AOK Bayern: Weniger Antibiotika-Verschreibungen

Verständliche Informationen für Versicherte

08.02.2018

Wenn Anfang des Jahres die Grippe-Patienten dicht gedrängt in den Wartezimmern sitzen, steigt auch die Nachfrage nach Antibiotika-Verordnungen. Immer noch glauben viele, dass Antibiotika auch gegen virusbedingte Erkältungen helfen. Dies führt nicht nur zu medizinisch unnötigen Verschreibungen. Durch den übermäßigen Antibiotika-Einsatz können auch resistente Keime entstehen, gegen die es kaum noch wirksame Medikamente gibt.

Um gefährliche Antibiotika-Resistenzen zu vermeiden, startete jetzt in 14 AOK-Arztnetzen in Bayern und Nordrhein-Westfalen das Projekt ARena. Neben der AOK Bayern und der AOK Rheinland/Hamburg beteiligen sich das AQua-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) und die Agentur deutscher Arztnetze. Ziel ist es, Ärzte und Praxispersonal für einen vernünftigen Einsatz von Antibiotika zu sensibilisieren. Dazu gibt es regelmäßige Qualitätszirkel der beteiligten Mediziner sowie einen Austausch mit Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Apotheken.

Auch die Aufklärung der Patienten ist wichtig: „Um Sorgen und Ängste abzubauen, bieten wir verständliche Informationen für unsere Versicherten“, sagt Martin Steidler, Bereichsleiter Versorgungsmanagement bei der AOK Bayern. Dazu gehören Flyer zu häufig in der Erkältungssaison auftretenden Erkrankungen wie Infektionen der Atem- und der Harnwege. Außerdem gibt es kurze Erklärvideos zum Thema Antibiotika. „Die Informationen sollen verdeutlichen, dass es im Einzelfall für den Patienten besser ist, auf Antibiotika zu verzichten“, so Steidler.

Antibiotika gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten in Arztpraxen. Allein bei der AOK Bayern bekamen 2016 knapp 1,4 Millionen Versicherte Antibiotika verordnet. Im Schnitt nahm jeder Betroffene knapp 18 Tage (17,82 Tage) die hochwirksamen Medikamente ein. Im Vergleich zu 2015 ist dies ein leichter Anstieg (2015: 17,37 Tage). Auf längere Sicht betrachtet, zeigt sich allerdings ein Rückgang der Antibiotika-Verschreibungen. So lag der Wert für 2008 bei 18,42 Tagen.