Eine Brücke zwischen den Sektoren

Ambulant oder stationär? Im Haus Rheinaue in Wyhl am Kaiserstuhl lautet die Antwort seit 2016: beides. Das „stambulante“ Konzept, mitentwickelt von der AOK Baden-Württemberg, verbindet die Sicherheit stationärer Strukturen mit der Flexibilität ambulanter Versorgung.

Das Bild zeigt eine Gruppe von älteren Menschen, die in einem Stuhlkreis zusammensitzen und sich einen Gummiball hin und her schmeißen.

Pflegebedürftige Menschen wünschen sich vor allem eines: ein Leben in Sicherheit und Selbstbestimmung. Genau hier knüpft das “stambulante Konzept” im Haus Rheinaue in Wyhl am Kaiserstuhl (Landkreis Emmendingen) an. Die BeneVit Gruppe, ein Unternehmen für ambulante und stationäre Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… aus Mössingen in Baden-Württemberg, hat das Konzept gemeinsam mit der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Baden-Württemberg im Südwesten entwickelt. Ziel ist ein neuer Versorgungsansatz, der die Trennung zwischen den Sektoren überwindet. Das geförderte Modellprojekt wurde vom GKV-Spitzenverband Mit dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz wurden die Organisationsstrukturen in der gesetzlichen… unterstützt. Die Federführung liegt bei der AOK Baden-Württemberg.

Flexibilität und Versorgungssicherheit vereint

Kern des Konzepts ist ein transparenter „stambulanter Hilfemix“: Wohnen, Grund- und Wahlleistungen Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen können bei Krankenhausaufenthalten Wahlleistungen in… werden miteinander verknüpft und individuell kombinierbar gemacht. Pflegebedürftige, die zuhause nicht mehr allein zurechtkommen, leben hier in einer stabilen Wohn- und Versorgungssituation vor Ort. Gleichzeitig behalten sie die Freiheit, Hilfe- sowie aktivierende und rehabilitative Pflegeleistungen flexibel zu wählen. Hierfür stehen ihnen neben einem multiprofessionellen Team mit Stammpersonal und 24-Stunden-Abdeckung Wahlleistungen durch ambulante Dienste zur Verfügung, die frei gewählt werden können. Auch Angehörige können sich weiterhin aktiv einbringen, etwa indem sie die Grundpflege oder Zimmerreinigung übernehmen und dafür Pflegegeld erhalten können.

Ziel:
Verbesserung der Versorgungsqualität durch die Verbindung von Sicherheit in der Versorgung mit einer möglichst hohen Flexibilität.

Träger:
BeneVit Gruppe, AOK Baden-Württemberg.

Zielgruppe:
Pflegebedürftige Menschen mit Bedarf an flexiblen Versorgungsformen sowie deren Angehörige.

Ansatz:
Auflösung der Sektoren Kombination („stambulant“) mit individuellen Wahlmöglichkeiten, einem abgestimmten Hilfemix und verlässlicher pflegerischer Infrastruktur vor Ort.

Umsetzung:
Seit 2016 auf Grundlage verschiedener gesetzlicher Regelungen umgesetzt; aktuell im Rahmen eines Vertrags zur integrierten Versorgung (§ 92b SGB XI).

Mehrwert:
Hinweise auf höhere Versorgungsqualität, geringere Krankenhausinanspruchnahme und längere Stabilität der Pflegegrade; zudem effizienterer Personaleinsatz und Potenzial für eine flächendeckende Übertragbarkeit.

Kombination von Sicherheit und Flexibilität

Diese Verbindung von Sicherheit und Flexibilität war die Antwort auf eine zentrale Herausforderung der Pflege: starre Leistungslogiken, die dem individuellen Bedarf oft nicht gerecht werden. Im stambulanten Setting bezeichnet im Bereich der Gesundheitsförderung Lebensbereiche, in denen Menschen einen großen Teil… sind daher Wohnen und Versorgung so organisiert, dass sie einerseits eine verlässliche Struktur bieten, andererseits Wahlfreiheit in der Leistungserbringung ermöglichen.

Mittlerweile wird das – auch als „Mit-Mach-Heim“ bezeichnete – Haus Rheinaue im Rahmen eines Vertrages zur integrierten Versorgung weitergeführt, gestützt auf eine Vereinbarung mit der AOK Baden-Württemberg und der Sozialversicherung Die Sozialversicherung in ihrer heutigen Form geht auf die "Kaiserliche Botschaft" von 1881 und die… für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG). Damit ist der Weiterbetrieb regional rechtlich gesichert. Die bundesweite gesetzliche Verankerung im SGB XI als Regelleistung wird nun mit Einführung des § 92c SGB XI grundsätzlich ermöglicht. Die dazu ausstehenden Empfehlungen des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) sollen bis Ende des Jahres fertiggestellt werden.

Evaluation zeigt höhere Versorgungsqualität

Dass der Ansatz wirkt, belegt auch die wissenschaftliche Evaluation: Ein Gutachten des IGES Instituts weist auf einer höhere Versorgungsqualität hin. Unter anderem werden Krankenhausbehandlungen und Krankentransporte deutlich seltener in Anspruch genommen. Zudem verbleiben Versicherte im stambulanten Setting länger im gleichen Pflegegrad Mit dem Zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II) sind zum 1. Januar 2017 in der Pflegeversicherung die… als Versicherte in anderen Versorgungssettings.

Die Evaluation kommt zu dem Schluss, dass das Modell bei einer stärkeren Verbreitung positive Effekte auf die Versorgungssicherheit entfalten kann – durch eine höhere Versorgungskontinuität und die effizientere Nutzung knapper Personalressourcen.

Überwindung starrer Sektorengrenzen

Die im Haus Rheinaue gewonnenen Erfahrungen entsprechen auch den gesundheitspolitischen Positionen des AOK-Bundesverbands. Dieser setzt sich ausdrücklich für eine Überwindung der starren Trennung zwischen ambulanter und stationärer Pflege ein. In seinem Positionspapier zur Weiterentwicklung der Pflege fordert der Verband eine stärkere Ausrichtung der Versorgung am individuellen Bedarf der Pflegebedürftigen statt an Sektorengrenzen. Flexible Wohn- und Versorgungsformen sollen es ermöglichen, Pflegeleistungen unabhängig vom Setting passgenau zu kombinieren und damit Selbstbestimmung und Versorgungssicherheit gleichermaßen zu stärken.

Zentral ist dabei die Forderung nach integrierten Leistungsstrukturen, die ambulante und stationäre Angebote zusammenführen und damit die Sektorengrenzen überwinden und rechtlich wie finanziell besser verzahnen. Der AOK-Bundesverband spricht sich unter anderem für neue Vertragsformen aus, die sektorenübergreifende Versorgung erleichtern und Kommunen sowie Pflegekassen größere Gestaltungsspielräume eröffnen würden. Ziel ist es, Pflege vor Ort stabil, kontinuierlich und zugleich flexibel zu organisieren.