Hessen: Zahl Demenzkranker kann um 72 Prozent steigen
Aktuelle Analyse zeigt: Über 160.000 Betroffene im Jahr 2060 möglich / Prävention ist entscheidend
Prävention ist der Schlüssel
„Die alternativen Szenarien machen deutlich, welches enorme Potenzial in der Prävention Prävention bezeichnet gesundheitspolitische Strategien und Maßnahmen, die darauf abzielen,… steckt. Bereits vergleichsweise kleine Verbesserungen bei den Neuerkrankungsraten können langfristig sehr große Effekte haben“, so Dr. Angela Smith, Leiterin des Medizinischen Kompetenz-Centers der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen. „Durch Prävention, zu der auch der Rauchverzicht gehört, und eine gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann einer Demenzentwicklung sehr wirksam vorgebeugt werden. Auch die Behandlung von Hörstörungen und die Vermeidung sozialer Isolation senken das Demenzrisiko. Eine hohe Gesundheitskompetenz hilft den Menschen, ihr individuelles Demenzrisiko durch einen gesunden Lebensstil effektiv zu senken. Leider ist das Gesundheitswissen in der deutschen Bevölkerung jedoch unzureichend und sollte dringend verbessert werden.“
Die Zahl der Demenzfälle in Hessen wird bei steigender Lebenserwartung von knapp 93.000 im Jahr 2026 auf mehr als 160.000 im Jahr 2060 zunehmen. Das zeigen aktuelle Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln. Auf Basis eines kleinräumigen Prognoseverfahrens wird für das Jahr 2060 eine regionale Spanne von 1,8 bzw. 1,9 Prozent Demenz-Erkrankter in Darmstadt, Frankfurt und Offenbach bis zu 3,9 Prozent im Vogelsbergkreis vorausgesagt.
Der deutliche Zuwachs von 93.000 auf über 160.000 kann jedoch abgemildert werden, wenn es gelingt, die Rate der Demenz-Neuerkrankungen durch Präventionsmaßnahmen zu verringern. Nach heutigem Stand der Wissenschaft kann eine Verbesserung bei vielen verschiedenen Faktoren – unter anderem eine bessere Prävention von Bluthochdruck und Diabetes, aber auch ein höheres Bildungsniveau – dazu beitragen, dass etwa die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden kann. Wenn man diese Präventionsszenarien zugrunde legt, könnten die hessischen Demenz-Fallzahlen im Jahr 2060 deutlich niedriger liegen und sich zwischen 97.000 und 115.000 stabilisieren.
Ländliche Regionen Hessens besonders betroffen
Die Prognose der Demenz-Entwicklung und der Bevölkerungszahlen ermöglicht, Ergebnisse regional fein gegliedert darzustellen. In den Ergebnissen auf Ebene der Kreise und kreisfreien Städte in Hessen zeigt sich, dass die bereits heute bestehenden Unterschiede zwischen städtischen Regionen mit relativ junger Bevölkerung und ländlichen Regionen mit höherem Durchschnittsalter deutlich zunehmen werden. Für das Jahr 2060 wird beispielsweise eine Spanne zwischen 1,8 beziehungsweise 1,9 Prozent in Darmstadt, Frankfurt und Offenbach und 3,9 Prozent im Vogelsbergkreis prognostiziert. Hohe Demenzhäufigkeiten werden insbesondere für eher ländliche Regionen Hessens prognostiziert. Das gilt auch für die Kreise Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner und Odenwald mit einer Krankheitshäufigkeit von 3,7 beziehungsweise 3,4 Prozent.
Neu entwickeltes Prognoseverfahren auf Basis einer eng gefassten Falldefinition
Für das neu entwickelte Prognoseverfahren ist das sogenannte MikroSim-Modell, das die demografische Entwicklung Deutschlands inklusive Außen- und Binnenwanderungsströmen simuliert, von den Forschenden an der Uni Trier um epidemiologische Kennzahlen zu Demenzhäufigkeiten, Demenzneuerkrankungen sowie Demenzsterblichkeit aus dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO Das WIdO (Wissenschaftliches Institut der AOK) liefert als Forschungs- und Beratungsinstitut der… ) erweitert worden. Die Entwicklung der verschiedenen Szenarien erfolgte mithilfe der Expertise von Forschenden im Bereich der Demografie und der neurodegenerativen Erkrankungen an den Universitäten Rostock und Köln. Die Prognosen basieren auf einer eng gefassten Demenz-Falldefinition, in der reversible Fälle ausgeschlossen wurden. Es handelt sich also um konservative Schätzungen, die eher die untere Grenze der erwartbaren Fallzahlen darstellen dürften.