Selbsthilfe bei AD(H)S-Diagnose im Erwachsenenalter
Eine aktuelle Auswertung im „Deutschen Ärzteblatt“ zeigt einen starken Anstieg der AD(H)S-Erstdiagnosen bei Erwachsenen in Deutschland. Selbsthilfeangebote können Betroffenen helfen, die Diagnose besser zu verstehen und im Alltag damit umzugehen.
Zwischen 2015 und 2024 hat sich die Diagnosehäufigkeit von AD(H)S im Erwachsenenalter laut der Analyse stark erhöht: Sie nahm insgesamt um etwa das Dreifache zu. Zwar waren Männer über den gesamten Zeitraum häufiger betroffen als Frauen, allerdings hat sich dieser Unterschied zuletzt stark verringert. Am häufigsten wurden Diagnosen bei jungen Erwachsenen unter 40 Jahren gestellt, mit besonders starken Zunahmen bei jungen Frauen.
Die Analyse beruht auf Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Sie untersucht erstmals deutschlandweit, wie sich die Häufigkeit neu diagnostizierter AD(H)S-Spektrum-Störungen bei Erwachsenen entwickelt hat. Grundlage waren Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung von Erwachsenen ab 18 Jahren, bei denen nach mindestens zwei Jahren ohne entsprechende Diagnose erstmals AD(H)S festgestellt wurde.
Meist verspätete Diagnosen
Die Autorinnen und Autoren gehen davon aus, dass es sich überwiegend um spät erkannte Störungen handelt, deren Symptome meist schon früher begonnen haben. Mögliche Gründe für den jüngsten Anstieg sehen sie unter anderem in einer höheren gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für AD(H)S und den psychischen Belastungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie.
Frauen oft weniger im Fokus
Die Ergebnisse der Studie sind besonders bedeutsam, da sie zeigen, dass vor allem junge Frauen zunehmend eine AD(H)S-Diagnose erhalten. Lange Zeit wurde AD(H)S bei Frauen und Mädchen unterschätzt, weil man davon ausging, dass die Störung überwiegend Jungen betrifft und sich im Erwachsenenalter „verwächst“. Tatsächlich tritt AD(H)S bei Mädchen häufig später und weniger auffällig in Erscheinung, sodass viele Betroffene erst spät oder gar nicht diagnostiziert werden. Stattdessen werden oft Begleiterkrankungen wie Angststörungen, Depressionen oder Essstörungen behandelt, ohne die zugrunde liegende Ursache zu erkennen.
Umso wichtiger ist eine gezielte Aufklärung, die dazu beiträgt, AD(H)S bei Frauen früher zu erkennen, besser zu verstehen und angemessen zu behandeln. Genau dafür engagiert sich der Selbsthilfeverein ADHS Deutschland – unter anderem mit dem Filmprojekt „Maskierte ADHS – die übersehene Variante bei Frauen“, das derzeit mit Förderung der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… realisiert wird.
ADHS-Elterntraining
Einen weiteren Fokus legt die AOK auf ADHS im Kindesalter mit einem Elterntraining, das bei typischen Erziehungsproblemen hilft. Das Online-Selbsthilfeprogramm steht allen Interessierten kostenfrei und unbegrenzt zur Verfügung. Es bietet unter anderem Erklärvideos, interaktive Übungen sowie wissenschaftlich fundierte Tipps, um den Familienalltag bei Verdacht auf ADHS oder nach gestellter Diagnose zu erleichtern.