Nierensteine: So lässt sich das Risiko verringern
Manche haben die Größe eines Stecknadelkopfes, andere füllen das gesamte Nierenbecken aus. „Wer einmal einen Nierenstein hatte, muss damit rechnen, dass sich erneut Steine bilden. Je nach Ursache kann man versuchen gegenzusteuern“, sagt Dr. Camilla von Münchhausen, Ärztin im AOK-Bundesverband.
So entstehen Nierensteine
Nierensteine sind weit verbreitet. Etwa ein bis zwei Prozent der Menschen in Deutschland sind jedes Jahr davon betroffen, vor allem Männer. „Nierensteine sind Ablagerungen, die sich im Nierenbecken bilden. Sie entstehen durch eine erhöhte Konzentration von Salzen im Urin. Kann der Urin die Salze nicht mehr lösen, bilden sich Kristalle. In der Folge lagern sich immer neue Schichten an die Kristalle an, so dass mit der Zeit Steine entstehen“, sagt Medizinerin von Münchhausen. Etwa 80 Prozent der Steine bestehen aus Kalziumsalzen. Fünf bis zehn Prozent bilden sich aus Harnsäure und rund zehn Prozent aus dem Mineral Struvit.
O-Töne von Dr. Camilla von Münchhausen, Ärztin im AOK-Bundesverband
Risikofaktoren
Zu den Risikofaktoren für die Entstehung von Nierensteinen zählen unter anderem:
Flüssigkeitsmangel
eine salzreiche Ernährung
anatomische Besonderheiten der Niere
familiäre Veranlagung
Erkrankungen der Nebenschilddrüse, die zu einer höheren Ausscheidung von Kalzium über den Urin führen
Harnsäuresteine werden durch bestimmte Erkrankungen begünstigt. Dazu gehören Gicht, Diabetes und chronischer Durchfall.
Welche Beschwerden entstehen können
Kleine Steine spüren die Betroffenen meist nicht; der Körper scheidet sie mit dem Urin wieder aus. Größere Steine verursachen hingegen oft heftige Schmerzen. Insbesondere wenn ein Stein durch eine Engstelle im Harnleiter wandert, kommt es zu starken, kolikartigen Schmerzen. „Typisch dafür sind plötzlich einsetzende, krampfartige Schmerzen in der Seite, die in den Unterbauch und die Geschlechtsorgane ausstrahlen können. Manchmal leiden die Patientinnen und Patienten zusätzlich unter Übelkeit und Erbrechen“, erklärt Ärztin von Münchhausen. Meist sind die Betroffenen unruhig und versuchen eine Position zu finden, in der die Schmerzen nachlassen. Bei einer Nierenkolik ist eine schnelle Behandlung nötig. Unbehandelt können Nierensteine den Abfluss von Urin aus der Niere behindern. Wenn sich Harn in der Niere staut, besteht das Risiko von Infektionen. Nieren und Harnwege können geschädigt werden.
Diagnose
Bei einem Verdacht auf Nierensteine sollten Betroffene eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Oft lassen sich die Steine mit einer Ultraschalluntersuchung aufspüren beziehungsweise lässt sich ein Harnstau erkennen. In manchen Fällen ist auch eine Computertomographie erforderlich. So wird festgestellt, wie viele Nierensteine sich gebildet haben, wie groß sie sind und wo sie liegen. Im Urin lässt sich bei einer akuten Nierenkolik häufig Blut nachweisen, außerdem muss ein Infekt der Harnwege ausgeschlossen werden. Blutuntersuchungen können notwendig werden, um Ursachen für die Entstehung der Steine zu erkennen. Zudem sollten ausgeschiedene Steine aufgefangen werden, da man aufgrund ihrer Zusammensetzung ebenfalls auf die Ursachen schließen kann.
Wann und wie behandelt wird
Bei kleinen Nierensteinen ist meist keine Behandlung notwendig; der Körper scheidet sie oft nach ein bis zwei Wochen von selbst aus. Schmerzen lassen sich mit Schmerzmitteln lindern. Wohltuend können auch eine Wärmflasche oder feucht-warme Umschläge sein. Betroffene sollten sich bewegen und viel trinken.
Zertrümmert oder entfernt werden müssen in der Regel Steine, die mehr als zehn Millimeter groß sind und nicht innerhalb von vier Wochen ausgeschieden werden. Das ist auch sinnvoll, wenn starke Koliken auftreten oder wenn es zu Komplikationen kommt. Je nach Art, Lage und Größe werden die Steine mit Schallwellen zertrümmert, endoskopisch entfernt oder operiert. Bei der extrakorporalen Stoßwellenlithotripsie (ESWL) werden die Nierensteine von außen durch Stoßwellen in kleine Teile zertrümmert, die der Körper mit dem Urin ausscheidet. Ob die Behandlung erfolgreich war, wird mit einer Ultraschalluntersuchung oder einer Röntgenaufnahme überprüft. Bei der endoskopischen Behandlung führt der Arzt oder die Ärztin feine Instrumente mithilfe eines Endoskops über die Harnröhre und Blase hoch in den Harnleiter bis zum Stein. Dort wird der Stein so zerkleinert, sodass die Trümmer ausgeschieden oder entfernt werden können. Eine offene Operation ist mittlerweile nur selten notwendig.
Vorbeugung
Bei etwa 30 bis 50 Prozent der Menschen, die wegen eines Nieren- oder Harnleitersteins behandelt wurden, entwickeln sich innerhalb von fünf Jahren erneut Ablagerungen. Daher ist es wichtig, etwas gegen die zugrunde liegenden Ursachen zu tun. Wer folgende Tipps beherzigt, kann das Risiko für die Entstehung von Nierensteinen senken:
- Viel trinken, mindestens zweieinhalb Liter am Tag sollten es über den Tag verteilt sein, bei Hitze oder nach dem Sport auch deutlich mehr. Gut geeignet sind Wasser, Früchtetees oder Nieren- und Blasentees.
- Softdrinks wie Cola möglichst meiden. Diese enthalten Stoffe, die die Entstehung von Nierensteinen begünstigen können.
- Tierisches Eiweiß nur in Maßen konsumieren, zum Beispiel Milchprodukte wie Käse oder Butter.
Salz sparsam verwenden.
Ausgewogen und ballaststoffreich ernähren.
Je nach Ursache kann auch eine Ernährungsumstellung der Bildung weiterer Steine vorbeugen. Bei Harnsäuresteinen wird zum Beispiel eine purinarme Ernährung mit wenig Fisch, Fleisch und Meeresfrüchten empfohlen. Hier sollten Betroffene ärztliche Rücksprache nehmen.