Blasenentzündungen: Unangenehm, aber oft harmlos
Wenn über die Harnröhre Bakterien in die Blase gelangen, können sie sich dort stark vermehren und eine Entzündung der Schleimhaut der Harnblase hervorrufen. „Eine Blasenentzündung ist unangenehm, lässt sich aber meist gut behandeln“, sagt Dr. Christiane Roick, stellvertretende Leiterin des Stabs Medizin im AOK-Bundesverband.
Frauen häufiger betroffen als Männer
Wer eine Blasenentzündung hat, leidet meist unter einem starken Brennen beim Wasserlassen. Oft haben Betroffene auch das Gefühl, den Urin gegen einen Widerstand ausscheiden zu müssen. Sie müssen häufiger und oft sehr plötzlich zur Toilette, können dann jedoch oft nur geringe Mengen Urin ausscheiden. Während des Wasserlassens können Schmerzen im Bereich des Unterbauches auftreten, die durch das krampfartige Zusammenziehen der Harnblase entstehen. Frauen sind wesentlich häufiger von einer Blasenentzündung betroffen als Männer, da bei ihnen die Harnröhre kürzer ist. Dadurch gelangen Bakterien leichter in die Blase. Etwa zehn Prozent aller Frauen bekommen mindestens einmal im Jahr eine Blasenentzündung.
Unkomplizierter und komplizierter Verlauf
Bei einer auf die Harnblase beschränkten Entzündung tritt in der Regel kein Fieber auf. Wenn es bei diesen Symptomen bleibt und die Beschwerden nicht öfter als dreimal im Jahr auftreten, haben Blasenentzündungen bei sonst gesunden Erwachsenen meist keine schwerwiegenden Folgen. Man spricht dann von unkomplizierten Blasenentzündungen.
Tritt Fieber auf, kann dies darauf hindeuten, dass auch die Nieren oder andere Organe, zum Beispiel die Vorsteherdrüse beim Mann, entzündet sind. Neben Fieber und einem beeinträchtigten Allgemeinbefinden ist zudem das Ausstrahlen der Schmerzen in die Flanken oder den Rücken ein Hinweis darauf, dass sich die Entzündung auf die Nieren beziehungsweise das Nierenbecken ausgeweitet hat. Daher sollten Patientinnen und Patienten bei diesen Anzeichen unbedingt einen Arzt aufsuchen. Ein solcher komplizierter Verlauf ist bei Männern, Kindern, Schwangeren, aber auch bei Menschen mit Diabetes mit instabiler Stoffwechsellage häufiger.
Diagnose und Behandlung
Um die Diagnose stellen zu können, erfragt die Ärztin oder der Arzt die Beschwerden und die Krankheitsgeschichte, untersucht die Patientinnen und Patienten und testet den Urin auf Bakterien. Daraufhin wird entschieden, ob die Einnahme eines Antibiotikums nötig ist, das bei akuten Harnwegsinfekten oft schnell hilft. Wichtig ist, das Antibiotikum so lange einzunehmen, wie es ärztlich verordnet wurde, auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind. Sonst können sich Bakterienstämme entwickeln, bei denen die Antibiotika nicht mehr ausreichend wirken. Manchmal wird von ärztlicher Seite zusätzlich ein Schmerzmittel verordnet.
Unterstützende Maßnahmen
Um die Therapie zu unterstützen, ist es sinnvoll, wenn Betroffene mindestens zwei Liter am Tag trinken. Wer an einer Herzschwäche leidet, sollte die Trinkmenge zuvor ärztlich abklären lassen. Gut geeignet sind Wasser sowie Kräuter- und Früchtetees. Manchen Menschen helfen auch Nieren- und Blasentees. Die Wirkung von harntreibenden pflanzlichen Mitteln oder Präparaten mit Bärentraubenblättern, Cranberrys oder Moosbeeren, die Entzündungen hemmen sollen, ist nicht verlässlich nachgewiesen. Wichtig ist, die Blase regelmäßig und vollständig zu entleeren. Schmerzen können auch mit Wärme – etwa einer Wärmflasche – gelindert werden.
Tipps zur Vorbeugung
Um Blasenentzündungen vorzubeugen, können zusätzlich folgende Tipps helfen:
- Nach dem Toilettengang den Intimbereich von vorn nach hinten reinigen, damit keine Bakterien vom Darm- oder Scheidenausgang zur Harnröhre transportiert werden.
- Eine übertriebene Intimhygiene kann das schützende Mikrobiom der Haut und der Schleimhaut schädigen. Daher sind Wasser und bei Bedarf eine ph-neutrale Waschlotion ausreichend. Intimsprays und Scheidenspülungen sollten nicht benutzt werden, da sie die bakterielle Besiedlung der Scheide verändern und dadurch Blasenentzündungen begünstigen können.
- Das gilt auch für spermienabtötende Mittel und Diaphragmen. Besser ist es, andere Verhütungsmethoden auszuprobieren.
- Nach dem Geschlechtsverkehr auf die Toilette gehen und Wasser lassen, damit die Bakterien aus der Harnröhre gespült werden.
- Füße und Unterleib warm halten, das Sitzen auf kalten Unterlagen vermeiden.