Volkskrankheit Depression
Auswertung der AOK Hessen zum Welttag der seelischen Gesundheit zeigt: Fast jede dritte Frau über 75 Jahren leidet unter einer diagnostizierten Depression.
Das Wichtigste in Kürze
- Große regionale Unterschiede: Waldeck-Frankenberg und Offenbach liegen bundesweit in der Spitzengruppe der Kreise und kreisfreien Städte.
- Verhängnisvolles Zusammenspiel: Gesundheitsatlas belegt enge Kopplung von Depressionen und Angststörungen.
- Fast jede dritte Frau über 75 Jahren leidet unter einer diagnostizierten Depression.
Die seelische Belastung in Hessen verharrt auf einem beunruhigend hohen Niveau. Anlässlich des „Welttags der seelischen Gesundheit“ am 10. Oktober zeigen aktuelle Auswertungen der AOK: Mehr als 750.000 Menschen (13,2 Prozent der Bevölkerung ab zehn Jahren) leiden an einer ärztlich dokumentierten Depression. Den Höchststand erreichen Depressionen mit 30,3 Prozent bei Frauen zwischen dem 75. und 79. Lebensjahr. Zudem sind laut Wissenschaftlichem Institut der AOK (WIdO), das den „Gesundheitsatlas Deutschland“ herausgibt, rund fünf Prozent der Menschen in Hessen - über 280.000 Betroffene - von einer klinisch relevanten Angststörung betroffen.*
Auffällig sind mit Blick auf die Diagnose „Depression“ nicht nur die bundesweit überdurchschnittlichen Fallzahlen für Hessen, sondern ein starkes Gefälle innerhalb des Landes: Während der Landkreis Waldeck-Frankenberg und die kreisfreie Stadt Offenbach am Main mit einer Depressionsrate von 15,8 beziehungsweise 15,7 Prozent bundesweit in der Spitzengruppe aller 400 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte liegen, verzeichnen andere Regionen wie der Hochtaunuskreis oder Darmstadt signifikante geringere Krankheitshäufigkeiten.
Lokaler Landkreis-Vergleich: Stadt-Land-Kluft und Sozialstruktur
Die Daten des Gesundheitsatlas' offenbaren eine deutliche Schere zwischen den hessischen Regionen:
- Die höchsten Depressionsraten weisen neben dem Landkreis Waldeck-Frankenberg (15,8 Prozent) und der Stadt Offenbach am Main (15,7 Prozent) der Main-Kinzig-Kreis (15,3 Prozent) und der nordhessische Werra-Meißner-Kreis (ebenfalls 15,3 Prozent) auf.
- Am seltensten werden depressive Episoden in Darmstadt (9,7 Prozent), im Hochtaunuskreis (9,6 Prozent) und im Main-Taunus-Kreis (10,7 Prozent) ärztlich dokumentiert.
Besonders aufschlussreich ist der methodisch bereinigte „faire Vergleich“, der Unterschiede in der Alters- und Geschlechtsstruktur herausrechnet: Hier steigt der Wert für Offenbach sogar auf über 17 Prozent, während er im Hochtaunuskreis bei rund 9,8 Prozent verbleibt. Das belegt: Die Diskrepanz lässt sich nicht mit einer älteren Bevölkerung erklären, sondern verweist auf handfeste sozioökonomische Belastungsfaktoren.
Angst und Depression: Das Doppelrisiko
Die Analysen zeigen zudem eine starke Wechselwirkung zwischen Depressionen und Angststörungen. Regionen mit überdurchschnittlich vielen Angstpatienten weisen regelmäßig auch signifikant höhere Depressionsprävalenzen auf. Frauen sind in beiden Diagnosegruppen über alle Altersklassen hinweg rund doppelt so häufig betroffen wie Männer. Den Höchststand erreichen Depressionen bei Frauen zwischen dem 75. und 79. Lebensjahr (über 30 Prozent), während bei jüngeren Zielgruppen vor allem Panikstörungen und soziale Phobien im Fokus stehen.
Symptome, Chronifizierung und Hilfe
„Angststörungen und Depressionen sind keine Befindlichkeitsstörungen, sondern physiologisch und psychologisch eng verwobene Erkrankungen, die sich gegenseitig verstärken können“, erklärt Dr. Christoph-Gérard Stein, Arzt Die ärztliche Berufsausübung, die Ausübung der Heilkunde, setzt nach der Bundesärzteordnung… im medizinischen Kompetenz-Center der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen. „Wer über Monate hinweg unter ständiger innerer Anspannung, Panikattacken oder diffusen Zukunftsängsten leidet, gerät in einen Zustand chronischen Stresses. Das Nervensystem brennt im Dauer-Alarmzustand förmlich aus – Erschöpfung, sozialer Rückzug und letztlich eine schwere depressive Episode sind häufig die Folge.“
Online-Angebot der AOK
Wer unter depressiven Symptomen leidet, findet Hilfe bei Ärztinnen oder psychologischen Psychotherapeuten Ausübung von Psychotherapie ist nach dem Psychotherapeutengesetz vom 1. Januar 1999 die mittels… . Zusätzliche Unterstützung bietet das interaktive Online-Programm „moodgym“. „moodgym“ ist ein kostenloses Online-Training für eine stärkere Psyche. Die Übungen helfen, ungesunde Gedankenmuster zu erkennen, sie durch neue zu ersetzen und so das Handeln positiv zu verändern – nach dem Motto: „Neu denken, sich besser fühlen.“ Ziel des Programms ist es, depressive Symptome zu verringern sowie das Auftreten von Depressionen zu verhindern. „moodgym“ wurde weltweit schon von über einer Million Menschen genutzt und die Wirksamkeit des Programms wurde in wissenschaftlichen Studien gezeigt.
Hilfsangebote bei seelischen Notlagen
- Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 / 0800 111 0 222
(rund um die Uhr, kostenfrei und anonym) - Info-Telefon Depression: 0800 33 44 533