Mentale Gesundheit in Gefahr
Rund 200 Schülerinnen und Schüler diskutierten Ende Januar beim „Bildungskongress 2026“ über mentale Gesundheit im Bildungssystem. Erneut forderte die Bundesschülerkonferenz als Ausrichterin des Kongresses die Politik auf, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Schulumfeld besser zu schützen.
In Workshops, Podiumsdiskussionen und weiteren offenen Formaten entwickelten Teilnehmende aus ganz Deutschland Ideen und Forderungen an die Politik, wie psychische Gesundheit im Schulalltag besser geschützt und gestärkt werden kann. Der Bildungskongress bilde den Höhepunkt ihrer bisherigen bundesweiten Mental-Health-Kampagne, teilte die Bundesschülerkonferenz mit. „Mit diesem Kongress wollen wir Schülerinnen und Schülern nicht nur Wissen, sondern vor allem Gehör schenken. Unsere Erfahrungen und Perspektiven sind entscheidend, wenn wir Schule menschlicher gestalten wollen“, so Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz.
Forderungen an die Politik
Im Rahmen der Mental-Health-Kampagne hatte das Sprachrohr der deutschen Schülerschaft bereits im Vorfeld des Kongresses einen Zehn-Punkte-Plan erarbeitet, mit dem sie unter anderem von der Politik verbindliche Schutzkonzepte gegen Mobbing und Diskriminierung an Schulen fordert. In einer Presseerklärung forderte sie zudem die Politik auf, den Schutz junger Menschen in digitalen Räumen ernst zu nehmen und entschlossen zu handeln.
Die aktuelle politische Antwort auf den öffentlichen Hilferuf ist aus Sicht der Schülerschaft bislang allerdings eher ernüchternd. Gegenüber dem Medienkollektiv „Correctiv“ sagte Amy Kirchhoff, die Bundesregierung sende ein „fatales Signal“ an eine ohnehin belastete Generation. Denn das von der Vorgängerregierung gestartete Pilot-Programm „Mental Health Coaches an Schulen“ werde trotz seines messbaren Erfolgs eingestellt.
Bundesregierung streicht die Mittel
„Correctiv“ zufolge plant die Bundesregierung schon für das Jahr 2026 in ihrem Haushalt keine Mittel mehr für das Programm ein. Bislang konnten im Rahmen des Programms Kinder und Jugendliche an rund 100 Schulen bei einer Fachkraft Hilfe suchen, wenn sie psychische Probleme haben. Eine vom Bildungsministerium in Auftrag gegebene Evaluierung des Projekts durch die Universität Leipzig hatte gezeigt, dass an den Schulen, an denen diese Coaches eingeführt worden waren, Wirksamkeit und auch hohe Akzeptanz rückgemeldet wurden. 90 Prozent der Beteiligten gaben an, sie wünschten sich eine Fortsetzung beziehungsweise Ausweitung des Programms.
„Der Leistungsdruck in der Schule, auch bedingt durch die noch in vielen Bundesländern vorherrschende verkürzte Schulzeit von G 9 auf G8, die Nachwehen der Corona-Pandemie, der Klimawandel, die brutale Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine sowie Israel und Palästina, der politische Rechtsruck in Deutschland, die negativen oft ungefilterten Fakenews und der Hatespeech aus den sozialen Medien – all das gefährdet die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“, so Claudia Schick, Referentin für Selbsthilfe im AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Bundesverband. Die Entscheidung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Mental-Health-Coach-Programm an Schulen einzustellen, sei absolut unverständlich, so Schick weiter.
Die AOK-Gemeinschaft hingegen weitet ihr Engagement auf diesem Feld weiter aus. Mitte Januar hatte sich der AOK-Bundesverband auf seiner Selbsthilfetagung „Gemeinsam gegen Hass“ dem Thema „Hass in sozialen Medien“ gewidmet. Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Hilfsorganisationen diskutierten hier einen Tag lang gemeinsam mit Selbsthilfe-Aktiven und Influencerinnen über wirksame Strategien gegen Hass im Netz. Sie forderten zudem die Politik auf, geltendes Recht auch im Internet konsequent umzusetzen, um vor allem marginalisierte Gruppen und junge Menschen im Netz besser vor Hatespeech zu schützen.
Berliner Gesundheitspreis prämiert innovative Projekte
Auch der vom AOK-Bundesverband gemeinsam mit der Berliner Ärztekammer im Herbst 2025 verliehene „Berliner Gesundheitspreis“ setzte sich mit der seelischen Gesundheit von Schülern auseinander. Unter dem Motto „Starke Schule, starke Seele“ wurden vorbildliche Projekte ausgezeichnet, die im schulischen Umfeld gezielt die mentale Gesundheit von Schülerinnen und Schülern stärken.