Pressemitteilung

Umfrage zur Pflegeversicherung: 40 Prozent der Menschen in Westfalen-Lippe geben der Bundesregierung die Note 6

27.04.2026 AOK NordWest 4 Min. Lesedauer

AOK-Chef Tom Ackermann: „Politik muss Pflegeversicherung finanziell stabilisieren.“

Eine ältere Dame im Rollstuhl; neben ihr steht eine Pflegekraft, die sich zu ihr runterbeugt und ihr etwas in einem Tablet zeigt, das sie in der Hand hält.
Mit deutlich steigenden Beiträgen zur sozialen Pflegeversicherung rechnen in den kommenden zwölf Monaten 83 Prozent der Befragten in Westfalen-Lippe laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag der AOK Nordwest.

Dortmund. Die soziale Pflegeversicherung steckt in der Krise: Steigende Beitragssätze, hohe Eigenanteile im Heim und strukturelle Defizite bei Versorgungsangeboten. All das bereitet den Menschen in Westfalen-Lippe offenbar erhebliche Sorgen, wie eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag der AOK NordWest zum Thema Pflege zeigt. Auf die Frage, mit welcher Schulnote die Befragten „die Arbeit der Bundesregierung im Hinblick auf die gesetzliche soziale Pflegeversicherung“ beurteilen würden, vergaben 40 Prozent der Befragten in Westfalen-Lippe ein „Ungenügend“ und damit die Note 6. 25 Prozent vergaben die Note 5 (mangelhaft), 15 Prozent die Note 4, elf Prozent vergaben die Note 3. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass der seit langem ungelöste Reformbedarf in der Pflege die Menschen offenbar stark verunsichert. Deshalb ist die Bundesregierung gefordert, auch diesen Sozialversicherungszweig finanziell zu stabilisieren, damit das Vertrauen der Menschen in die Zukunft der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) nicht verloren geht. Der Handlungsbedarf ist gewaltig“, sagt AOK-Vorstandschef Tom Ackermann. Für die SPV liegen bisher ernüchternde Ergebnisse der Bund-Länder-Arbeitsgruppe ‚Zukunftspakt Pflege‘ vor. 

„Die Bundesregierung ist gefordert, auch diesen Sozialversicherungszweig der Sozialen Pflegeversicherung finanziell zu stabilisieren.“

Tom Ackermann

Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest

Pflegeversicherung chronisch unterfinanziert

Eine der zentralen Herausforderungen ist der Umfrage zufolge die Finanzsituation: So stimmten 77 Prozent der Befragten in Westfalen-Lippe der Aussage zu, dass die Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… chronisch unterfinanziert sei. 83 Prozent der Befragten sagten zudem, dass ihr Vertrauen in die finanzielle Stabilität der SPV in den nächsten zehn Jahren gering sei, nur elf Prozent gaben ein hohes Vertrauen an. Mit deutlich steigenden Beiträgen zur sozialen Pflegeversicherung rechnen in den kommenden zwölf Monaten 85 Prozent der Befragten. 

SPV von versicherungsfremden Leistungen befreien

AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Chef Ackermann betonte, dass eine nachhaltige Stabilisierung der SPV-Finanzen nicht allein durch Effizienzsteigerungen und Ausgabenbegrenzungen wie in der GKV gelingen könne. „Um weitere Beitragssatzanhebungen in der SPV zu vermeiden, sei dieser Sozialversicherungszweig noch dringender auf zusätzliche Bundesmittel angewiesen. Denn die SPV übernimmt seit Jahren versicherungsfremde Leistungen ist die Bezeichnung für Leistungen der Sozialversicherung , die nicht zu deren eigentlichem Auftrag… wie die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige, die eigentlich in gesamtgesellschaftlicher Verantwortung liegen“, so Ackermann. 

Ein Balkendiagramm zeigt an (nach Schulnoten), wie die Befragten die Arbeit der Bundesregierung hinsichtlich der gesetzlichen Pflegeversicherung beurteilen.
40 Prozent der befragten Menschen in Westfalen-Lippe beurteilen die Arbeit der Bundesregierung im Hinblicke auf die gesetzliche Pflegeversicherung als ungenügend.

85 Prozent fürchten finanzielle Überforderung durch Eigenanteile

Gerade die Eigenanteile im Pflegeheim bereiten bereits heute Sorgen: Diese lagen Ende 2025 in Nordrhein-Westfalen bei durchschnittlich 2.969 Euro pro Monat und damit im bundesweiten Vergleich am höchsten. 85 Prozent der Befragten in Westfalen-Lippe gaben an, Angst vor finanzieller Überforderung zu haben, falls sie selbst einmal im Heim versorgt werden sollten. Dabei befürchten 57 Prozent, in diesem Fall in einem Mehrbettzimmer wohnen zu müssen, 49 Prozent fürchten, ihrer Familie finanziell zur Last zu fallen und ebenfalls 49 Prozent gaben an, Sorge zu haben, kein bezahlbares Pflegeheim in der Nähe finden zu können. „Die Pflegeheim-Bewohnenden müssen aktuell mit ihren Eigenanteilen die Versäumnisse der Länder bei der Finanzierung der Investitionskosten für die Pflegeeinrichtungen ausgleichen“, so Ackermann. „Auch das muss Teil der Pflegereform sein. Die Herausnahme der Ausbildungskosten für die Pflegeberufe aus den Eigenanteilen könnte die Belastungen zusätzlich dämpfen und würde die Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… -bedürftigen in den Heimen auf einen Schlag um etwa eine Milliarde Euro entlasten.“ 

Ein Balkendiagramm zeigt an (in Prozent), ob die Befragten die Sorge haben, dass die privaten Zusatzkosten in einem Pflegeheim sie finanziell überfordern.
85 Prozent der Befragten in Westfalen-Lippe haben Sorge, dass die privaten Zusatzkosten in einem Pflegeheim sie finanziell überfordern.

Unzufriedenheit mit Strukturen vor Ort

Auch die Zufriedenheit mit der Pflegeinfrastruktur ist laut Umfrage niedrig in der Bevölkerung in Westfalen-Lippe: 52 Prozent der Befragten sind unzufrieden mit den Angeboten in ihrem Bundesland, z. B. an Pflegeheimen, ambulanten Diensten, Tagespflege und Beratungsstellen. Immerhin 33 Prozent bewerten die verfügbaren Angebote positiv. „Neben der Stabilisierung der Finanzen, braucht es dringend auch echte Strukturreformen. Ziel muss es sein, die Pflege vor Ort zu stärken und bedarfsgerechter zu gestalten“, so Ackermann. 

Ein Balkendiagramm zeigt an (in Prozent), ob die Befragten der Aussage zustimmen, dass Pflegebedürftige in Deutschland ausreichend Unterstützung finden.
In Westfalen-Lippe stimmen 75 Prozent der Befragten der Aussage nicht zu, dass Pflegebedürftige in Deutschland ausreichend Unterstützung finden.

Hinweis zur Umfrage: Civey hat im Auftrag der AOK bundesweit 10.000 Personen online befragt. Davon entfallen 1.073 Befragte auf die AOK NordWest. Die Ergebnisse sind für die jeweilige Ebene repräsentativ. Dies wird durch ein modellbasiertes, statistisches Verfahren für kleine Datenräume (Small Area Methode) gewährleistet. Der statistische Fehler liegt auf Ebene der elf AOK-Regionen zwischen 1,9 und 5,4 Prozentpunkten. 

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  • Grafik: Beurteilung der Pflege in Westfalen-Lippe

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  • Grafik: Sorge der Pflege in Westfalen-Lippe

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