Prävention statt Reaktion: Expertinnen und Experten diskutierten Zukunft der Gesundheitsversorgung
Veranstaltung der Universitätsmedizin Frankfurt und der AOK Hessen findet großen Anklang.
Spannende Debatten und jede Menge Praxisnähe: Bei der Podiumsdiskussion an der Universitätsmedizin Frankfurt trafen am 25. August 2026 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Krankenkassen, Medizin und Patientenperspektive aufeinander. Bei den Besucherinnen und Besuchern stießen insbesondere auch die begleitenden Präventionsangebote auf großes Interesse – mehrere Hundert Menschen nahmen sie in Anspruch.
Wie kann Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… in Deutschland wirksamer werden und welchen Beitrag kann sie leisten, um das Gesundheitssystem langfristig zu stärken? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Hessischen Präventionsabends 2026, zu dem die AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen und die Universitätsmedizin Frankfurt am Dienstag nach Frankfurt eingeladen hatten. Unter dem Motto „Prävention mit Herz und Hirn“ verband die Veranstaltung praktische Gesundheitsangebote mit einer gesundheitspolitischen Diskussion über die Zukunft der Prävention in Deutschland. Im Zentrum des Abends stand die Podiumsdiskussion „Prävention in der Herz-Kreislauf-Medizin: Letzte Chance für unser Gesundheitssystem?“.
Herz-Kreislauf im Fokus
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören weiterhin zu den häufigsten Ursachen für vorzeitige Todesfälle. Gleichzeitig steht das Gesundheitswesen Das Gesundheitswesen umfasst alle Einrichtungen, die die Gesundheit der Bevölkerung erhalten,… vor erheblichen finanziellen und strukturellen Herausforderungen. Die Diskussion machte deutlich, dass Prävention dabei nicht allein als Aufgabe des Gesundheitswesens verstanden werden kann, sondern ein Zusammenspiel verschiedener gesellschaftlicher Bereiche erfordert. Wissenschaftsstaatssekretär Christoph Degen wies auf die Bedeutung der Forschung hin: „Prävention ist der Schlüssel zu einem gesünderen Leben und einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung. Forschung kann dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Aber: Das Wissen muss in der Praxis ankommen und in wirksame, möglichst individuelle Prävention übersetzt werden. Die geschlechterspezifische Erforschung des Herzinfarktrisikos von Frauen, die wir mit einer LOEWE-Förderung gestärkt haben, zeigt beispielhaft, wie Forschung unterschiedliche Risiken und Bedürfnisse berücksichtigen und Vorsorge Für die medizinische Vorsorge und die Rehabilitation gilt der Grundsatz ambulant vor stationär – das… verbessern kann. Wissenschaft schafft die Grundlagen, Politik setzt notwendige Rahmenbedingungen und die Versorgung bringt Prävention dorthin, wo sie wirken soll, in den Alltag der Menschen.“
AOK befürwortet „Health-in-all-policies“
Dr. Isabella Erb-Herrmann, Mitglied des Vorstandes der AOK Hessen, betonte die Bedeutung eines ganzheitlichen Präventionsansatzes: „Die nordischen Länder haben es uns vorgemacht, dass durch gezielte, gemeinschaftliche Intervention Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant reduziert werden können. Krankenkassen Die 93 Krankenkassen (Stand: 01.01.26) in der gesetzlichen Krankenversicherung verteilen sich auf… können einen wertvollen Beitrag zur Prävention im privaten und beruflichen Umfeld leisten. Zuvorderst brauchen wir aber eine umfassende Präventions-Strategie, bei der die gesundheitlichen Folgen von Entscheidungen in allen gesellschaftlichen Bereichen berücksichtigt werden. Fachleute nennen das den „Health-in-all-policies‘ Ansatz.“
Prof. Dr. Thomas Voigtländer, Präsident der Deutschen Herzstiftung e.V., erläuterte, welche konkreten Ansätze die Prävention voranbringen können: „Deutschland steht bei der durchschnittlichen Lebenserwartung im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern hinten. Einer der Gründe dafür sind Defizite bei der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Deutsche Herzstiftung setzt deshalb für eine Verbesserung der Herzgesundheit in der Bevölkerung neben den etablierten Instrumenten der medizinischen Therapie auch verstärkt auf die Nutzung evidenzbasierter Effekte von frühzeitigen Rauchpräventions- und Bewegungsprogrammen in Schulen, von Screenings – etwa zur familiären Hypercholesterinämie – und Vorsorge-Check-Ups ab dem 35. Lebensjahr.“
