Himbeerzunge und rote Pünktchen: Scharlach frühzeitig behandeln
Ein typischer Hautausschlag und eine rote, glänzende Zunge, die sogenannte Himbeerzunge, nach einer Phase mit Fieber und Halsschmerzen sind typische Anzeichen für die bakterielle Infektionskrankheit Scharlach. Eine Impfung gibt es nicht dagegen, mit Antibiotika ist die Erkrankung jedoch gut behandelbar, wie Dr. Astrid Maroß, Ärztin im AOK-Bundesverband, erklärt. Allerdings kann man die Erkrankung immer wieder bekommen. Wer sie durchgemacht hat, ist also nicht automatisch immun dagegen.
Hoch ansteckend
Scharlach ist vor allem bei Kindern weit verbreitet – betroffen sind meist Fünf- bis Fünfzehnjährige. Pro Jahr erkranken rund fünf von 1.000 Kindern an Scharlach. Erwachsene sind deutlich seltener betroffen. Verursacher sind die sogenannten A-Streptokokken-Bakterien, die durch direkten oder indirekten Kontakt übertragen werden, zum Beispiel beim Sprechen, Husten oder Niesen. Aber auch über gemeinsam benutzte Gegenstände wie Spielzeug oder Türgriffe kann man sich infizieren. Da die Erkrankung sehr ansteckend ist, kommt es vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen immer wieder zu Scharlach-Ausbrüchen.
Symptome
Zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) liegen meist ein bis drei Tage. „Am Anfang spüren die Betroffenen eher unspezifische Anzeichen wie Kopf- und Halsschmerzen, Schluckbeschwerden und steigendes Fieber, manchmal auch Bauchschmerzen. Der Rachen wird rot, die Mandeln und Lymphknoten am Hals sind geschwollen“, so Medizinerin Maroß. Kurze Zeit nach den ersten Symptomen breitet sich dann ein Hautausschlag mit feinen rosa oder roten Pünktchen über den ganzen Körper aus, der aber kaum oder gar nicht juckt. Charakteristisch dabei ist, dass der Bereich um den Mund, die Handinnenflächen und Fußsohlen ausgespart bleiben. Am auffälligsten sind aber die Veränderungen der Zunge: Trägt sie am Anfang oft einen weißlichen Belag, wird sie nach wenigen Tagen glänzend rot und die Geschmackspapillen werden sichtbar („Himbeerzunge“).
Nach rund einer Woche verschwindet der Ausschlag meistens und die Haut beginnt sich zu schuppen – was einige Zeit dauern kann.
O-Ton von Dr. Astrid Maroß, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie im AOK-Bundesverband
Behandlung
Meist verläuft die Erkrankung mild, es kann aber auch zu Entzündungen in Hals, Mittelohr oder den Nasennebenhöhlen kommen – in seltenen Fällen können sich der Herzmuskel oder die Hirnhäute entzünden. Einige Komplikationen können auch nach einer unbehandelten Infektion auftreten. Daher ist eine antibiotische Behandlung wichtig, wenn die Diagnose mit einem Abstrich gesichert ist. „Die erkrankte Person ist dann nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend. Ohne Medikamentengabe kann das bis zu drei Wochen dauern. Es ist dabei sehr wichtig, dass das Antibiotikum bis zum Ende genommen wird, auch wenn der Patient oder die Patientin keine Beschwerden mehr hat“, so Ärztin Maroß.
Bei starkem Fieber können nach ärztlicher Rücksprache fiebersenkende Mittel genommen werden. Um die Halsschmerzen zu lindern, eignen sich Halswickel, Bonbons und viel Flüssigkeit, am besten Wasser oder Kräutertee.
Engen Kontakt zu Erkrankten meiden
Solange die Erkrankten ansteckend sind, sollten sie den Kontakt zu anderen Menschen möglichst einschränken. „Abstand halten ist hier die beste Vorbeugung, um andere nicht anzustecken“, erklärt Maroß. Wichtig ist auch regelmäßiges, gründliches Händewaschen mit Wasser und Seife – sowohl für Betroffene wie für ihr Umfeld.
Laut Infektionsschutzgesetz dürfen Kinder, die an Scharlach erkrankt sind, Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten oder Schulen nicht besuchen, bis die Ansteckungsgefahr vorüber ist. Eltern müssen die Erkrankung der jeweiligen Einrichtung melden. Wenn mit Antibiotika behandelt wird und die Kinder so weit fit sind, können sie nach Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin meistens nach kurzer Zeit wieder in die Einrichtung gehen. Beschäftigte in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Pflegeheimen müssen ebenfalls zu Hause bleiben, solange sie ansteckend sind.