Selbsthilfe stärkt Adipositas-Prävention
Rund um den Welt-Adipositas-Tag am 4. März ist deutlich geworden, wie wichtig wirksame Prävention ist. Neben besseren politischen Rahmenbedingungen können auch die Selbsthilfe und niedrigschwellige Angebote wie der Online-Coach Adipositas der AOK dazu beitragen, gesündere Ernährungsentscheidungen im Alltag zu treffen.
Wie groß der Handlungsbedarf bei der Förderung eines gesunden Ernährungsverhaltens ist, zeigt der Public Health Index (PHI) von AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Bundesverband und Deutschem Krebsforschungszentrum: Deutschland liegt im europäischen Vergleich bei Tabak, Alkohol und Ernährung auf den hinteren Plätzen – und nur beim Thema Bewegung im Mittelfeld. Wirksame strukturelle Maßnahmen wie Werbebeschränkungen, Kinder- und Jugendschutz oder gesundheitsorientierte Besteuerung werden bislang zu wenig genutzt, so das Ergebnis. Diese Defizite diskutieren Fachleute beim 1. Deutschen Präventionsgipfel des AOK-Bundesverbandes am 5. März 2026. Auch der Wissenschaftsrat fordert in einem aktuellen Positionspapier, Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… deutlich zu stärken und gefährdete Bevölkerungsgruppen besser zu erreichen.
Claudia Schick, Referentin für Selbsthilfeförderung im AOK-Bundesverband, sieht beim Zuckerkonsum einen wichtigen Ansatzpunkt: „Der Appell, Zucker in Getränken zu reduzieren, ist ein erster Schritt zur Verhinderung von Adipositas und Diabetes Typ 2.“ Gleichzeitig plädiert sie dafür, Prävention breiter zu denken. Aus ihrer Sicht wäre es wichtig, „die Hersteller dazu zu bewegen, Zucker generell in Nahrungsmitteln zu reduzieren – vom Brei bis zum Apfelmus und Müsli“. Diese müssten keinen zusätzlichen Zucker enthalten.
Betroffenenkompetenz macht Prävention alltagstauglich
Damit Prävention, etwa in Form eines gesunden Ernährungsverhaltens, im Alltag ankommt, braucht es Menschen und Strukturen, die Veränderungen konkret unterstützen. Hier liegt eine besondere Stärke der Selbsthilfe: Sie verbindet Wissen mit Erfahrung, ermöglicht Austausch auf Augenhöhe und hilft, Hürden realistisch anzugehen – Schritt für Schritt und ohne Schuldzuweisungen.
Die AOK unterstützt mit ihren Fördermitteln regelmäßig Selbsthilfeorganisationen und -gruppen rund um die Themen Adipositas und Diabetes. Diese könnten Schick zufolge „ihre Betroffenenkompetenz unter anderem dazu nutzen, Familien präventiv am Beispiel ihrer eigenen Erkrankung über die Risiken von Zucker aufzuklären“.
Online-Coach Adipositas
Ein weiteres niedrigschwelliges Angebot ist der neue, kostenfreie Online-Coach Adipositas der AOK. Er hilft Betroffenen, die Erkrankung besser zu verstehen und realistische Wege für den Alltag zu entwickeln – mit fundiertem Wissen, Übungen zur Selbstreflexion und interaktiven Elementen zu Ernährung, Bewegung, Stressmanagement, Verhalten und Gefühlen. Expertinnen und Experten begleiten die Nutzerinnen und Nutzer dabei, eigene Ziele und Strategien im individuellen Tempo zu erarbeiten. Der Coach kann eine ärztliche oder therapeutische Beratung nicht ersetzen, aber sinnvoll ergänzen.
„Moderne Adipositas-Therapie ist mehr als Gewichtsreduktion“, betont die begleitende Expertin Claudia Luck-Sikorski, Professorin für Psychische Gesundheit und Psychotherapie an der SRH University. „Jede Veränderung ist ein Schritt in die richtige Richtung – hin zu mehr Lebensqualität und Wohlbefinden.“
Stimmen zur aktuellen Debatte
Derzeit wird in den Medien intensiv über Prävention und Zuckerpolitik diskutiert. In der ARD-Sendung „Hirschhausen und der Zucker“ sprach Oliver Huizinga, Präventionsbeauftragter des AOK-Bundesverbands (ab Minute 27,5), darüber, warum Werbebeschränkungen und steuerliche Maßnahmen als wirksam gelten und weshalb Deutschland bei der Umsetzung häufig zögert. In der Sendung „Hart aber fair“ mit dem Titel „Zuckersteuer und Abnehmspritze: Wird unser Leben so gesünder?“ diskutierten Expertinnen und Experten über den möglichen Nutzen einer Zuckersteuer.