Pressemitteilung

Zurückhaltend verordnet

08.02.2024 AOK Bremen/Bremerhaven 3 Min. Lesedauer

Bremer Ärzte gehen relativ sorgsam mit Antibiotika um - das geht aus einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor.

Reserveantibiotika werden im Land Bremen - im Vergleich zu anderen Regionen - relativ wenig verordnet.

Bremer und Bremerhavener Ärztinnen und Ärzte verordnen Antibiotika relativ zurückhaltend – im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland. Vor allem bei sogenannten Reserveantibiotika oder Breitbandantibiotika zählen die Mediziner in der Kassenärztliche Vereinigung (KV) Bremen zu jenen in drei Regionen, in denen am wenigsten dieser Medikamente verschrieben werden. Das geht aus Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor. Das ist deshalb positiv, weil diese Medikamente nur bei schweren bakteriellen Infektionen eingesetzt werden sollten. Verwendet man sie auch bei leichteren Erkrankungen zu häufig, können Erreger dagegen resistent werden und die Antibiotika ihre Wirkung verlieren.

Laut der WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… -Studie wurden im Jahr 2022 bundesweit insgesamt 31 Millionen Verordnungen von Antibiotika im Wert von 733 Millionen Euro zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) abgerechnet. Fast jedes 25. Rezept in der GKV ist ein Antibiotikum. Der Anteil der Reserveantibiotika lag mit 42 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie in den „Corona-Jahren“ 2020 und 2021. In Bremen liegt diese Quote bei nur 40 Prozent, also unter dem Bundesschnitt. Noch vor zehn Jahren lag der Anteil hier bei 52 Prozent.

„In den zurückliegenden Jahren haben wir die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mit verschiedenen Maßnahmen dafür sensibilisiert, Antibiotika zurückhaltender zu verordnen“, betont AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Vorstandschef Olaf Woggan. „Die WIdO-Studie beweist jetzt, dass diese Maßnahmen erfolgreich waren“. Dazu trage etwa das Bremer Arzneimittelregister (BAR) bei, das vor allem Hausärzten geeignete Medikamente für den jeweiligen Behandlungsfall Die gesamte Behandlung, die von derselben Arztpraxis (Vertragsarzt, Vertragspsychotherapeut,… vorschlage. Aber auch die Arzneimittelberatung durch die Pharmazeutische Beratungs- und Prüfstelle in Bremen spiele eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und der Ärztekammer Bremen habe man viel Aufklärungs- und Informationsarbeit geleistet.

Nicht zuletzt hat die AOK Bremen/Bremerhaven nach seinen Worten einzelne Projekte initiiert, um das Problem von zu häufigem Antibiotika-Gebrauch einzugrenzen. Dazu zählt etwa das Projekt „InformHWI“, das gemeinsam mit der Universität Bremen entwickelt wurde. Hier werden Medizinerinnen und Mediziner in einem Netzwerk dabei unterstützt, bei unkomplizierten Harnwegsinfekten zunächst abzuwarten und bei Bedarf mit Schmerzmitteln gegen die Beschwerden vorzugehen. Die Gesundheitskasse übernimmt dabei die Kosten für einen diagnostischen Test, der binnen eines Werktages klärt, ob ein Antibiotikum überhaupt notwendig ist. Bereits mehr als 40 Vertragsärzte im Land Bremen sind Teil des Netzwerks.

Deutliche regionale Unterschiede beim Einsatz von Reserveantibiotika

„Regionale Informationskampagnen und Zielvereinbarungen können das ärztliche Verschreibungsverhalten sinnvoll unterstützen“, betont auch Helmut Schröder, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Er verweist auf die großen regionalen Unterschiede in Deutschland: Bundesweit verzeichnete das WIdO im Jahr 2022 genau 238 Standardantibiotika-Verordnungen je 1.000 GKV-Versicherte und 176 Verordnungen von Reserveantibiotika je 1.000 GKV-Versicherte. In einer regionalen Auswertung nach Kassenärztlichen Vereinigungen zeigen sich beachtliche Unterschiede: So lag der Verordnungsanteil der Reserveantibiotika in Hamburg mit 118 Verordnungen je 1.000 GKV-Versicherte am niedrigsten (Bremen liegt mit 124 Verordnungen je 1000 GKV-Versicherte knapp darüber), während der Anteil in Hessen mit 227 Verordnungen je 1.000 GKV-Versicherte fast doppelt so hoch war (Abbildung 3). Bei den Gesamt-Verordnungen von Antibiotika lag das Saarland mit 444 Verordnungen je 1.000 GKV-Versicherte an der Spitze, die wenigsten Verordnungen gab es wiederum in Hamburg (158 Verordnungen je 1.000 Versicherte). Bremen liegt hier mit 173 Verordnungen je 1000 GKV-Versicherte an achter Stelle unter den 17 KV-Bezirken. 

Trotzdem gibt es laut AOK-Chef Woggan in der Antibiotika-Versorgung auch in dieser Region „vermutlich noch Luft nach oben“. So zeigte kürzlich eine Untersuchung des Bremer Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie Epidemiologie ist die Wissenschaft zur quantitativen Erforschung der Risikofaktoren und Verteilung… (BIPS), dass bei Kleinkindern in Dänemark als erstes Antibiotikum nur in etwa 6 Prozent der Fälle ein Breitbandantibiotikum eingesetzt wird. In Deutschland greifen Mediziner bei kranken Kleinkindern dagegen in rund 40 Prozent dieser Fälle zu solchen Reserveantibiotika. Für Bremen liegen hier allerdings keine gesonderten Studien­er­gebnisse vor.

Info

Die AOK Bremen/Bremerhaven ist mit über 282.000 Versicherten die größte Kranken- und Pflegekasse im Bundesland Bremen. 700 Beschäftigte sorgen in neun Geschäftsstellen für einen umfassenden Service und fachkundige Beratung. Für medizinische und pflegerische Leistungen für ihre Versicherten wendet die Gesundheitskasse pro Jahr deutlich über eine Milliarde Euro auf.