Große Einigkeit bei den richtigen Maßnahmen
Große Einigkeit bestand darin, dass die wichtigsten Präventionsmaßnahmen grundsätzlich bekannt und relativ einfach sind: nicht zu rauchen, gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung. Manche Menschen besitzen aber Risikofaktoren, bei denen es einer gezielteren Prävention bedarf. Prof. Dr. David Leistner, Direktor der Medizinischen Klinik 2 Kardiologie, Angiologie an der Universitätsmedizin Frankfurt, erklärte: „Wir haben an der Universitätsmedizin Frankfurt ein Präventionszentrum für kardiovaskuläre Erkrankungen gegründet. Zu uns kommen Menschen, bei denen beispielsweise beim Hausarzt spezifische Risikofaktoren für eine Herzerkrankung festgestellt wurden. Hier führen wir gezielt Untersuchungen durch, um festzustellen, wie hoch das individuelle Risiko tatsächlich ist und wie eine spezifische präventive Behandlung aussehen kann. Unser Zentrum zeichnet dabei vor allem zweierlei aus: Zum einen haben die Patientinnen und Patienten feste Ansprechpartner, die die präventiven Maßnahmen einheitlich und gut verständlich erklären können. Zum anderen greifen wir als universitätsmedizinisches Zentrum auf eine breite interdisziplinäre Expertise zurück – beispielsweise aus der Neurologie, aber auch aus vielen anderen Fachbereichen.“
Prävention nicht in erster Linie eine Geldfrage
Viel Zustimmung fand auch die Aussage, dass erfolgreiche Prävention nicht in erster Linie eine Geldfrage sein muss. Prof. Dr. Christian Grefkes-Hermann, Direktor der Klinik für Neurologie, Universitätsmedizin Frankfurt, berichtete: „Ich habe ein besonderes und eindrückliches Beispiel für Prävention vor Augen. Vor zwei Jahren sind uns zahlreiche Fälle von jungen Menschen mit Rückenmarkschädigungen aufgefallen, die teilweise kaum noch laufen konnten. Wir haben dann schnell erkannt, dass es sich dabei um Schäden infolge von extrem hohem Lachgaskonsum von Schülern und jungen Erwachsenen handelt, die insbesondere in Frankfurt und Berlin gehäuft auftraten. Gemeinsam mit dem Gesundheitsamt Gesundheitsämter sind Behörden, die Aufgaben des öffentlichen Gesundheitsdienstes erfüllen. Hierzu… , der Polizei, Schulen und anderen Einrichtungen sind wir aktiv auf die junge Zielgruppe zugegangen und haben über die Risiken aufgeklärt. Diese Maßnahmen haben rasch Erfolge gezeigt und belegen zugleich: Prävention muss nicht immer viel Geld kosten. Entscheidend ist vielmehr, dass sich die Entscheidungsträger koordinieren und das Problem gemeinsam systematisch angehen.“
Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Lucia Schmidt, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Verantwortliche für den F.A.Z.-Gesundheitspodcast. Sie sprach zum Abschluss auch noch einmal die Zuhörerinnen und Zuhörer mit dem direkten Appell an, dass jede und jeder selbst viel für die eigene Prävention tun kann.
Prävention zum Ausprobieren
Neben der gesundheitspolitischen Debatte konnten die Besucherinnen und Besucher den Präventionsgedanken unmittelbar erleben. Von 16:30 bis 20:00 Uhr boten die Universitätsmedizin und die AOK Hessen verschiedene kostenlose Gesundheitschecks und Präventionsangebote an. Das Spektrum reichte von Kardio-Scan, Cholesterin-Check, Ultraschall zur Einschätzung des Schlaganfallrisikos und eHeart-Cube über Informationen zu Ernährung und gesundem Lebensstil, eine Analyse der Körperfettzusammensetzung und Impulse für bessere Schlafgesundheit bis hin zu Angeboten zu Resilienz, Stressmanagement und psychischer Gesundheit.
Die vielfältigen Angebote wurden von den Besucherinnen und Besuchern sehr positiv angenommen und rege genutzt. Damit zeigte der Abend auch auf praktischer Ebene, dass niedrigschwellige Angebote einen konkreten Zugang zu Prävention schaffen und Interesse an der eigenen Gesundheit wecken können.
Der Hessische Präventionsabend fand im Rahmen des Präventionsjahres 2026 der Universitätsmedizin Frankfurt statt. Die Veranstaltung machte dabei deutlich, dass Prävention auf zwei Ebenen ansetzen muss: bei der individuellen Gesundheitsvorsorge ebenso wie bei den strukturellen Bedingungen, unter denen Menschen gesund leben können.