Pressemitteilung

WIdO-Analyse: Fast jede dritte Hausarztpraxis in Schleswig-Holstein setzt auf multiprofessionelle Teamarbeit

13.10.2026 AOK NordWest 3 Min. Lesedauer

Anteil hat sich zwischen 2015 und 2024 fast verdoppelt

Ein Arzt und eine Pflegefachkraft schauen in die Kamera.
Qualifizierte nicht-ärztliche Fachkräfte können Ärztinnen und Ärzte gezielt entlasten und die Versorgung sinnvoll ergänzen.

Kiel. Die ambulante medizinische Versorgung in Schleswig-Holstein entwickelt sich zunehmend zur Teamaufgabe: Eine aktuelle Bestandsaufnahme des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt, dass qualifiziertes, nicht-ärztliches Praxispersonal bereits in mehr als einem Viertel der Hausarztpraxen (27 Prozent) in die Patientenversorgung eingebunden wird. Die Ergebnisse kommen vor dem Hintergrund der Pläne der Bundesregierung zur Einführung eines teambasierten Primärversorgungssystems und des demografischen Wandels besondere Bedeutung zu. „Die Zukunft der hausärztlichen Versorgung liegt in starken Teams. Wo qualifizierte nicht-ärztliche Fachkräfte heute schon in die Patientenversorgung eingebunden sind, werden ärztliche Ressourcen sinnvoll ergänzt und Verantwortung im Team geteilt. Wir stellen aber auch fest, dass es große regionale Unterschiede im Land gibt“, sagt Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest. 

„Starke Teams sind ein Schlüssel für die Zukunft der hausärztlichen Versorgung.“

Tom Ackermann

Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest

Gezielte Patientensteuerung

Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft steigt die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Gleichzeitig verschärft sich der Hausärztemangel. Primärversorgungspraxen mit Teams aus Ärzten, Pflegefachpersonen, Physician Assistants und weiteren Gesundheitsberufen böten Hilfesuchenden eine umfassende Grundversorgung, so der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Chef. „Mit dem Modell einer Primärversorgung Unter Primärversorgung wird die gesundheitliche Grundversorgung und Beratung verstanden, in der auch… besteht eine gute Chance, Hilfesuchende künftig schnell, zielgerichtet und effizient an die richtige Stelle im Versorgungssystem zu steuern. Dazu brauchen wir klar geregelte Abläufe mit einem verbindlichen, standardisierten Ersteinschätzungsverfahren auf digitalem oder telefonischem Wege und eine bessere Vernetzung aller beteiligten Akteure“, so Ackermann.

In der WidO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… -Studie wurden AOK-Abrechnungsdaten der Jahre 2015 bis 2024 für zwei etablierte berufliche Qualifizierungsmodelle analysiert, die gezielt zur Entlastung der hausärztlichen Kapazitäten beitragen können: Nicht-ärztliche Praxisassistenten (NäPA) und Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis (VERAH). Beide Qualifikationen weisen ein ähnliches Tätigkeits- und Kompetenzprofil auf und übernehmen unter anderem Aufgaben in der Wundversorgung und Betreuung chronisch Kranker. 

Erhebliches Ausbaupotential

In den letzten zehn Jahren haben beide Berufsbilder der WIdO-Studie zufolge in Schleswig-Holstein stark an Bedeutung für die Versorgung gewonnen: Die Anzahl hausärztlicher Praxen, die mindestens eine dieser Fachkräfte beschäftigten, stieg im Beobachtungszeitraum von 296 auf 556 Praxen an, und das trotz einer insgesamt rückläufigen Anzahl an Praxen. Das entspricht einem Gesamtzuwachs von etwa 88 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Gleichzeitig sagt die Studie auch: Knapp drei Viertel der hausärztlichen Praxen (73 Prozent) beschäftigen bislang noch keine NäPA oder VERAH, hier gibt es noch erhebliches Ausbaupotential. 

Regionale Unterschiede

Auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte in Schleswig-Holstein zeigt die Analyse des WIdO ebenfalls deutliche Unterschiede: So verzeichnet der Kreis Steinburg mit 40 Prozent den höchsten Anteil an NäPA-/VERAH-Praxen, gefolgt vom Kreis Ostholstein mit 37 Prozent, dem Kreis Segeberg (35 Prozent) und dem Kreis Dithmarschen (33 Prozent). Die niedrigsten Quoten weisen die beiden Städte Kiel (13 Prozent) und Flensburg (18 Prozent) auf. Qualifizierte Gesundheitsfachberufe sind demnach dort etwas häufiger vertreten, wo vergleichsweise wenige Hausärztinnen und Hausärzte die Bevölkerung versorgen. „Die Ergebnisse legen nahe, dass vor allem größere und arbeitsteilig organisierte Praxen besonders gute Rahmenbedingungen bieten, um qualifizierte Gesundheitsfachberufe in die Primärversorgung einzubinden. Außerdem weisen sie darauf hin, dass die Versorgung insbesondere durch den Ausbau der Hausbesuchskapazitäten gestärkt wird. Das sollte die Reform berücksichtigen. Es sollte auch schon jetzt bei neu zu besetzenden hausärztlichen Sitzen mitgedacht werden, da der Fachkräftemangel und die Zunahme der chronischen Morbidität in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen werden“, so Ackermann. 

2 passende Downloads

  • Pressemitteilung vom 13.10.2026 als PDF

    Format: PDF | 50 KB

  • Foto: Primärversorgung in Schleswig-Holstein 2026

    Format: JPG | 716 KB | 2953 × 1928 px

    Lizenz: Dieses Bild darf nur im Zusammenhang mit der nebenstehenden redaktionellen Berichterstattung und ausschließlich von Zeitungsredaktionen bzw. Verlags-/Medienhäuser für ihre Print-Publikationen (Veröffentlichung ist auf 500k Kopien begrenzt), Online-Plattformen und für ihre sozialen Medien genutzt werden. Bitte geben Sie immer die folgende Quelle (Copyright) an: AOK NordWest/Colourbox/hfr

Ihr Ansprechpartner und Pressekontakt

Pressesprecher

Jens Kuschel

AOK NordWest