Ackermann: "Wir haben immer noch ungelöste Probleme zwischen Kranken- und Pflegeversicherung"
Im Interview mit der G+G äußert sich Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK NordWest zu den angekündigten Strukturreformen in der Kranken- und Pflegeversicherung und zeigt auf, wo sich die Herausforderungen unterscheiden und wo Gemeinsamkeiten liegen.
Bei der Pflege Kann die häusliche Pflege nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden, besteht Anspruch auf… ist der Handlungsdruck besonders hoch. Bisher ungelöste Probleme zwischen den Sozialgesetzbüchern Fünf und Elf, also zwischen gesetzlicher Kranken- und sozialer Pflegeversicherung Die Pflegeversicherung wurde 1995 als fünfte Säule der Sozialversicherung eingeführt. Ihre Aufgabe… führen immer wieder zu Friktionen im Versorgungsprozess und in der Finanzierung. „Wichtig ist aus meiner Sicht der Grundgedanke, dass es unabhängig vom Setting bezeichnet im Bereich der Gesundheitsförderung Lebensbereiche, in denen Menschen einen großen Teil… der Pflege eine finanzneutrale und auch weitgehend inhaltsgleiche Versorgung geben muss. Beispiel: die außerklinische Intensivpflege. Sie ist in Wohngruppen deutlich teurer als in anderen stationären Zusammenhängen. Solche Unterschiede gibt es auch in anderen Versorgungsbereichen. Hier muss die Regel gelten: Unabhängig vom Ort der Leistungserbringung ist zumindest der Preis gleich“ fordert Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… NordWest.
Parallelen zur gesetzlichen Krankenversicherung sieht Ackermann bei den Herausforderungen durch die doppelte Demografie. „Die Babyboomer gehen in Rente und haben altersbedingt einen steigenden Behandlungsbedarf Seit der Reform der vertragsärztlichen Vergütung 2009 wird die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung,… , während gleichzeitig die Zahl der Fachkräfte in Medizin und Pflege demografiebedingt eher sinkt. Die Arbeitsmigration fängt das nicht mehr in dem Maße auf wie noch vor einigen Jahren. Gleichzeitig hat Deutschland die höchste Zahl an Arztkontakten pro Person in der OECD. Und die Notaufnahmen in den Kliniken sind überlaufen,“ erklärt Ackermann und spricht damit der der Primärversorgung Unter Primärversorgung wird die gesundheitliche Grundversorgung und Beratung verstanden, in der auch… eine große Bedeutung zu. „Es geht um die Frage, wie wir im Wissen um diese demografische Doppelsituation die Versorgung so steuern, dass wir vor allen Dingen unnötige Kontakte im System reduzieren.“
Auf die Frage, warum sich die Aufteilung in einem ambulanten und einen stationären Sektor hält, obwohl die Trennung seit Jahren als überholt gilt, antwortet Ackermann: „Weil es so kompliziert und verästelt ist, insbesondere in der sektoralen Vergütungstrennung. Das lässt sich nicht von heute auf morgen ändern. Zugleich laufen viele Entwicklungen, die in den vergangenen Jahren angestoßen worden sind, faktisch darauf hinaus, das zu ändern.“ Dazu gehöre die verstärkte Ambulantisierung bislang stationär erbrachter Leistungen und die Anpassung der Vergütung Die Leistungserbringer im Gesundheitswesen werden nach unterschiedlichen Systemen vergütet. Die… . „Das alles spricht dafür, dass wir in der Tendenz darauf hinauslaufen, die fachärztliche ambulante Versorgung perspektivisch deutlich stärker auch mit oder aus einem stationären Versorgungssetting heraus zu denken. Das ist ein langsamer, eher evolutionärer Prozess und nicht im Sinne eines großen Reformgedankens.“