Prognose: Demenzfälle in Westfallen-Lippe steigen bis 2060 deutlich an
Ländliche Regionen mit älter werdender Bevölkerung besonders betroffen
Dortmund. Die Zahl der Menschen mit Demenz in Westfalen-Lippe wird in den kommenden Jahrzehnten deutlich steigen. Nach aktuellen Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln erhöht sich die Zahl der Betroffenen bei weiter steigender Lebenserwartung von derzeit rund 137.000 auf mehr als 198.000 im Jahr 2060. Grundlage der Berechnungen ist ein kleinräumiges Prognoseverfahren, das regionale Unterschiede sichtbar macht. Demnach wird der Anteil der Menschen mit einer Demenzerkrankung im Jahr 2060 je nach Region unterschiedlich ausfallen: Während in Münster voraussichtlich rund 2,0 Prozent der Bevölkerung betroffen sein werden, könnte der Anteil im Kreis Höxter auf bis zu 3,7 Prozent steigen. „Die zunehmenden Demenzerkrankungen stellen nicht nur für die Betroffenen und deren Angehörigen, sondern auch für die Gesellschaft sowie das Gesundheits- und Pflegesystem eine große Herausforderung dar. Da es bisher keine Heilung für Demenzen gibt, könnte eine gute Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… jedoch die Effekte der Alterung der Gesellschaft auf die Häufigkeit von Demenzen kompensieren“, sagt Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der NordWest.
„Eine Verbesserung vieler verschiedener und oft miteinander im Zusammenhang stehender Faktoren kann dazu beitragen, dass fast die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden kann.“
Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest
Demenz-Neuerkrankung mit Prävention verringern
Nach internationalen Studien tragen in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht soziale, lebensstilbedingte und gesundheitsbezogene Faktoren wie andere Erkrankungen zum Demenzrisiko bei. „Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann eine Verbesserung vieler verschiedener oft miteinander im Zusammenhang stehender Faktoren dazu beitragen, dass fast die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden kann“, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann. Dazu gehört ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Bewegung und der Verzicht auf Alkohol und Rauchen. Außerdem können eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Hörstörungen und die Vermeidung sozialer Isolation einer Demenzentwicklung wirkungsvoll vorbeugen. Dazu bietet die AOK NordWest ihren Versicherten unterschiedliche Angebote von individuellen Gesundheitskursen in Präsenz oder Online, Chronikerprogramme, Präventionsangebote in Lebenswelten wie Schulen, Kitas, Betrieben oder spezielle Vorsorgeangebote wie Gesundheits-Check-Ups.
Würden die verschiedenen Präventionsszenarien für Westfalen-Lippe zugrunde gelegt, könnten die Demenz-Fallzahlen im Jahr 2060 deutlich niedriger liegen und sich zwischen 120.788 und 144.970 Fällen stabilisieren. „Die Szenarien verdeutlichen, welches enorme Potenzial in der Prävention steckt. Schon vergleichsweise kleine Verbesserungen bei den Neuerkrankungsraten können langfristig sehr große Effekte haben“, so AOK-Chef Ackermann.
Ländliche Regionen besonders betroffen
Die Prognose der Demenz-Entwicklung und der Bevölkerungszahlen basiert auf einem neuartigen Verfahren, mit dem es auch möglich ist, Ergebnisse regional fein gegliedert bis auf Kreisebene darzustellen. In den Ergebnissen auf Ebene der 27 Kreise und kreisfreien Städte in Westfalen-Lippe zeigt sich, dass die bereits heute bestehenden Unterschiede zwischen städtischen Regionen mit relativ junger Bevölkerung und ländlichen Regionen mit relativ alter Bevölkerung deutlich zunehmen werden. Im Jahr 2020 reichte die Spanne der Demenz-Prävalenz ist eine Messgröße aus der Epidemiologie, die die Häufigkeit einer Krankheit zu einem bestimmten… in Westfalen-Lippe von 1,2 Prozent in Münster bis jeweils 1,9 Prozent in den Städten Gelsenkirchen, Herne und Bottrop sowie im Ennepe-Ruhr-Kreis. Für das Jahr 2060 wird eine Spanne von 2,0 Prozent in Münster bis zu 3,7 Prozent in Höxter prognostiziert. Der Unterschied zwischen der Region mit der höchsten und der niedrigsten Demenz-Prävalenz beträgt damit mehr als das 1,8 fache. Auf Landesebene ergäbe sich in NRW im Jahr 2060 ein Prävalenzwert von 2,6 Prozent.
