Psychotherapie soll viel früher beginnen
AOK Hessen: Neues Programm verspricht schnelleren Therapiebeginn / Begrenzt auf 750 Plätze / Online-Konzept
Deutlich verkürzte Wartezeiten auf einen ambulanten Psychotherapieplatz verspricht „AOK-Priomed Online-Psychotherapie“ für Menschen mit Depressionen oder Angststörungen. Das Angebot der AOK Hessen für Volljährige gilt ab sofort und beginnt mit einem Erstgespräch vor Ort. Direkt danach folgen regelmäßige digitale Therapiesitzungen.
Nach einer aktuellen Auswertung warten Versicherte der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen fast 14 Wochen auf einen Therapiebeginn, nachdem das Erstgespräch stattgefunden hat. „In dieser Phase kann zum Beispiel bei Personen mit Angststörungen viel passieren. Je eher die professionelle Begleitung stattfindet, desto geringer die Gefahr einer Chronifizierung“, meint Stefanie Bauer, verantwortlich für ambulante Versorgung. Hinzu kommt, dass die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen seit 2014 um etwa 47 Prozent gestiegen sind.
Videobasiert und persönlich
Das neue Konzept setzt auf videobasierte Psychotherapiesitzungen und eine App mit begleitenden Inhalten – hierüber kann auch ein Austausch über Textnachrichten stattfinden. Vertragspartner ist die KIRINUS Health GmbH in München. Infrage kommt „AOK-Priomed Online-Psychotherapie“ für Personen mit so genannten affektiven, neurotischen und belastungsabhängigen Störungen sowie Verhaltensauffälligkeiten (ICD-10: Bereiche F3 bis F5). Ausgenommen sind suizidgefährdete Patientinnen und Patientin oder solche mit sehr geringer Medienkompetenz. Das psychotherapeutische Fachpersonal hat einen Schwerpunkt in kognitiver Verhaltenstherapie.
Intensive Betreuung
Insgesamt sind zwei bis vier probatorische Sitzungen vorgesehen, in denen man sich zunächst kennenlernt. Danach sind es bis zu 24 Sitzungen von je 50 Minuten. „Die Wirksamkeit dieses Verfahrens ist nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand nicht weniger erfolgversprechend als eine Psychotherapie in der Praxis“, ergänzt Bauer. Allerdings ist die Zahl der Teilnehmenden zunächst begrenzt. Bis zum Vertragsende am 31. Juli 2029 können 750 AOK-Versicherte teilnehmen. Die Ansprache geeigneter Personen erfolgt direkt über die AOK Hessen und ist u. a. Personen vorbehalten, die sich im Krankengeldbezug befinden und Schwierigkeiten haben, einen zeitnahen Therapieplatz zu finden.