Ausstülpungen im Darm: Wenn Divertikel Beschwerden machen

Sie sind klein, ballonförmig und wölben sich durch Schwachstellen in der Darmwand nach außen: die Divertikel. In den meisten Fällen sind sie harmlos, können aber zu Darmbeschwerden und Schmerzen führen. Die gute Nachricht ist: „Divertikel, die keine Beschwerden machen, müssen nicht behandelt werden. Eine ballaststoffreiche Ernährung kann helfen, Beschwerden zu lindern“, sagt Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband.

Foto: Eine Frau liegt auf dem Sofa und hält sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Bauch.

Symptome

Gleichmäßige dumpfe Schmerzen im linken Unterbauch, eventuell leichtes Fieber, Verstopfung, Durchfall, Blähungen, Übelkeit, manchmal auch Krämpfe: Diese Symptome können auf eine Erkrankung durch Divertikel hinweisen. Die Beschwerden sind meist vorübergehend, können aber auch dauerhaft sein. Nach dem Essen sind sie meist stärker, nach dem Stuhlgang dagegen schwächer. Dass Divertikel zu Verdauungsproblemen und manchmal auch ernsten Komplikationen führen können, ist wenig bekannt, obwohl nach Angaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) etwa die Hälfte der Menschen über 70 Jahre solche Ausstülpungen hat. Bei den unter 50-Jährigen ist es nur jeder Zehnte.

Drei Krankheitsformen

Je nach Symptomatik lassen sich solche Ausstülpungen des Darms noch mal unterscheiden in Divertikulose, Divertikelkrankheit und Diverkulitis. Bei der Divertikulose wölbt sich die Darminnenwand an mehreren Stellen nach außen. Die Ausstülpungen bereiten jedoch keine Beschwerden. Wenn die Divertikel Beschwerden machen oder zu Komplikationen führen, handelt es sich um die Divertikelkrankheit. Entzünden sich die Ausstülpungen, spricht man von Divertikulitis.

O-Ton von Anja Debrodt, Ärztin im AOK-Bundesverband

Risikofaktoren

Divertikel entstehen dort, wo die Darmmuskulatur schwächer ist. Meist bilden sie sich im Sigma, einem etwa 40 bis 45 Zentimeter langen, S-förmigen Abschnitt des Dickdarms. Hier ist der Druck des Stuhls auf die Darmwand am höchsten. Die Anfälligkeit für solche Ausstülpungen kann zudem erblich bedingt sein. Weitere Risikofaktoren sind ein schwaches Bindegewebe und gestörte Darmbewegungen sowie Alter und Übergewicht. Neben der genetischen Veranlagung können auch der Lebensstil und die Ernährung eine Rolle spielen. So kann eine ballaststoffarme Ernährung zu Verstopfung und festem Stuhl führen, was den Druck auf die Darmwände erhöht. Auch der Verzehr von viel rotem Fleisch wie Rind oder Schwein sowie Rauchen und zu wenig Bewegung kommen in Frage.

Diagnose der Erkrankung

Um auszuschließen, dass es sich um eine andere Erkrankung mit ähnlichen Symptomen handelt, erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt unter anderem nach Vorerkrankungen und der Einnahme von Medikamenten und nimmt eine körperliche Untersuchung vor. Außerdem werden Blut und Urin überprüft, häufig wird eine Ultraschalluntersuchung gemacht. Bei unklarer Lage kann auch eine Computertomografie oder eine Darmspiegelung sinnvoll sein

Wann eine Ernährungsumstellung hilft

Bei einer leichten, unkomplizierten Divertikelkrankheit helfen oft schon eine Ernährungsumstellung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr, um die Verdauungsbeschwerden zu lindern. Dabei wird vor allem auf ballaststoffreiche Kost wie Obst, Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte gesetzt. Sie macht den Stuhl weicher, voluminöser und regt die Verdauung an. Dadurch gelangt er schneller durch den Darm und der Druck auf die Darmwand nimmt ab. Auch körperliche Bewegung regt die Verdauung an; ob sie Beschwerden vorbeugen kann, ist bislang aber unklar.

Komplikationen und Behandlungen

„Die Behandlung einer Divertikulitis ist abhängig vom Stadium der Erkrankung.  Es gilt, Komplikationen zu vermeiden, Rückfällen vorzubeugen und chronische Beschwerden zu lindern. Antibiotika sind meist nur dann nötig, wenn Komplikationen auftreten oder das Risiko dafür erhöht ist“, so Ärztin Debrodt weiter. Eine Operation, bei der Teile des Darmes entfernt werden, kommt dann infrage, wenn eine akute Divertikulitis sich nicht bessert oder dauerhafte Beschwerden bestehen. Schwere Komplikationen, wie zum Beispiel ein Loch in der Darmwand (Darmdurchbruch oder Darmperforation), stellen einen Notfall dar und müssen sofort operiert werden.

Chronische Beschwerden möglich

Trotz erfolgreicher Behandlung entzünden sich bei manchen Menschen die Divertikel immer wieder, was auch als chronisch-rezidivierende Divertikulitis bezeichnet wird. Das Risiko für Komplikationen ist bei der ersten Divertikulitis jedoch am höchsten, danach sinkt das Risiko deutlich. Wer wiederkehrende Entzündungen hat, verspürt meist chronische Beschwerden – vor allem Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen und Bauchschmerzen. „Aus Divertikeln entwickelt sich jedoch kein Darmkrebs. Dieser entsteht aus Darmpolypen“, erklärt Medizinerin Debrodt. „Das sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut, die sich zu einem bösartigen Tumor entwickeln können.“