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Grippeimpfung: AOK Bayern rüstet sich für Saison 2018/2019

Impfquote liegt bei 12 Prozent

27.06.2018

Wie gut der Grippe-Impfstoff wirkt, ist jedes Jahr ein Glücksspiel. Im Frühjahr gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Empfehlung für die Zusammensetzung des Impfstoffs für die kommende Saison. Diese basiert auf der Auswertung der weltweit zirkulierenden Influenzaviren. Da sich Grippeviren jedoch ständig verändern, kann niemand exakt vorhersagen, welche Typen im Herbst in Deutschland besonders verbreitet sind.

Bis 2013 waren in Deutschland ausschließlich Dreifach-Impfstoffe (trivalent) am Markt. Sie enthalten die Bestandteile von zwei Subtypen des Influenza-A-Virus und eines B-Virus. Seit der Saison 2013/2014 gibt es auch Vierfach-Impfstoffe (tetravalent), die sich zusätzlich gegen die sogenannte Yamagata-Linie der Influenza-B-Erreger richten.

Trotz der Unterschiede betrachtete die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut die beiden Impfstoffe als gleichwertig – es gab keine Empfehlung für den Vierfach-Impfstoff. Daran orientierte sich auch die Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände in Bayern (ARGE): „Unsere Ausschreibungen waren stets offen für Dreifach- und Vierfach-Impfstoffe“, sagt Wolfgang Adolf, Arzneimittelexperte bei der AOK Bayern. Allerdings hätten Pharmaunternehmen kein Angebot für einen Vierfach-Impfstoff abgegeben.

Erst Anfang Januar empfahlen die Experten der STIKO, künftig den Vierfach-Impfstoff zu verwenden. Dies sorgte für Schlagzeilen. Ärzte forderten die Krankenkassen auf, umgehend auch den Vierfach-Impfstoff zu erstatten. Verbraucherschützer warnten vor einer Benachteiligung der gesetzlich Versicherten gegenüber Privatversicherten. Die Aufregung war allerdings übertrieben. Denn schon bislang hatten Ärzte die Möglichkeit, in medizinisch begründeten Fällen den Vierfach-Impfstoff auf Kassenrezept zu verordnen. Vor allem aber: Ein spontaner Wechsel des Impfstoffs mitten in der Saison hätte zu massiven Versorgungsproblemen geführt. „Keiner der beiden Hersteller, die mit tetravalenten Impfstoffen für Erwachsene am Markt waren, hätte kurzfristig den Gesamtmarkt versorgen können“, so Adolf.

Für die kommende Saison haben sich Bayerns Krankenkassen gerüstet. Künftig stehen drei Vierfach-Impfstoffe zur Verfügung. Dazu haben die Kassen mit dem Bayerischen Apothekerverband einen festen Preis vereinbart. Damit ausreichend Impfstoff im Herbst bereit steht, wird Ärzten empfohlen, schon jetzt rund zwei Drittel des voraussichtlichen Bedarfs vorzubestellen.

Etwa 12 Prozent der gesetzlich Versicherten in Bayern gehen jedes Jahr zur Grippeimpfung. Dass die Impfquote deutlich niedriger liegt als bei anderen Impfungen, dürfte auch an der geringeren Wirksamkeit liegen. „Je nach Grippesaison liegt die Wirksamkeit bei älteren Erwachsenen zwischen 40 und 65 Prozent“, so Adolf. Die STIKO empfiehlt die Influenzaimpfung vor allem Versicherten über 60 Jahren, chronisch Kranken und medizinischem Personal.