Gürtelrose: Ein Virus meldet sich zurück

Die Gürtelrose (Herpes zoster) ist häufig eine sehr schmerzhafte Viruserkrankung, die Haut und Nerven betrifft. Erkranken kann im Prinzip jeder Mensch, der in seinem Leben schon einmal Windpocken hatte. Denn beide Krankheiten werden vom gleichen Virus ausgelöst: dem Varizella-Zoster-Virus. Nach einer Windpockeninfektion verschwindet das Virus nicht vollständig aus dem Körper, sondern bleibt in den Nervenwurzeln im Bereich des Rückenmarks oder der Hirnnerven vorhanden und kann nach vielen Jahren wieder aktiv werden. „Eine Impfung kann das Erkrankungsrisiko jedoch deutlich senken“, erklärt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter an

„Typisch für eine Gürtelrose ist ein schmerzhafter, brennender Hautausschlag mit kleinen, oft juckenden Bläschen. Meist tritt er nur auf einer Seite des Körpers auf und zieht sich streifenförmig wie ein Band entlang eines Nervs – daher der Name Gürtelrose. Der Ausschlag kann überall auftreten, zeigt sich aber meistens am Rücken oder an der Brust“, so Medizinerin Debrodt.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts erkranken hierzulande jährlich zwischen 300.000 und 400.000 Personen an Gürtelrose – wobei das Risiko mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

O-Töne von Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Symptome einer Gürtelrose

Bevor der Hautausschlag sichtbar wird, fühlen sich viele Betroffene müde oder haben leichtes Fieber. Nach zwei bis drei Tagen rötet sich dann die Haut in einem begrenzten Bereich und es bilden sich kleine Knötchen, aus denen flüssigkeitsgefüllte Bläschen entstehen. „Diese Bläschen sollte man nicht aufkratzen, da sie die Haut zusätzlich entzünden. Das kann dann Narben zurücklassen. Die Bläschen trocknen nach einigen Tagen aus und verkrusten. In der Regel fallen die Krusten dann nach ein bis zwei Wochen von selbst ab“, sagt Ärztin Debrodt.

Achtung, ansteckend!

Eine Gürtelrose ist ansteckend: Die Flüssigkeit in den Bläschen ist infektiös. Infizieren können sich Menschen, die noch nie Windpocken hatten und auch nicht gegen Windpocken geimpft sind. Eine Infektion hat dann zunächst Windpocken zur Folge. Debrodt: „Solange noch Bläschen vorhanden sind, sollten Erkrankte daher engen körperlichen Kontakt mit Menschen vermeiden, die keinen Schutz vor Windpocken haben. Das gilt vor allem für Schwangere und für Personen mit geschwächtem Immunsystem.“ Bei zehn bis 20 Prozent der Erkrankten bleibt der Schmerz an der betroffenen Körperstelle auch nach dem Abheilen noch für Monate oder Jahre zurück – hier handelt es sich um eine postherpetische Neuralgie (PHN). 

Behandlung mit Medikamenten

Mit Medikamenten, die sich gegen das Virus richten, sogenannten Virostatika, sollten besonders Patientinnen und Patienten mit höherem Risiko behandelt werden. Das sind beispielsweise Personen ab 50 Jahren, Menschen mit einem Zoster im Kopf-Hals-Bereich oder auch Patientinnen und Patienten mit Immunsuppression. Wichtig ist, diese Medikamente möglichst frühzeitig einzunehmen, damit sie ihre Wirkung gut entfalten können – am besten innerhalb der ersten drei Tage nach Auftreten des Hautausschlags“, rät Debrodt. Gegen Schmerzen und Fieber können nach ärztlicher Rücksprache schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente eingesetzt werden. Um die gereizte Haut zu beruhigen, werden häufig kühlende oder juckreizstillende Mittel verwendet.

Impfung bietet den besten Schutz

Anders als bei anderen Erkrankungen sind Betroffene nach einer durchgemachten Gürtelrose-Erkrankung nicht vor einer erneuten Erkrankung geschützt. Der wirksamste Schutz gegen eine Gürtelrose ist die Impfung. Sie besteht aus zwei Injektionen eines Totimpfstoffs, die im Abstand von zwei bis sechs Monaten gegeben werden. Studien haben gezeigt, dass die Impfung das Erkrankungsrisiko deutlich senken kann: So liegt ihre Wirksamkeit ab dem Alter von 50 Jahren bei 92 Prozent.

Für alle Menschen ab 60 Jahren sowie für 50-Jährige mit einer erhöhten gesundheitlichen Gefährdung bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen seit 2019 die Gürtelrose-Impfung. Seit Anfang 2026 können auf Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch Menschen ab 18 Jahren mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko gegen Gürtelrose geimpft werden. Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel bei einer schwer ausgeprägten chronischen Grunderkrankung wie Diabetes, Niereninsuffizienz, Arthritis, entzündlichen Darmerkrankungen, Asthma oder der Lungenerkrankung COPD sowie bei Immunschwäche. 

Impfreaktionen klingen meist rasch ab

Auf die Impfung reagieren viele Menschen mit Schmerzen an der Einstichstelle, und es können Kopfschmerzen, Müdigkeit, Fieber oder Muskelschmerzen auftreten. Gelegentlich treten auch Lymphknotenschwellungen und Gelenkschmerzen auf. In der Regel klingen die Beschwerden aber nach ein bis zwei Tagen wieder ab. Schwere Nebenwirkungen nach einer Impfung sind selten.