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Datennutzung verbessert individuelle Gesundheitsversorgung

30.04.2026 AOK PLUS 5 Min. Lesedauer

Gezielte Datennutzung hilft, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und den Menschen mehr gesunde Jahre zu ermöglichen. Für die AOK PLUS ist das ein wichtiger Baustein, um Menschen nicht erst im Krankheitsfall zu begleiten, sondern präventiv und individuell zu informieren. Unsere Best-Practice-Beispiele zeigen, wie eine gezielte Ansprache Versorgung verbessert.

Die Nutzung von Gesundheitsdaten durch gesetzliche Kranken- und Pflegekassen basiert auf einem klaren gesetzlichen Rahmen. Das Fundament bildet § 284 SGB V: Er regelt, welche Sozialdaten überhaupt erhoben, gespeichert und verarbeitet werden dürfen – etwa zur Feststellung des Versicherungsverhältnisses, zur Abrechnung mit Ärzten, Therapeuten und andern Leistungserbringern oder zur Prüfung von Leistungsansprüchen. Der Paragraf schützt also die Privatsphäre der Versicherten, indem er die Datennutzung streng auf notwendige und gesetzlich definierte Zwecke begrenzt. Gleichzeitig beschränkt er die Kranken- und Pflegekassen auf eine reine Kostenträger-Rolle.

Darauf aufbauend ermöglicht § 68b SGB V den Kranken- und Pflegekassen, Daten gezielt zu nutzen, um Versicherte individuell über innovative Versorgungsangebote zu informieren. Dazu zählen beispielsweise digitale Gesundheitsanwendungen, strukturierte Behandlungsprogramme Disease-Management-Programme (DMP) sind strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch kranke… oder besondere Präventionsangebote. Ziel ist es, Menschen auf Leistungen aufmerksam zu machen, die zu ihrer persönlichen gesundheitlichen Situation passen. 

Mit dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) wurde dieser Ansatz im Jahr 2024 durch § 25b SGB V erweitert. Dieser Paragraf erlaubt Kranken- und Pflegekassen, vorhandene Abrechnungsdaten systematisch auszuwerten, um Versicherte auf konkrete gesundheitliche Risiken hinzuweisen. Dazu gehören unter anderem seltene Erkrankungen, Krebserkrankungen, schwerwiegende Arzneimittelwechselwirkungen, unentdeckte Pflegebedürftigkeit Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) vom 27. November 2015 wurde der Begriff der… sowie fehlende Schutzimpfungen. Im Unterschied zu § 68b steht hier nicht die Information über neue Versorgungsangebote im Mittelpunkt, sondern der unmittelbare Schutz der Gesundheit.

Der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… PLUS bietet dieses Zusammenspiel aus drei Paragrafen die Chance, ihre Rolle als Gesundheitslotsin aktiv wahrzunehmen. Anspruch der Gesundheitskasse ist es, Menschen nicht erst im Krankheitsfall zu begleiten, sondern frühzeitig Orientierung zu geben. Ziel ist es, durch eine verantwortungsvolle Datennutzung die individuelle Gesundheit zu verbessern, Volkskrankheiten vorzubeugen und medizinische Behandlungen möglichst zu vermeiden. 

Seit Einführung der gesetzlichen Möglichkeiten hat die AOK PLUS Gesundheitsdaten bereits in mehreren Anwendungsfällen ausgewertet und Versicherte gezielt angesprochen – mit messbarem Erfolg. 

Best-Practice: Darmkrebsfrüherkennung von zu Hause

Untersuchungen zur Darmkrebsfrüherkennung wie die Darmspiegelung (Koloskopie) oder der Stuhltest sind für viele Menschen noch immer mit Scham oder Unsicherheit verbunden – entsprechend gering ist die Inanspruchnahme. In Sachsen und Thüringen sind rund 954.000 Versicherte der AOK PLUS über 50 Jahre alt und könnten diese Früherkennung Im Rahmen der Prävention dienen Maßnahmen der Früherkennung dazu, Krankheiten bereits im Frühstadium… nutzen. Bisher tun das jedoch nur etwa acht Prozent.

Um diese Hemmschwelle zu senken, hat die AOK PLUS gemeinsam mit der DoctorBox GmbH seit März 2026 den Zugang zum Stuhltest deutlich vereinfacht. Kundinnen und Kunden können sich ein Test-Set bequem nach Hause bestellen, ihre Probe selbst entnehmen und anschließend per Post einsenden – ohne zusätzlichen Praxisbesuch. Bereits nach einem Monat waren 1.400 Bestellungen des Test-Kits eingegangen, 450 Proben analysiert und die Ergebnisse an die Versicherten übermittelt. Wie bereits beim erfolgreichen Pilottest im Jahr 2024 wurden Menschen informiert, die bislang nicht regelmäßig an Früherkennungsuntersuchungen teilnehmen. Die gesetzliche Grundlage ermöglicht es der AOK PLUS, diese Zielgruppe passgenau zu identifizieren und direkt anzusprechen.

