Angebot anzeigen für:
Suche bei der AOK Bayern
Ort/Kasse korrigieren
Kontakt zu meiner AOK Bayern
Ort/Kasse korrigieren
Geschäftsstellen werden geladen ...

"Wir brauchen die Besten für die Pflege"

Pflege als Beitrag zur gesellschaftlichen Wertschöpfung

25.10.2018

Allein in Bayern fehlen tausende Pflegekräfte. Um den Beruf attraktiver zu machen, wollen Sie den Stellenwert der Pflege in der Gesellschaft verbessern. Wie kann dies gelingen?

Hermann Imhof: Das Ansehen der Pflege in der Gesellschaft lässt sich nicht sofort ändern. Dazu müssen langfristig verschiedene Faktoren zusammenwirken. Der Pflegeberuf ist eine anspruchsvolle Tätigkeit am und für den Menschen. Er stellt an Persönlichkeit, Ausbildung und Qualifikation der Pflegekräfte hohe Anforderungen. Wir brauchen deshalb die Besten für die Pflege. Qualifikation, Erkennen und Anerkennen der pflegerischen Leistung für den Einzelnen und die Gesellschaft sind mit Einschränkung – neben den Arbeitsbedingungen – maßgeblich für das gesellschaftliche Ansehen des Pflegeberufs. Das heißt auch, Pflege nicht als bloße „Gehilfin für ärztliche Leistungen“, sondern auf allen Ebenen als eigenes Fach anzuerkennen.

Sie warnen davor, Pflege als bloßen Kostenpunkt zu sehen. Stattdessen sprechen Sie von einem Beitrag zur gesellschaftlichen Wertschöpfung. Was verstehen Sie genau darunter?

Diese Frage hängt mit der vorherigen eng zusammen. Wenn allgemein verstanden ist, dass Pflege einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Wertschöpfung leisten kann, wird das auch ihren Stellenwert in der Gesellschaft heben. Ich will hier einen Paradigmenwechsel! Wir haben die Pflege zu lange in ein Vergütungsmodell gezwängt, das einzelne Leistungen finanziell bemisst, aber der Pflege nicht gerecht wird und ihren Wert und ihre Möglichkeiten für die Gesellschaft schmälert. Es ist nicht per se falsch, Pflege unter ökonomischen Aspekten zu betrachten – aber dann mit anderer Perspektive: Die Pflege leistet einen wichtigen Beitrag zur gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrt. So kann sie den Eintritt von Pflegebedürftigkeit oder Folgeerkrankungen verhindern oder verzögern. Menschen können mit guter Pflege trotz Erkrankung in Beruf oder Ehrenamt verbleiben. Qualifizierte Pflegekräfte können Ärzte von bestimmten Leistungen entlasten, die so mehr Raum für notwendige Behandlungen erhalten.

Sie fordern eine Akademisierung der Pflege. Wie kann dies gelingen, wenn schon heute Nachwuchs fehlt?

Die Akademisierung der Pflege ist eine langfristige Forderung und setzt den beschriebenen Paradigmenwechsel voraus. Akademisierung heißt: mehr Mittel für die Pflegeausbildung. Es heißt aber auch: höherer Stellenwert der Pflege als Fach. Beides ist notwendig, wenn die Pflege gleichberechtigt neben der medizinischen Leistung zur Wertschöpfung durch Erhalten, Wiederherstellen und Bewahren der Gesundheit der Menschen beitragen soll. Wenn das gelingt, werden sich auch mehr Menschen für den Pflegeberuf entscheiden.

Wer Angehörige pflegt, kann oftmals seinen Beruf nicht mehr ausüben. Wie lässt sich die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege verbessern?

Ich habe immer die strukturelle Parallelität von Pflege durch pflegende Angehörige und frühkindlicher Erziehung betont. So wie der gesellschaftliche Wert des Zusammenspiels von professioneller und familiärer Betreuung für ein Kind anerkannt ist, sollten wir den gesellschaftlichen Wert des Zusammenspiels von professionellen und familiären Pflegeleistungen anerkennen und unsere Strukturen anpassen. Bayern weist hier mit seinem Pflege-Paket, der Förderung bedarfsgerechter, voll- und teilstationärer Pflegeplätze sowie dem Ziel zur Errichtung von Pflegekompetenzzentren in die richtige Richtung. Diesen Weg gilt es gemeinsam mit den Kommunen auszugestalten.