Pressemitteilung

Syphilis in Hessen

26.03.2026 AOK Hessen 4 Min. Lesedauer

AOK Hessen sieht deutliche regionale Unterschiede / Männer doppelt so oft betroffen wie Frauen

Das Foto zeigt eine Spritze in einer Hand.

680 Versicherte der AOK in Hessen leiden unter Syphilis. Ihr Durchschnittsalter: 55 Jahre. Die auf das Jahr 2024 bezogenen Zahlen machen eindrucksvoll deutlich, wie groß das Stadt-Land-Gefälle ist. In den Städten Wiesbaden, Offenbach, Darmstadt und Frankfurt wurden prozentual die mit Abstand meisten Syphilis-Diagnosen gestellt. Darauf weist die Gesundheitskasse hin und macht gleichzeitig klar: Sexuell übertragbare Krankheiten haben es immer dann leichter, wenn Menschen bei sexuellen Kontakten Schutzmaßnahmen vernachlässigen und zu „leichtsinnig“ werden. 

Männer deutlich öfter betroffen

Zu den Zahlen im Einzelnen: In Wiesbaden sind laut Diagnosedaten 0,067 Prozent der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… -Versicherten oder 56 Menschen betroffen. In Frankfurt und Offenbach sind es jeweils 0,055 Prozent. Das ergibt für Frankfurt 126 und für Offenbach 32 Erkrankte. Einziger ländlicher „Ausreißer“ nach oben ist der Schwalm-Eder-Kreis mit einer Prävalenz ist eine Messgröße aus der Epidemiologie, die die Häufigkeit einer Krankheit zu einem bestimmten… , also Krankheitshäufigkeit, von 0,050 Prozent. Am wenigsten betroffen sind die Versicherten der AOK Hessen im Vogelsbergkreis (0,018 Prozent), im Landkreis Kassel (0,021 Prozent) und im Kreis Marburg-Biedenkopf (0,024 Prozent). Grundsätzlich fällt auf, dass Nord- und Mittelhessen eher etwas geringere Zahlen aufweisen als Südhessen. Und: Männer sind überall öfter betroffen als Frauen, zum Teil sogar deutlich. Die hessenweite Prävalenz unter Männern beträgt 0,054 Prozent, unter Frauen dagegen nur 0,026 Prozent. 

Zahlen schwer zu interpretieren

„Insgesamt kann man angesichts unserer Zahlen sagen, dass Syphilis eher eine Erkrankung der Städte und Ballungsräume ist“, sagt Dr. Beatrix Thorn aus dem Medizinischen Kompetenzcenter der AOK Hessen. „Ein Grund dafür ist sicher, dass es gerade in Metropolen häufiger zu anonymem, unverbindlichem Sex kommt. Auch eine höhere Zahl an Sexualpartnerinnen und -partnern ist statistisch gut belegt. Entsprechend gibt es in den größeren Städten mehr Einrichtungen, die Tests auf sexuelle übertragbare Erkrankungen durchführen – so dass mehr Fälle diagnostiziert werden als auf dem Land. Und: Durch wirksame HIV-Therapien und die HIV-Prophylaxe PrEP (Prä-Expositions-Prophylaxe) sinkt die Kondomnutzung in bestimmten Gruppen, was die Übertragung von Syphilis leider begünstigt.“ 

Beatrix Thorn gibt aus ihrer Erfahrung im niedergelassenen Bereich jedoch auch zu bedenken: „Die Erfahrung mit dieser Erkrankung ist in den Städten größer. Es ist also denkbar, dass Infektionen, die in ländlichen Gemeinden stattfinden, in einer Stadt diagnostiziert werden und somit die Statistik etwas verzerren.“

Keine Entwarnung möglich

Für Beatrix Thorn bedeuten die Zahlen auch weiterhin Grund zur Sorge: „Weltweit und auch in Europa können wir einen Anstieg der Zahlen bei sexuell übertragbaren Erkrankungen beobachten. Das Robert-Koch-Institut spricht von einem relativ starken Anstieg seit etwa 2010. Möglicherweise wiegen effektive Therapiemöglichkeiten viele Menschen in einer trügerischen Sicherheit und lassen sie leichtsinnig werden.“ Dabei sei, so Thorn, „safer sex“ nach wie vor das Mittel der Wahl, um Infektionen zu vermeiden. Der Schutz sollte sich allerdings nicht nur auf Vaginal-oder Analverkehr beziehen. Auch beim Oralverkehr sei eine Ansteckung mit den meisten sexuell übertragbaren Erkrankungen möglich. 

Syphilis: Symptome

Syphilis kann eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen und verläuft oft zyklisch – das heißt, symptomatische und beschwerdefreie Phasen wechseln sich ab. Ungefähr die Hälfte der Infektionen verläuft sogar ganz ohne Symptome. Die Erkrankung kann Haut, Schleimhäute, Lymphknoten, Augen, Leber, Milz und Nieren, Knochen und Gelenke sowie das Herz und das Nervensystem betreffen. Zu den ersten Symptomen zählt ein etwa 0,5 bis ein Zentimeter großes Geschwür, das sich wenige Tage bis Wochen nach der Infektion im Mund-, Genital- oder Analbereich bildet und oft keine Schmerzen verursacht. Diese Geschwüre sondern jedoch eine stark ansteckende Flüssigkeit ab. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann es mehrere Jahre nach der Erstinfektion zu Schädigungen von Gefäßen und des zentralen Nervensystems kommen. Die gute Nachricht: Antibiotika können auch in den späten Stadien der Erkrankung helfen.

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