenfalls begleitet von Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen, aber auch Bewusstseins- und Koordinationsstörungen oder Lähmungen. Auch wenn es meistens wieder zu einer völligen Heilung kommt, ist Vorbeugung doch die beste Therapie.
Zeckenstiche am besten vermeiden
Weil eine Impfung nur gegen FSME möglich ist, nicht aber gegen Borreliose, sollte ein Zeckenstich möglichst ganz vermieden werden. Da sich die kleinen Blutsauger vor allem im Gras, in feuchtem Laub und Unterholz aufhalten, empfiehlt es sich: Bei Spaziergängen möglichst auf festen Wegen bleiben. Bei Wanderungen durchs Gebüsch besser feste Schuhe, lange Hosen und lange Ärmel tragen und die Hosenbeine in die Socken stecken. Auch Zeckensprays, sogenannte Repellents, bieten einen gewissen Schutz. „Das Spray sollte man nicht nur auf die Haut, sondern auch auf die Kleidung auftragen, wenn es keine Flecken macht“, rät Debrodt. Die Wirkung lässt allerdings nach etwa zwei Stunden wieder nach, deshalb ist es wichtig, bei längeren Wanderungen mehrmals zu sprühen. Auch Haustiere sollten mit Zeckenhalsband oder anderen Präparaten zur Zeckenabwehr versorgt werden.
Zecken richtig entfernen
Weil Zecken erst einmal längere Zeit auf dem Körper herumkrabbeln, um eine geschützte Stelle (zum Beispiel Achseln, Haaransatz oder Bauchnabel) zu finden, ist es ratsam, gleich nach dem Ausflug ins Grüne den ganzen Körper nach den winzigen Spinnentieren abzusuchen. Auch wenn eine Zecke sich bereits in der Haut festgehakt hat, ist es wichtig, sie möglichst schnell zu entfernen. Am besten nutzt man dazu spezielle Hilfsmittel wie eine Zeckenpinzette, eine Zeckenkarte oder einen Zeckenhaken. Sie lassen sich zwischen Zecke und Haut schieben, ohne die Zecke zu zerquetschen. So wird vermieden, dass noch mehr Erreger aus der Zecke in den Körper gepresst werden.