Nachricht

Kommunen stärker einbinden

17.02.2026 AOK-Bundesverband 3 Min. Lesedauer

Um die Herausforderungen der Zukunft für die Pflege zu bewältigen, müssen professionelle Dienste, Nachbarschaftshilfe und freiwilliges Engagement besser ineinandergreifen, fordert der Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbandes. Die AOK-Initiative „Pflege vor Ort“ zeigt, wie die Pflege der Zukunft aussehen könnte – lokal organisiert, am regionalen Bedarf orientiert, auf viele Schultern verteilt.

Die Menschen in Deutschland werden immer älter. Dieser für sich genommen schöne Um-stand stellt die Gesellschaft beim Thema Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… allerdings vor wachsende Herausforderungen. Denn der jetzt schon große Bedarf an pflegerischer Versorgung wird künftig noch deutlich zunehmen. Lag die Zahl der Pflegebedürftigen 2015 noch bei 2,86 Millionen, stieg diese bereits bis Ende 2023 auf über 5,6 Millionen. Laut Statistischem Bundesamt werden es in 30 Jahren fast sieben Millionen Menschen sein, die gepflegt werden müssen. Gleichzeitig können oder wollen immer weniger Angehörige die häusliche Pflege Als "häusliche Pflege" wird die Versorgung pflegebedürftiger Menschen in ihrer häuslichen Umgebung,… übernehmen. Zudem leidet bereits heute die professionelle Pflege unter einen Fachkräftemangel, der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. 

Mehr lokale Planung und Gestaltung

„Diese Herausforderungen machen deutlich, dass wir das gesamte System der Pflege für die Zukunft anders aufstellen müssen. Pflegeangebote müssen viel stärker als bisher lokal geplant, entwickelt und verankert werden. Die Kommunen sollten bei der Gestaltung örtlicher Pflegestrukturen stärker eingebunden werden und auch mehr Verantwortung übernehmen“, sagt Sven Nobereit, Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Plus und Mitglied im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbands. Man brauche flächendeckend sogenannte Caring Communities, in denen Nachbarschaftshilfe, freiwilliges Engagement und professionelle Dienste besser ineinandergreifen, so Nobereit weiter. 

AOK-Initiative zeigt neue Wege auf

„Immer weniger Pflegebedürftige haben die Möglichkeit, Hilfeleistungen aus dem familiären Umfeld In Anspruch zu nehmen. Und da, wo das noch geht, sind die Angehörigen oft an der Belastungsgrenze Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind - mit Ausnahme bei den Fahrkosten - von allen… – oder schon darüber hinaus“, betont auch Annette Düring, die im Verwaltungsrat der AOK Bremen/Bremerhaven Versichertenvertreterin und Mitglied im Aufsichtsrat des AOK-Bundesverbands ist. Alle Anstrengungen müssten deshalb darauf ausgerichtet werden, die Pflege auf ein breiteres Fundament zu stellen. 

Dass es bereits viele Ansätze für gute, regional gesteuerte und bedarfsgerechte Pflegeangebote gibt, zeigt die AOK-Initiative „Pflege vor Ort“.  Hier finden sich vielfältige Beispiele aus Kommunen in ganz Deutschland, die neue Wege gehen und mit ihren Ideen die Pflegelandschaft nachhaltig verändern. „Die Projekte belegen, dass mit praxisnahen Ansätzen und regionaler Gestaltungskraft gute Pflege möglich ist. Zugleich zeigen sie Wege auf, dem demo-grafischen Wandel trotz einer wachsenden Zahl Pflegebedürftiger zu begegnen und pflegen-de Angehörige zu entlasten“, so Düring.

Ein gelungenes Vorbild

Ein sehr anschauliches Projekt, das die AOK-Initiative „Pflege vor Ort“ neben vielen anderen aus ganz Deutschland vorstellt, ist die Nachbarschaftshilfe in Sachsen. Sie gilt als gelungenes Vorbild für eine niedrigschwellige, wohnortnahe Unterstützung pflegebedürftiger Menschen. „In Sachsen leben mehr als 300.000 pflegebedürftige Menschen zu Hause. Oft gibt es keine Angehörigen mehr oder sie leben weit entfernt. Sie fehlen bei der Begleitung zu Arztterminen, bei der Unterstützung im Alltag, oder schlicht bei der sozialen Ansprache – diese alltagsnahe Begleitung wird daher in Sachsen im Rahmen der Nachbarschaftshilfe erfolgreich organisiert. Dabei kooperiert das Sächsische Sozialministerium eng mit der AOK Plus und anderen Pflegekassen.“, erklärt Sven Nobereit. Um ähnliche Projekte leichter möglich zu machen, die die professionelle Pflege und pflegende Angehörige entlasten können, müsse die Politik nun den gesetzlichen Rahmen auf Bundes- und Landesebene so gestalten, dass regionale Akteure noch besser als bisher passgenaue Lösungen für die jeweiligen lokalen Gegebenheiten erarbeiten können, so Nobereit.