Angina pectoris: Wenn die Herzkranzgefäße verengt sind
Schmerzen in der Herzgegend, die auch auf umliegende Körperregionen ausstrahlen können, Atemnot, ein Beklemmungs- beziehungsweise Engegefühl im Brustkorb – die meisten Menschen denken bei diesen Symptomen sofort an einen Herzinfarkt. Es kann sich dabei aber auch um Angina pectoris (lat. „Brustenge“) handeln, das Leitsymptom der koronaren Herzkrankheit. Im Zweifel ist eine rasche ärztliche Abklärung nötig.
Ursache und Auslöser
Die Angina pectoris ist ein klassisches Symptom der koronaren Herzkrankheit (KHK), einer der häufigsten chronischen Erkrankungen in Deutschland. In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen leiden beispielsweise 22 Prozent daran. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen. Ursache für eine Angina pectoris ist meist eine Verengung der Herzkranzgefäße (Koronararterien), die das Herz mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. „Die Verengung entsteht als Folge einer Entzündungsreaktion und Ablagerungen von Blutfetten an der Innenwand der Arterien. Im Laufe der Zeit entstehen sogenannte artherosklerotische Plaques. Der Herzmuskel wird dann zeitweise nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt“, erklärt Dr. Camilla von Münchhausen, Ärztin im AOK-Bundesverband. Hält der Sauerstoffmangel länger an, kann es zu einem Absterben von Herzgewebe kommen: einem Herzinfarkt. Ausgelöst werden die Beschwerden meist durch körperliche Belastungen wie schnelles Laufen oder Treppensteigen, da das Herz dafür mehr Sauerstoff braucht. Auch Stress kann ein Verursacher sein.
Mögliche Vorstufe zum Herzinfarkt
Unterschieden wird dabei zwischen einer stabilen und einer instabilen Angina pectoris: Erstere tritt regelmäßig bei bestimmten körperlichen Belastungen auf, zum Beispiel ab einer bestimmten Anzahl von Treppenstufen. Eine stabile Angina pectoris ist in der Regel nicht lebensbedrohlich, sollte aber ärztlich abgeklärt und beobachtet werden. Die Beschwerden lassen nach, wenn man sich ausruht oder zum Beispiel Nitrospray nutzt, das eine gefäßerweiternde Wirkung hat. Nitrospray ist verschreibungspflichtig und wird nach ärztlicher Anweisung verwendet.
Tritt ein Anfall zum ersten Mal oder in Ruhe auf, werden bekannte Schmerzanfälle stärker, häufiger, dauern zunehmend länger oder sprechen sie schlechter auf gefäßerweiternde Medikamente an, spricht man von einer instabilen Angina pectoris: Hier besteht die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden, da es auch ganz plötzlich zu einem Verschluss eines Blutgefäßes kommen kann. „Wenn die Brustschmerzen ungewöhnlich stark sind oder sehr schnell intensiver werden, ist umgehend ärztliche Hilfe nötig“, so Ärztin von Münchhausen. Zur Abklärung werden ein Elektrokardiogramm (EKG) und eine Blutuntersuchung gemacht.
O-Ton von Dr. Camilla von Münchhausen, Ärztin im AOK-Bundesverband
Im Zweifel Notruf wählen
Bei Menschen mit Diabetes, Frauen oder älteren Menschen über 75 Jahren kann der akute Brustschmerz als Warnsymptom einer Durchblutungsstörung des Herzmuskels fehlen. So kann Diabetes die Nerven schädigen, was die Schmerzempfindung beeinträchtigt. Eventuell treten dann nur unspezifische Beschwerden wie Übelkeit, Schwindel oder Atemnot auf. Daher sollten Betroffene oder Angehörige bei ungewöhnlichen Beschwerden und mit entsprechender Vorerkrankung im Zweifel den Rettungsdienst unter der 112 anrufen.
Risikofaktoren und Vorbeugungsmaßnahmen
Die Ablagerungen in den Arterien entstehen dabei nicht von jetzt auf gleich, sondern entwickeln sich langsam über Jahre hinweg. Risikofaktoren für eine koronare Herzerkrankung sind neben dem Alter das Rauchen, mangelnde Bewegung, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Bluthochdruck, deutliches Übergewicht und Diabetes. Eine familiäre Vorbelastung kann ebenfalls ein auslösendes Kriterium sein.
Je früher mögliche Risikofaktoren entdeckt werden, desto besser. Der Gesundheits-Check-up, den gesetzlich Versicherte ab 18 Jahren einmalig und ab 35 Jahren alle drei Jahre machen lassen können, ist eine gute Gelegenheit dafür. Dabei können Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes erkannt und entsprechend behandelt werden. „Aber auch durch den eigenen Lebensstil kann man das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern – zum Beispiel durch den Verzicht aufs Rauchen, eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung“, so von Münchhausen. Wer bereits an einer koronaren Herzerkrankung leidet, sollte den Umfang des Trainings vorher mit seinem Arzt oder seiner Ärztin absprechen.
Gut begleitet im Chronikerprogramm
Gesetzlich Krankenversicherte, die an KHK leiden, können an einem strukturierten Behandlungsprogramm teilnehmen – dem sogenannten Disease-Management-Programm (DMP). Bei der AOK heißen diese Chronikerprogramme AOK-Curaplan. Das DMP koronare Herzkrankheit umfasst unter anderem eine Koordination der Behandlung, Schulungen der Patientinnen und Patienten sowie individuelle Therapieziele. „Ziel ist es, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern“, erklärt Medizinerin von Münchhausen.