Für den Piloten standen 2.000 Test-Sets zur Verfügung, die innerhalb von drei Monaten von den Kundinnen und Kunden bestellt werden sollten. Angeschrieben wurden 50- bis 60-jährige Versicherte in Dresden und Leipzig sowie im jeweiligen Umland. Projektleiterin Alice Ernst aus dem Bereich Innovation und Entwicklung der AOK PLUS erinnert sich: „Die Tests waren schnell vergriffen. Auch wenn nur etwas mehr als die Hälfte wieder eingesandt wurde, war die Aktion damit erfolgreich. Es hat sich bestätigt, dass die persönliche Ansprache unserer Kundinnen und Kunden bei der Bekanntmachung von Angeboten den größten Erfolg erzielt.“

Die Kombination aus niedrigschwelligem Zugang über einen Test von zu Hause aus und direkter Ansprache kann insbesondere Menschen erreichen, die bisher keine Angebote zur Darmkrebsfrüherkennung genutzt haben. „Mit diesem einfachen Vorsorgeangebot hoffen wir, die Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen innerhalb von zwei Jahren um drei Prozent auf elf Prozent zu steigern. Das entspricht rund 28.600 Versicherten über 50 Jahre in Sachsen und Thüringen“, so Alice Ernst.

Best-Practice: HPV-Impfung – Vorsorge in jungen Jahren

Die Impfquoten junger Menschen gegen humane Papillomviren (HPV) sind weiterhin zu niedrig – obwohl HPV-Infektionen nachweislich für verschiedene Krebsarten verantwortlich sind. In Sachsen waren 2024 rund 59 Prozent der 15-jährigen Mädchen und nur 40 Prozent der Jungen vollständig geimpft. In Thüringen lag die Quote mit 64 Prozent bei den Mädchen und 45 Prozent bei den Jungen auf einem ähnlich niedrigen Niveau. (Quelle: RKI)

„Die Impfung in jungen Jahren bietet den wirksamsten Schutz. Deshalb haben wir zwischen März und Juni 2025 entsprechend den gesetzlichen Regelungen mehr als 225.000 ungeimpfte Kinder und Jugendliche im Alter von neun bis 17 Jahren beziehungsweise deren Eltern gezielt über die HPV-Impfung informiert“, erklärt Arzneimittelexperte Robert Otto.

Das Ergebnis war deutlich: Die Inanspruchnahme der Impfung stieg in den Folgemonaten in allen Altersgruppenspürbar an. So erhöhte sich die Zahl der HPV-Erstimpfungen im zweiten und dritten Quartal 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 70 Prozent. Das entspricht rund 6.000 zusätzlichen Erstimpfungen pro Quartal.

Auch aus Sicht der AOK PLUS war die Maßnahme ein voller Erfolg. „Seitdem wir die Briefe verschickt haben, haben mehr als 10 Prozent dieser Kundinnen und Kunden – also mehr als 22.000 Mädchen und Jungen – eine erste HPV-Impfung erhalten. Wir konnten die Inanspruchnahme der Impfung deutlich erhöhen. Deshalb überlegen wir jetzt, ob wir das Vorgehen in den kommenden Jahren zum Standard machen und ob wir die Zielgruppe noch anpassen“, so Robert Otto.

Fazit: Datengestützte Prävention wirkt

Die Best-Practice-Beispiele zeigen: Eine gezielte Ansprache ist häufig deutlich wirksamer als allgemeine Informationen. Gleichzeitig eröffnet die verantwortungsvolle Nutzung von Gesundheitsdaten für Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… und Versicherte gleichermaßen neue Möglichkeiten in der Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… und Versorgung. Die gesetzlichen Regelungen schaffen dafür den notwendigen Rahmen. 

Wenn die AOK PLUS gesundheitliche Risiken frühzeitig erkennt und Versicherte aktiv informiert, erreicht sie mehr Menschen – und schafft die Chance auf mehr gesunde Lebensjahre. So wird Datennutzung zu einem wichtigen Instrument moderner Gesundheitsversorgung: präventiv, individuell und immer mit klarem Fokus auf den konkreten Nutzen für die Menschen.