Pressemitteilung

Gewitter im Kopf

21.07.2026 AOK Hessen 4 Min. Lesedauer

AOK Hessen zum Welttag des Gehirns am 22. Juli: In Hessen leiden besonders wenige Menschen unter Epilepsie / jedoch: große regionale Unterschiede innerhalb des Bundeslandes

Ein Apotheker sucht im Arzneischrank nach einem Medikament.
Dank neuerer Medikamente können heute viele Betroffene mit der passenden Behandlung anfallsfrei leben.

In Hessen leiden rund 64.000 Menschen unter Epilepsie. Das teilt die AOK Hessen im Vorfeld des Welttags des Gehirns am 22. Juli mit. Grundlage sind Daten aus dem AOK-Gesundheitsatlas, einem Angebot des Wissenschaftlichen Instituts der AOK. Diese Zahl ist seit vielen Jahren einigermaßen konstant. Nur 2022 gab es mit 70.000 Betroffenen einen Ausreißer nach oben – möglicherweise als Ausdruck eines „Corona-Nachholeffekts“. Unter den Bundesländern verzeichnet Hessen mit 1,01 Prozent der Bevölkerung eine besonders niedrige Häufigkeit. Nur Baden-Württemberg und Hamburg liegen darunter. Und: Im Taunus und der Bergstraße kommt die Erkrankung besonders selten vor, in den ländlichen Landkreisen Nordhessens auffallend oft.

Hier die Krankheitshäufigkeit mit Bezug zur Gesamtbevölkerung für ausgewählte Landkreise im Detail:

Werra-Meißner: 1,51 Prozent

Hersfeld-Rotenburg: 1,45 Prozent

Vogelsberg: 1,36 Prozent

Gießen: 1,03 Prozent (Median)

Bergstraße 0,86 Prozent

Main-Taunus: 0,83 Prozent

Hochtaunus: 0,79 Prozent

Kurzzeitiger Kontrollverlust

„Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung des Gehirns. Es treten epileptische Anfälle ohne erkennbare Auslöser auf. Ihnen liegt eine überschießende oder synchronisierte Aktivität von Nervenzellen zugrunde“, erklärt Dr. Christoph Stein aus dem Medizinischen Kompetenzcenter der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen. Das führe zum kurzzeitigen Verlust der Kontrolle über den Körper oder das Bewusstsein. Aber: „Nicht jeder epileptische Anfall bedeutet automatisch, dass eine Epilepsie vorliegt. Fieberkrämpfe bei Kindern oder Anfälle infolge akuter Erkrankungen oder Verletzungen können andere Ursachen haben. Von einer Epilepsie spricht man in der Regel erst, wenn wiederholt unprovozierte Anfälle auftreten oder ein entsprechend hohes Risiko für weitere Anfälle besteht.“ Hinzu kommt, dass epileptische Anfälle sehr unterschiedlich aussehen können. Neben den bekannten Krampfanfällen gibt es auch kurze Bewusstseinsaussetzer, plötzliche Muskelzuckungen oder Phasen, in denen Betroffene vorübergehend nicht ansprechbar sind. Deshalb wird die Erkrankung nicht immer sofort erkannt.

Fortschritte in der Therapie: Präziser, verträglicher und digitaler

„Die Ursachen einer Epilepsie sind vielfältig. Sie reichen von genetischen Veranlagungen über Folgen eines Schlaganfalls oder einer Hirnverletzung bis hin zu angeborenen Veränderungen des Gehirns. Bei vielen Betroffenen lässt sich jedoch keine eindeutige Ursache feststellen“, erklärt Christoph Stein. Die Zeiten, in denen die Diagnose ein selbstbestimmtes Leben unmöglich machte, sind jedoch glücklicherweise vorbei. Heute können viele Betroffene mit der passenden Behandlung anfallsfrei leben. Neuere Medikamente greifen gezielter in die Signalübertragung der Nervenzellen ein und sind für viele Patientinnen und Patienten besser verträglich. Wenn Medikamente nicht ausreichend wirken, prüfen spezialisierte Epilepsiezentren, ob ein epilepsiechirurgischer Eingriff infrage kommt. Dabei wird die Region des Gehirns behandelt, von der die Anfälle ausgehen. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten können außerdem Verfahren wie die Vagusnervstimulation oder die tiefe Hirnstimulation eine sinnvolle Ergänzung sein.

Erste Hilfe im Ernstfall: So verhalten Sie sich richtig

Wer Zeuge eines epileptischen Anfalls wird, kann den Betroffenen mit wenigen einfachen Maßnahmen sicher durch die Situation helfen. „Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren und die Person vor Verletzungen zu schützen, indem man gefährliche Gegenstände aus der unmittelbaren Nähe wegräumt und idealerweise etwas Weiches unter den Kopf legt. Der Anfall sollte niemals durch Festhalten oder körperlichen Zwang gestoppt werden, und es dürfen keine Gegenstände oder Finger in den Mund des Betroffenen gesteckt werden“, mahnt Christoph Stein. Ein Notruf sei dann erforderlich, wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert, mehrere Anfälle unmittelbar hintereinander auftreten, sich die betroffene Person nicht erholt, verletzt wurde oder der Anfall erstmals auftritt. Und: Nach dem Anfall sind viele Betroffene erschöpft, verwirrt oder schlafen ein. Sobald die Krämpfe beendet sind und die Person normal atmet, sollte sie möglichst in die stabile Seitenlage gebracht und bis zur vollständigen Erholung begleitet werden.

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Stephan Gill

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