Giftpflanzen im Garten: Finger weg vom Fingerhut
Giftstoffe stecken in unterschiedlichen Pflanzenteilen
Giftpflanzen wachsen nicht nur in freier Natur, sondern stehen auch als Zierpflanzen in Gärten, Grünanlagen, Freibädern oder auf Spielplätzen: Dazu zählen beispielsweise Stechapfel, Tollkirsche und Eibe, Goldregen, Eisenhut, Herbstzeitlose und die Engelstrompete. „Giftig können Wurzeln, Rinde, Triebe, Blätter, Zapfen, Samen, Früchte oder andere Bestandteile der Pflanze sein. Oft sind es alle, manchmal auch nur bestimmte Pflanzenteile, die Giftstoffe enthalten“, sagt Sophie Reber, Apothekerin beim AOK-Bundesverband.
Vergiftung durch Verwechslung
Das Gesundheitsrisiko ist jedoch verhältnismäßig gering, denn in Westeuropa gibt es nur sehr wenige wirklich giftige Pflanzen, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. Doch die sollte man kennen.
Die Symptome einer Vergiftung reichen von Hautreizungen – zum Beispiel beim Kontakt mit der Herkulesstaude (Riesenbärenklau) – über Magenverstimmungen mit Übelkeit oder leichtem Erbrechen bis zu Kreislaufkollaps und Atemlähmung. Bei Erwachsenen kann es gelegentlich durch Verwechslungen von Pflanzen zu Vergiftungen kommen. So ähneln sich etwa die Blätter der giftigen Maiglöckchen und des Bärlauchs sehr stark. Auch bei Pilzen kommt es häufiger zu Irrtümern. So besteht beispielsweise die Gefahr, den Wiesenchampignon, einen Speisepilz, mit den sehr giftigen Knollenblätterpilzarten oder anderen giftigen Doppelgängern zu verwechseln.
Im Zweifel Giftinformationszentrale anrufen
„Wer unsicher ist, ob eine Vergiftung vorliegt, ruft am besten direkt bei einer Giftinformationszentrale an und schildert möglichst genau die Symptome und was als Ursache vermutet wird. Wichtig sind Angaben darüber, welche Pflanze konsumiert wurde, wie viel vermutlich davon und wann das war. Auch eine Beschreibung der Pflanze kann den Expertinnen und Experten dabei helfen, die Symptome besser einzuordnen, wenn nicht bekannt ist, um welche Pflanze es sich handelt. Zusätzlich sind unter anderem Angaben darüber wichtig, was bereits unternommen wurde und wer die Pflanze verzehrt hat“, rät Reber. Eine Übersicht über die Giftinformationszentren in Deutschland hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).
Im Notfall viel trinken
Hat ein Kind giftige Pflanzen gegessen, gilt zuallererst Ruhe bewahren. Eltern sollten ihm Wasser zu trinken geben. „Salzwasser und Milch sind hier tabu: Salzwasser kann für kleine Kinder lebensgefährlich sein und Milch fördert die Aufnahme fettlöslicher Gifte. Auch ein Erbrechen sollte nicht ausgelöst werden, denn das kann je nach Substanz beispielsweise die Speiseröhre schädigen“, so Apothekerin Reber weiter. Bei schweren Vergiftungserscheinungen wie Atemstörungen, Bewusstlosigkeit oder Herz-Kreislauf-Störungen ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig und es sollte der Notruf 112 gewählt werden – dabei die verdächtige Pflanze möglichst mitnehmen.
Tipp für Hobbygärtner und -gärtnerinnen: Um solche gefährlichen Situationen zu vermeiden, sollten besonders giftige Pflanzen wie Engelstrompete, Dieffenbachie oder der Blaue Eisenhut am besten gar nicht erst gepflanzt werden – zumindest so lange Kinder klein sind. Auch Pilze sollte man möglichst aus dem Garten entfernen.
Ganz schön giftig
Die Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg hat ausgewählte Pflanzen nach ihrer Giftigkeit eingeordnet, und zwar:
Hochgiftig: Engelstrompete, Blauer Eisenhut, Tollkirsche, Schierling, Herbstzeitlose (wird oft mit Krokus verwechselt), Stechapfel und Seidelbast
Mittelstark bis hochgiftig: Goldregen, Fingerhut, Gartenbohne
Mittelstark giftig: Herkulesstaude, Blauregen, Oleander
Gering bis mittelstark giftig: Efeu, Kirschlorbeer und Maiglöckchen (Blätter werden häufig mit Bärlauch verwechselt)
Ungefährliche Alternativen: Kapuzinerkresse, Lavendel, Ringelblume, Sonnenblume, Tagetes.
(Die Liste ist nicht abschließend.)