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Erfolgreiches Projekt gegen MRSA-Keime

AOK und Rotes Kreuz Krankenhaus machen Patienten vor der Operation frei von gefährlichen Keimen. Jetzt wird das Projekt auch auf andere planbare Operationen mit künstlichen Materialien ausgedehnt.

Bremen, 25. März 2015. Antibiotikaresistente Krankenhauskeime verursachen seit Jahren bundesweit schwere Erkrankungen oder gar Todesfälle bei Krankenhauspatienten, die zum Beispiel über ein schwaches Immunsystem verfügen. Die AOK Bremen/Bremerhaven und das Rotes Kreuz Krankenhaus Bremen (RKK) haben deshalb vor genau drei Jahren in Kooperation mit der B. Braun Melsungen AG ein Pilotprojekt zur Sanierung von Patienten gestartet, die Träger von sogenannten MRSA-Keimen (Methicillin resistente Staphylococcus aureus) sind und die ein künstliches Gelenk oder eine Gefäßprothese eingesetzt bekommen sollen. In den drei Jahren wurden insgesamt 150 AOK-versicherte Patienten auf MRSA untersucht. Sechs Patienten waren Träger des MRSA-Keims, alle sechs wurden vor der Operation erfolgreich saniert und anschließend operiert. Ein Grund, warum das Projekt jetzt auch auf andere planbare Operationen mit künstlichen Materialien ausgedehnt wird.

„Das Pilotprojekt ist ein voller Erfolg“, betonte heute Prof. Dr. Stefan Herget-Rosenthal, Ärztlicher Geschäftsführer des RKK. „Es zeigt, dass ein Screening auf MRSA, die Aufklärung der Patienten und die Befreiung von dem Keim in der Praxis gut funktionieren.“ Olaf Woggan, Vorstandsvorsitzender der AOK Bremen/Bremerhaven, hob hervor, dass das Rotes Kreuz Krankenhaus, die AOK Bremen/Bremerhaven und die B. Braun Melsungen AG mit dem Pilotprojekt bundesweit Neuland beschritten haben. „Wir wollen das Projekt mit dem RKK jetzt auf alle anderen planbaren Operationen mit künstlichen Materialien ausdehnen – etwa bei Leistenbrüchen, bei denen spezielle Netze eingesetzt werden.“ Die AOK Bremen/Bremerhaven wolle jede Möglichkeit nutzen, ihre Versicherten vor vermeidbaren Risiken zu schützen.

Laut Prof. Dr. Herget-Rosenthal verlängert sich die Vorbereitungszeit zwischen der ersten Vorbesprechung und der Operation nicht – auch dann nicht, wenn sich die Patienten vorher mit einem MRSA-Kit zu Hause von dem Keim befreien mussten. Alle sechs Patienten, die MRSA-Träger waren, konnten sich mit Hilfe des für sie kostenlosen Pakets mit Desinfektionsmitteln, Einmal-Zahnbürsten und Einmalkämmen der B. Braun Melsungen AG sanieren. Der Erfolg der Befreiung vom MRSA wurde jeweils drei bis vier Tage nach der fünftägigen Anwendung der Desinfektionsmittel, also vor dem Operationstermin, getestet.

Hintergrund

Bei den sogenannten MRSA-Bakterien (Methicillin resistente Staphylococcus aureus) können die Patienten selbst, aber auch Bettnachbarn im Zimmer die Überträger sein. „MRSA-Keime kommen natürlicherweise auf der Haut und im Nasen-Mund-Rachen-Raum vor und sind bei Gesunden völlig ungefährlich“, betont Prof. Dr. Herget-Rosenthal. „Zur Gefahr werden sie erst, wenn sie zum Beispiel im Krankenhaus immungeschwächte Menschen befallen und in Wunden gelangen – dann können sie schwere Komplikationen hervorrufen. Im schlimmsten Fall muss die Prothese wieder herausoperiert werden.“ Alle Krankenhäuser im Land Bremen, auch das RKK, untersuchen bereits seit einigen Jahren gezielt Risikopatienten auf MRSA-Keime, um die Gefahr der Übertragung auf andere Patienten zu verringern. Zu den Risikopatienten gehören solche, die in den zurückliegenden 12 Monaten in einer Klinik gelegen haben, die mit MRSA-Trägern Kontakt hatten oder beruflich Kontakt zu Tieren in der landwirtschaftlichen Tiermast haben. Zur Risikogruppe zählen auch Patienten, die chronisch pflegebedürftig sind und liegende Katheter haben, die dialysepflichtig sind oder chronische Wunden, Hautwunden, Weichteilinfektionen oder Brandverletzungen haben. Patienten, bei denen zum Beispiel ein künstliches Gelenk eingesetzt werden soll, gehören meist nicht dazu.

Das MRSA-Screening wie auch die ambulante MRSA-Sanierung für diese Patientengruppe sind freiwillig. Wird ein MRSA-Keim im Rotes Kreuz Krankenhaus zum Beispiel beim Abstrich aus Nase, Rachen und Leiste nachgewiesen, bekommen die AOK-versicherten Patienten ein für sie kostenloses Paket mit Desinfektionsmitteln, Einmal-Zahnbürsten und Einmalkämmen der B. Braun Melsungen AG mit nach Hause. Sie werden zuvor ausführlich darüber aufgeklärt, wie sie diese Mittel anwenden sollen. Wichtiger Bestandteil des sogenannten Eradikationszyklus (Sanierung von MRSA-Keimen) innerhalb von fünf bis sieben Tagen ist eine antibakterielle Nasensalbe, die dreimal täglich angewendet wird. Zwei- bis dreimal täglich muss eine antiseptische Lösung zur Mund- und Rachenspülung benutzt werden, außerdem sollen sich die Patienten täglich mit antiseptischer Seife waschen. Notwendig ist auch, dass die MRSA-Träger jeden Tag Textilien und Gegenstände wechseln müssen, die mit der Haut oder Schleimhaut Kontakt haben – also etwa die Bettwäsche, Handtücher, Waschlappen, Zahnbürsten sowie Kämme oder Bürsten.