Weniger Personen im erwerbsfähigen Alter pro Demenzfall
Mit steigender Lebenserwartung zeigen die Prognosen in Westfalen-Lippe nicht nur eine deutliche Zunahme der Demenzfälle, sondern auch einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Dementsprechend wird der steigenden Demenz-Fallzahl Summe aller Abrechnungsfälle in einem Abrechnungszeitraum. eine geringere Zahl an Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren gegenüberstehen, die die Versorgung gewährleisten können. Im Jahr 2020 lag das Verhältnis von Personen mit Demenz bei 2,7 je 100 Personen im erwerbsfähigen Alter. Rechnerisch stand also einem Demenzfall eine Zahl von 37 Personen im erwerbsfähigen Alter für die Versorgung gegenüber. Diese Kennzahl wird bis zum Jahr 2060 auf einen Wert von 5,0 ansteigen, sodass auf einen Demenzfall nur noch 20 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen werden. Es werden also deutlich mehr Demenzfälle von weniger Personen zu versorgen sein. Selbst im optimalen Präventionsszenario, in dem sich die Demenz-Fallzahlen stabilisieren, wird sich das Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter verschlechtern, sodass auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter immer noch 3,1 Demenzfälle kommen. Im Vergleich zum Wert von 2,7 im Jahr 2020 entspricht das einer relativen Zunahme um 16 Prozent des Versorgungsbedarfs.
Auch in der Prognose zu den erwerbstätigen Personen pro Demenzfall zeigt sich eine große regionale Spanne. So wird die Kennzahl zum Verhältnis der Demenzfälle zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter je nach Region Werte zwischen 3,2 und 7,6 erreichen. Bei einem Wert von 7,6 stehen rechnerisch nur noch 13,2 Personen im erwerbsfähigen Alter für die Versorgung eines Demenzfalles in der Region zur Verfügung.
Nationale Demenzstrategie
Ergänzend zur therapeutischen und pflegerischen Versorgung von Demenzerkrankten haben sich inzwischen verschiedene demenzsensible und demenzsensibilisierende Angebote herausgebildet. Im Rahmen der eingeleiteten Nationalen Demenzstrategie sollen etwa konkrete Hilfen für Menschen mit Demenz vor Ort geschaffen werden. Dazu haben das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit Die BIÖG fördert durch praktische Gesundheitserziehung und -aufklärung das verantwortungsbewusste… (BIÖG), die Deutsche Alzheimer Gesellschaft, das Bundesministerium für Gesundheit Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ist zuständig für die Politikbereiche Gesundheit,… , die Länder sowie der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… bislang erste Maßnahmen umgesetzt, die ineinandergreifen: Informationsmaterialien vermitteln Wissen, präventive Hausbesuche werden gefördert und kommunale Fördermittel sollen Angebote lokal verfügbar machen.
Innovative Wohnformen und Netzwerke
Für eine gute Versorgung von Pflegebedürftigen mit Demenz spielen zum Beispiel innovative Wohnformen sowie der gezielte und flächendeckende Aufbau von zuverlässig unterstützenden Netzwerken eine besondere Rolle, die aus An- und Zugehörigen, Ehrenamtlichen sowie Akteuren der Gesundheits- und Pflegeversorgung, einschließlich der Pflegeeinrichtungen bestehen. Diese können das Wohlbefinden von Demenzpatientinnen und -patienten erhöhen, indem sie die Teilhabe und Autonomie erhalten. Dabei handelt es sich häufig um regionale oder temporäre gesellschaftliche Strukturen mit hohem Alltagsbezug. In Westfalen-Lippe fördert die AOK NordWest, wie auch andere Krankenkassen, zahlreiche Demenz-Netzwerke vor Ort.
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WIdO-Prognose zur Demenzentwicklung in Westfalen-Lippe
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