Pressemitteilung

Rauschtrinken in Westfalen-Lippe wieder im Aufwärtstrend

11.08.2026 AOK NordWest 4 Min. Lesedauer

370 junge Menschen wegen Alkoholkonsums in Klinik eingeliefert

Eine junge Frau mit geschlossenen Augen und zur Seite geneigtem Kopf hält ein alkoholisches Getränk in ihrer rechten Hand hoch. Im Hintergrund ist grelles Licht sichtbar.
Alkohol schadet mit jedem Schluck: In Westfalen-Lippe landeten im vergangenen Jahr wieder mehr junge Heranwachsende in der Notaufnahme, weil sie ihr Limit in Sachen Alkohol überschritten haben.

Dortmund. Die Fälle von exzessivem Alkoholkonsum bei Heranwachsenden sind nach der rückläufigen Entwicklung der letzten Jahre in Westfalen-Lippe wieder im Aufwärtstrend. Hatten die Krankenhausaufenthalte wegen Rauschtrinkens bei Kindern und Jugendlichen im Jahr 2024 ein Rekordtief erreicht, sind sie im vergangenen Jahr deutlich angestiegen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der AOK NordWest hervor. Danach wurden im Jahr 2025 insgesamt 370 junge Menschen im Alter von 12 bis 20 Jahren wegen Alkoholkonsums in eine Klinik eingeliefert, im Vorjahr waren es 317. „Es ist bedenklich, dass wieder mehr Jugendliche ein derart problematisches Trinkverhalten aufweisen und ihr Limit in Sachen Alkohol überschreiten. Gerade für Heranwachsende ist Alkohol hochgefährlich und mit besonderen Risiken für eine gesunde Entwicklung verbunden. Daher bleibt Prävention weiterhin notwendig“, sagt Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest.

„Jeder Jugendliche mit einer akuten Alkoholvergiftung ist einer zu viel.“

Tom Ackermann

Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest

Alkohol darf keine Normalität sein

Die ansteigende Entwicklung ist in fast allen Altersgruppen zu beobachten. AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Chef Ackermann warnt davor, dass Alkoholkonsum zu langfristigen Gesundheitsschäden mit negativen Auswirkungen auch auf die schulische und berufliche Ausbildung führen kann und die Gefahr erhöht, später abhängig zu werden. „Jeder Jugendliche mit einer akuten Alkoholvergiftung ist einer zu viel. Daher ist es wichtig, dass Jugendliche mit Alkohol verantwortungsvoll umgehen“, so Ackermann. Dabei spiele das Verhalten von Eltern, Trainern sowie anderen Bezugspersonen eine große Rolle. „Wenn im nahen Umfeld der Konsum alkoholfreier Getränke als normal angesehen wird, übernehmen Kinder und Jugendliche dieses Verhalten oft. Deshalb sollten wir gemeinsam daran arbeiten, eine gesunde und verantwortungsbewusste Einstellung zum Alkohol vorzuleben“, so Ackermann. 

Jeder Schluck schadet

Nach den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS) gib es keine risikofreie Menge für einen unbedenklichen Alkoholkonsum. Die DHS empfiehlt daher, auf alkoholische Getränke möglichst zu verzichten. „Alkohol schadet mit jedem Schluck“, so der AOK-Chef. Daher befürwortet Ackermann den Vorstoß der Gesundheitsminister der Länder, die auf ein gesetzliches Verbot des sogenannten ‚begleiteten Trinkens‘ von Jugendlichen ab 14 Jahren drängen, die bisher in Begleitung etwa der Eltern in der Öffentlichkeit Bier und Wein trinken dürfen. 

Rahmenbedingungen für eine funktionierende Suchtprävention

Neben dem Vorleben im persönlichen Umfeld sei der Einsatz für weniger Alkohol eine gemeinschaftliche Aufgabe, betont der AOK-Vorstandsvorsitzende. „Wir dürfen in der Alkoholprävention nicht nachlassen“, sagt Ackermann. Die Verfügbarkeit von Alkohol zu verringern und mit allen relevanten Akteuren gemeinsam zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol zu motivieren und alkoholfreie Getränke in den Fokus zu stellen seien wichtige Schritte. 

Präventionsprojekte in Westfalen-Lippe

Als positives Beispiel für gelebte Suchtprävention nannte Ackermann das landesweite Projekt ‚HaLT - Hart am Limit‘, eine gemeinsame Initiative der gesetzlichen Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… mit dem Landes-Gesundheitsministerium und der Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW. Dabei werden Jugendliche, die wegen Rauschtrinkens ins Krankenhaus Krankenhäuser sind Einrichtungen der stationären Versorgung, deren Kern die Akut- beziehungsweise… eingeliefert werden, mit einem speziellen Angebot der regionalen Suchtberatungsstellen, auch unter Einbindung oft besorgter Eltern unterstützt, ihren Alkoholkonsum zu reflektieren und Ideen für den zukünftigen Umgang zu entwickeln. Kommunale Strukturen werden aufgebaut, um ein Leben ohne Alkohol insbesondere für Jugendliche zu fördern – so ziehen möglichst unter Einbeziehung von Jugendlichen Vereine, Freizeiteinrichtungen, Einzelhandel, Polizei, Schulen und Beratungseinrichtungen regional an einem Strang.

Hilfe bietet ebenfalls das niederschwellige Online-Angebot in NRW unter www.suchtberatung-digital.de. Hier erhalten Betroffene und Angehörige einen schnellen und unkomplizierten Zugang zu Hilfsangeboten und Informationen. Über die Website können Hilfesuchende auch anonym und kostenfrei die digitale Suchtberatung nutzen – per Video, per Chat oder per E-Mail.

Darüber hinaus ist die AOK NordWest Kooperationspartnerin der Gemeinschaftsinitiative ‚Sucht hat immer eine Geschichte‘ mit zahlreichen Aktionen und Online-Schulungen. Weitere Infos unter www.suchtgeschichte.nrw.de

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