Diskriminierung belastet die Gesundheit

Daten des Sozio-ökonomischen Panels zeigen, dass Diskriminierung in Deutschland weit verbreitet ist und messbare Auswirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen hat.

Diskriminierung belastet die Psyche.

Mehr als 13 Prozent der Menschen in Deutschland berichten davon, in den vorherigen zwölf Monaten Diskriminierung erfahren zu haben – umgerechnet auf die erwachsene Bevölkerung entspricht das rund neun Millionen Menschen. Das zeigen Daten aus der Hauptbefragung des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP), ausgewertet vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Das SOEP ist die größte repräsentative Langzeitstudie, die die Lebensbedingungen in Deutschland untersucht. Das Robert-Koch-Institut (RKI Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für… ) befragt dafür jedes Jahr rund 30.000 Menschen. 

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung hat das DeZIM in seinem Bericht „Wie Deutschland Diskriminierung erlebt“ zusammengefasst. Die Daten aus der Befragung zeigen dem Bericht zufolge deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen. So berichten etwa Menschen mit Migrationshintergrund deutlich häufiger von Diskriminierung – insbesondere Muslime und Menschen, die von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind. Aber auch Frauen sowie Menschen mit Behinderungen oder chronisch Erkrankte erleben überdurchschnittlich häufig Diskriminierung.

Diskriminierung in allen Lebensbereichen

Die Diskriminierung findet in nahezu allen Lebensbereichen statt – besonders oft im öffentlichen Raum, beim Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, im Arbeitsleben, im Gesundheits- und Pflegebereich, in der Schule, im Kontakt mit Behörden und Polizei sowie bei der Wohnungs- und Haussuche. Die Datenauswertung des SOEP zeigt, dass Diskriminierung oft in Bereichen stattfindet, in denen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) kaum oder gar nicht schützt – etwa auf der Straße beziehungsweise im öffentlichen Raum oder beim Kontakt mit dem Staat. So berichtet fast jede fünfte Person von Benachteiligungen durch Ämter, Behörden oder Polizei. Auch Menschen mit geringen Einkommen, ohne deutschen Pass oder Personen, die ihre Angehörigen pflegen oder Kinder betreuen, sind besonders gefährdet, diskriminiert zu werden.

In seiner eigenen Auswertung des Panels belegt das RKI Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für… einen klaren Zusammenhang zwischen Diskriminierung und Gesundheit. Demnach steigt die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Probleme mit der Häufigkeit und der Anzahl der Diskriminierungsvorfälle. Bei Personen, die besonders oft und aus mehreren Gründen zugleich Diskriminierung erfahren, sind körperliche und psychische Probleme teils doppelt so häufig wie bei Personen ohne diese Erfahrungen. Die Studienergebnisse, so das RKI Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für… , bestätigten den Ansatz der Weltgesundheitsorganisation Die WHO ist eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die als Koordinationsbehörde der… (WHO), Diskriminierung als zentrales Aktionsfeld zur Förderung der Gesundheitsgerechtigkeit zu reduzieren und zu überwinden. Das RKI Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für… mahnt in seinem Bericht an, dass die Verringerung gesundheitlicher Ungleichheit und die Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit eine umfassende Handlungsstrategie mit einem Health-in-all-Policies-Ansatz erfordern, dessen Entwicklung auf der politischen Agenda stehen sollte.

Hatespeech und Cybermobbing

Das RKI Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für… macht in seinem Bericht zugleich deutlich, dass jüngere Menschen insbesondere im digitalen Raum oft von Diskriminierung betroffen sind. Cybermobbing und Hatespeech seien Phänomene, die dringend einer intensivierten Forschung bedürften, da sie bislang wissenschaftlich kaum untersucht worden seien. Eine Einschätzung, zu der auch Prof. Ludwig Bilz auf der diesjährigen Selbsthilfefachtagung des AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Bundesverbandes unter dem Titel „Gemeinsam gegen Hass“ gekommen war. Der Leiter des Fachgebiets Pädagogische Psychologie am Institut für Gesundheit der BTU Cottbus-Senftenberg hatte dort den Forschungsrückstand rund um das Thema digitale Gewalt konstatiert und die Politik aufgefordert, mehr für den Schutz junger Menschen in digitalen Räumen zu unternehmen.