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Stress im Job: AOK Bayern unterstützt Betriebe

40 Prozent klagen über hohen Arbeitsdruck

27.06.2018

Die Zahlen sind ein Warnsignal: Seit 2009 stieg der Anteil der psychischen Erkrankungen am Krankenstand von 8,0 auf 10,9 Prozent (2017). Dies entspricht einem Zuwachs von gut 36 Prozent. Nordbayerns Städte verzeichnen ein deutlich stärkeres Plus als Südbayern. So gingen in Fürth im vergangenen Jahr 12,6 Prozent der Krankschreibungen auf psychische Probleme zurück, in Regensburg und Ingolstadt waren es nur 10,3 Prozent (siehe Grafik). Die Zahlen basieren auf der aktuellen Auswertung der Arbeitsunfähigkeitsdaten der mehr als 2,5 Millionen erwerbstätigen AOK-Versicherten in Bayern. Warum die Belastungen im Job zunehmen und wie sich Stress vermeiden lässt – darüber sprachen wir mit Werner Winter, Fachbereichsleiter Arbeitswelt bei der AOK Bayern.

Wie lässt sich die deutliche Zunahme der psychischen Erkrankungen erklären?

Werner Winter: Gesellschaftlich wurde das Thema psychische Belastungen in den letzten Jahren stark enttabuisiert. Denken wir nur an Spitzensportler wie Sven Hannawald oder Sebastian Deissler. Die Menschen sind heute häufiger bereit, psychische Probleme gegenüber dem Arzt anzusprechen. Auch Ärzte sind zunehmend sensibilisiert und haben ihre Diagnostik verbessert. So können im Einzelfall auch Rückenschmerzen durch psychische Belastungen ausgelöst werden – dies wird heute eher erkannt. Hinzu kommt die Verdichtung der Arbeit...

... also der Wandel in der Arbeitswelt – Stichwort Digitalisierung.

Der Wandel in der Arbeitswelt führt dazu, dass körperliche Belastungen im Job sinken. Gleichzeitig leiden immer mehr unter zunehmendem Zeit- und Leistungsdruck. Dies belegen auch unsere Befragungen von rund 30.000 Erwerbstätigen. Etwa 40 Prozent klagen über wachsende Informationsflut, Störungen bei der Arbeit und eine hohe Arbeitsdichte. Vor allem Kontrolltätigkeiten mit hohen Konzentrationsanforderungen nehmen zu. Natürlich bietet die Digitalisierung auch Vorteile, wie etwa die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten.

Um den wachsenden psychischen Belastungen entgegenzuwirken, hat die AOK Bayern allein 2017 im Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung rund 600 Aktivitäten durchgeführt. Wie unterstützen Sie die Unternehmen?

Wir beraten Unternehmen, indem wir Abläufe untersuchen und gemeinsam Maßnahmen entwickeln. Das können Gesundheitskurse für Mitarbeiter zur Stressbewältigung sein oder organisatorische Veränderungen. Ein Beispiel: Die Mitarbeiterin eines Herstellers von Schreibstiften kontrollierte täglich acht Stunden tausende Stifte, ob sie richtig bedruckt sind. Die monotone Arbeit ist natürlich psychisch belastend. Wir haben daher vorgeschlagen, diese Tätigkeit durch neue Aufgaben zu ergänzen. Jetzt wechseln sich mehrere Mitarbeiterinnen alle zwei Stunden ab.

Das heißt: Führungskräfte spielen eine große Rolle?

Führungskräfte können dazu beitragen, psychische Belastungen zu reduzieren. Manchen ist dies noch nicht bewusst. Hier wollen wir für das Thema sensibilisieren. Schon die Verteilung von Aufgaben kann Stress auslösen, wenn sich Mitarbeiter etwa stark unter- oder überfordert fühlen.

Was können Arbeitnehmer selbst gegen psychische Belastungen machen?

Wer sich körperlich fit hält, kann in der Regel auch mit Stress besser umgehen. Dabei geht es nicht um Leistungssport, sondern regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf. Wichtig ist auch, einen Ausgleich zum Arbeitsalltag herzustellen.

Psychische Erkrankungen im Städtevergleich