Pressemitteilung

Jungen in Schleswig-Holstein häufiger von Sprachstörungen betroffen als Mädchen

26.10.2026 AOK NordWest 3 Min. Lesedauer

Sprachtherapie für fast jeden fünften Schulanfänger

Eine Logopädin sitzt am Tisch, ihr gegenüber ein Junge, dem sie bestimmte sprachliche Übungen, die er wiederholt.
Sprachstörungen bei Kindern können das Lernen stark beeinträchtigen. Logopädische Behandlungen können helfen, Sprachdefizite positiv zu beeinflussen.

Kiel. Richtig sprechen können: Das ist die Voraussetzung, um schulische Herausforderungen zu meistern, sich auszutauschen und zu lernen. Kinder mit Sprachstörungen sind daher in ihrem Alltag und beim Lernen stark beeinträchtigt. Um Sprachdefizite zu beheben, erhielt fast jeder fünfte Schulanfänger in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr rund um den Schulbeginn eine Sprachtherapie. Das belegt eine aktuelle Auswertung der AOK NordWest. Danach hieß es für 19,3 Prozent der sechsjährigen Kinder, nicht nur lesen, rechnen und schreiben zu lernen, sondern auch das richtige Sprechen. Jungen waren mit 24,0 Prozent häufiger betroffen. Bei den gleichaltrigen Mädchen waren es immerhin noch 14,5 Prozent. „Die sprachliche Entwicklung spielt eine entscheidende Rolle im Leben eines Kindes. Sie bildet das Fundament für die gesamte geistige, soziale und emotionale Entwicklung. Die Fähigkeit, sich auszudrücken und zu kommunizieren, beeinflusst das Lernen, die Interaktion mit anderen und das Selbstvertrauen eines Kindes. Logopädische Behandlungen können Defizite positiv zu beeinflussen“, so Tom Ackermann, Vorstandschef der AOK NordWest.

„Sprache ist der Grundpfeiler für die Entwicklung eines Kindes.“

Tom Ackermann

Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest

Spricht mein Kind altersgerecht?

Weil Kinder in unterschiedlichem Tempo sprechen lernen, ist es für Eltern oft nicht leicht zu beurteilen, ob ihr Kind altersgerecht spricht. Dazu kommt, dass Sprachstörungen bei Kindern vielfältig sind und sich auf unterschiedliche Weise äußern können. Sehr häufig treten Artikulationsstörungen auf, das heißt, dass Kinder Laute nicht richtig bilden können. Sind auch Satzbau und Wortschatz gestört, ist es möglich, dass eine Sprachentwicklungsstörung vorliegt. Die offensichtlichste Form von Sprachstörungen bei Kindern sind Redeflussstörungen, diese können sich beispielsweise durch Sprechblockaden und angestrengte Wiederholungen (Stottern) oder durch sehr undeutliches, schnelles Sprechen (Poltern) äußern.

Sprachtherapie rund um den Schuleintritt

Das frühzeitige Erkennen ist entscheidend, um die Kommunikationsfähigkeiten des Kindes zu verbessern. Bei Kindern mit Entwicklungsstörungen der Sprache oder des Sprechens werden Sprachtherapien überwiegend ab einem Alter von vier Jahren verordnet. In Schleswig-Holstein erhielten bereits 10,3 Prozent der vierjährigen Jungen eine Sprachtherapie. Bei den Mädchen lag der Anteil bei 5,4 Prozent. Im Alter von sechs Jahren ist die Inanspruchnahme dieser Therapien am höchsten, sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen. „Entwicklungsstörungen der Sprache zeigen sich meist schon in den ersten Lebensjahren. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern von Beginn an gezielt die Sprachentwicklung ihres Kindes unterstützen“, so Ackermann. Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, dass sich die Verordnungswerte bei den Sechsjährigen schon seit längerem auf einem sehr hohen Niveau eingependelt haben. Nach der Zeit des Schuleintritts wird der Anteil der Kinder, die eine Sprachtherapie erhalten, geringer.

Sprachstörungen vorbeugen

Über die möglichen Ursachen der starken Verbreitung von sprachtherapeutischen Behandlungen rund um den Schuleintritt wird in der Fachwelt seit Jahren diskutiert. Eine Erklärung ist, dass sich die in diesem Alter angemessenen sprachlichen Fähigkeiten bei den Kindern verschlechtert haben. Gleichzeitig wird aber auch ein Wandel der Anforderungen von Schule und Elternhaus an die Kinder beobachtet, so wie auch ärztliches Diagnoseverhalten und Therapiemöglichkeiten kontinuierlichen Veränderungsprozessen unterliegen. „Verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen in Kindergärten und Schulen sowie im Elternhaus wie beispielsweise das gemeinsame Lesen oder Vorlesen statt fernzusehen, sollten in ihrer Wirkung nicht unterschätzt werden. Sie können helfen, Entwicklungsstörungen schon in frühen Jahren vorzubeugen“, so AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Chef Ackermann.

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