Die ePA aus Sicht eines Arztes: „Sie kann einen wertvollen Überblick liefern“

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Die ePA in der Praxis
Alle Versicherten haben seit Anfang 2025 eine elektronische Patientenakte – sofern sie nicht widersprochen haben. Sie dient einer besseren Patientenversorgung und erleichtert medizinischem Personal den Zugang zu relevanten Gesundheitsdaten ihrer Patientinnen und Patienten. Die Zusammenarbeit zwischen behandelnden Ärztinnen und Ärzten sowie Krankenhäusern wird dadurch unterstützt, Doppeluntersuchungen können vermieden und Behandlungsabläufe effizienter gestaltet werden. Wie erleben Gesundheitsfachkräfte diese neue Realität?

Pascal Nohl-Deryk arbeitet als Facharzt für Allgemeinmedizin und ist stellv. Sektionssprecher für Digitalisierung sowie Präsidiumsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Die ePA habe inzwischen Einzug in den Praxisalltag gehalten, sagt Nohl-Deryk. Die Versicherten entscheiden zwar selbst, was in ihrer Akte gespeichert wird und wer darauf Zugriff hat. Mit der Zeit entstehe so aber ein immer vollständigeres Bild der medizinischen Vorgeschichte. „Wenn die ePA gefüllt ist und die Volltextsuche zu Verfügung steht, haben wir hoffentlich gut durchsuchbare, filterbare Informationen, die im Praxisalltag helfen“, erklärt Nohl-Deryk. Ärztinnen und Ärzte können dann beispielsweise alle kardiologischen Arztbriefe aus einem bestimmten Zeitraum eines Patienten aufrufen oder ältere Bildbefunde wie ein CT schnell finden und vergleichen.
Medikationssicherheit durch die ePA
Je mehr relevante Gesundheitsdaten auf der ePA gespeichert werden, desto mehr kann sich ihr Potential entfalten. „Die ePA ist besonders dann interessant, wenn Patientinnen und Patienten in einem unbekannten Versorgungskontext auftauchen, also zum Beispiel in der Notaufnahme eines Krankenhauses oder bei der Urlaubsvertretung des Hausarztes oder der Hausärztin“, erklärt Nohl-Deryk. Dann kann die ePA einen wertvollen Überblick über bereits gestellte Diagnosen, aktuelle Medikation oder Untersuchungsbefunde von Fachärztinnen und Fachärzten liefern. Insbesondere beim Thema Medikation würden auch Patientinnen und Patienten profitieren, die sich überwiegend im gleichen Rahmen bewegen, ist sich Nohl-Deryk sicher. Denn für alle behandelnden Ärztinnen und Ärzte sei es nie ganz klar, wer eigentlich welches Medikament verordnet habe. Dieses Wissen sei aber zentral, wenn es um mögliche Wechselwirkungen gehe. „Für die Medikationssicherheit ist die ePA ein klarer Vorteil,“ so Nohl-Deryk.
Dokumentation und Arbeitsaufwand
Viele Ärztinnen und Ärzte hatten vor der Einführung der elektronischen Patientenakte Sorge vor zusätzlicher Bürokratie. Tatsächlich gebe es weiterhin eine Doppeldokumentation, erklärt Nohl-Deryk. Die ausführliche medizinische Dokumentation verbleibt im Praxisverwaltungssystem, während ausgewählte relevante Informationen in die ePA übertragen werden. „Die ePA ist ein reiner Patientenspeicher, über den die Patientin oder der Patient die Hoheit hat“, sagt er. Kurzfristig bedeutet das mehr Arbeit, für die langfristige Versorgung eine Erleichterung.
Weiterentwicklung der ePA
Die ePA ist und bleibt in Bewegung. Sie soll auch in Zukunft an die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten sowie ihren versorgenden Ärztinnen und Ärzten angepasst und stetig erweitert werden. Der Status quo der ePA ist also nur der Anfang.
Über Pascal Nohl-Deryk
Pascal Nohl-Deryk ist Facharzt für Allgemeinmedizin und stellv. Sektionssprecher Digitalisierung sowie Präsidiumsmitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Er hat an den Universitäten Bochum und Bonn Medizin studiert. Als stellv. Sektionssprecher Digitalisierung bei der DEGAM engagiert er sich dafür, dass die Digitalisierung in der Allgemeinmedizin sinnvoll vorangetrieben wird und informiert Ärzte und Patienten über die Chancen und Herausforderungen der digitalen Transformation im Gesundheitswesen.
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