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Versorgung zum richtigen Zeitpunkt und am richtigen Ort

28.09.2026 AOK Hessen 4 Min. Lesedauer

Stefanie Bauer ist seit Beginn dieses Jahres bei der AOK Hessen als Hauptabteilungsleiterin für Integratives Leistungsmanagement tätig. Eines ihrer Herzensthemen ist die Primärversorgung, die sie als Österreicherin besonders gut kennt. Sie begrüßt es, dass das Thema auch in Deutschland an Fahrt aufnimmt.

Eine Ärztin bespricht die Behandlung mit ihrer Patientin.
Primärversorgung ermöglicht einen bedarfsgerechten Zugang zur Patientenversorgung und mehr Effizienz durch gezielte Steuerung.

Strukturen moderner und effizienter gestalten

Die im Koalitionsvertrag vereinbarte neue Primärversorgung Unter Primärversorgung wird die gesundheitliche Grundversorgung und Beratung verstanden, in der auch… soll zum 1. Januar 2028 in Kraft treten, ein Referentenentwurf wird bereits für Ende November erwartet. Kurz danach erscheint auch das zweite Gutachten der GKV-Finanzkommission, in dem Strukturreformen vorgeschlagen werden sollen. Stefanie Bauer, Hauptabteilungsleiterin für Integratives Leistungsmanagement bei der AOK Die AOK hat mit mehr als 20,9 Millionen Mitgliedern (Stand November 2021) als zweistärkste Kassenart… Hessen, ist froh darüber, dass eine dringend notwendige Diskussion in Deutschland geführt wird: „Wir müssen die Strukturen im Gesundheitswesen Das Gesundheitswesen umfasst alle Einrichtungen, die die Gesundheit der Bevölkerung erhalten,… moderner und effizienter gestalten. Aus meiner Sicht ist dazu die Primärversorgung genau der richtige Ansatz.“

Primärversorgungseinheiten als erste Anlaufstellen

Stefanie Bauer ist sich sicher, dass die Strukturen im Gesundheitswesen moderner und effizienter gestaltet werden müssen.

Stefanie Bauer weiß, wovon sie spricht. In ihrem Heimatland Österreich wird das Primärversorgungssystem seit Jahren immer weiter ausgebaut. Aktuell existieren dort rund 120 Primärversorgungseinheiten (PVE), bis 2030 sollen es 257 sein. Forciert wurde das mit der Verabschiedung des „Primärversorgungsgesetzes“ im Jahr 2023, aber auch durch eine Förderung für die Primärversorgung durch EU-Mittel. PVE sind die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten, sie existieren als Zentrum oder als Netzwerk. Ein Zentrum besteht aus einem Team aus verschiedenen Berufsgruppen mit mehreren Hausärztinnen und -ärzten, Pflegekräften und sogenannter Ordinationsassistenz. Zu diesem Kernteam können bedarfs- und ortsabhängig weitere Gesundheits- und Sozialberufe hinzukommen – beispielsweise für Physiotherapie, Ergotherapie Zu den Heilmitteln gehören Maßnahmen der Physiotherapie, der Ergotherapie, der Stimm-, Sprech-,… , Logopädie wirken überwiegend äußerlich zur Heilung oder Linderung einer Krankheit auf den Körper ein. Der… , Psychotherapie, Psychologie und Sozialarbeit.

Mehr Digitalisierung, mehr Steuerung, mehr Effizienz

„Auch in Deutschland muss der Weg in diese Richtung gehen“, ist sich Stefanie Bauer sicher, „wir benötigen einen bedarfsgerechten Zugang zur Patientenversorgung und mehr Effizienz durch eine gezielte Steuerung.“ Dies sind auch die beiden Kernelemente, die der AOK-Bundesverband in seinem Konzeptpapier „Von Anfang an gut versorgt: Eckpunkte für eine Primärversorgung in Deutschland“ in den Mittelpunkt stellte. Die bestehende hausärztliche Versorgung soll zu einem teambasierten Primärversorgungssystem weiterentwickelt werden. Wichtig als zentrales Steuerungselement ist dabei eine schnelle Ersteinschätzung des konkreten Bedarfs und der Dringlichkeit, damit Patientenanliegen zielgerichteter an die richtigen Versorgungsebenen vermittelt werden können. “Dabei müssen auch digitale Elemente stärker Einzug finden in unsere Gesundheitsversorgung“, betont Stefanie Bauer, „wie eine elektronische Ersteinschätzung, eine elektronische Überweisung und eine elektronische Terminvermittlung. Und die elektronische Patientenakte Mit der ePA können Patientinnen und Patienten sowie die an Ihrer Behandlung beteiligten Ärztinnen… ePA gewährleistet einen zeitnahen Zugriff auf alle relevanten Befunde, Diagnosen und Therapieempfehlungen.“ Stefanie Bauer hat im österreichischen Krems an der Donau Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Gesundheitsmanagement studiert und war vor ihrem Wechsel zur AOK Hessen Kaufmännische Leiterin in der Orthopädischen Klinik Braunfels bei Wetzlar.

Vorteile der Primärversorgungseinheiten

Ein erster Evaluationsbericht zur Primärversorgung in Österreich bescheinigt, „dass PVE ein zukunftsfähiges Modell der Gesundheitsversorgung bildet und hohe Patientenorientierung sowie Arbeitsplatzattraktivität bietet.“ Die Vorteile von PVE liegen augenscheinlich in der Teamarbeit, einer hohen Zufriedenheit bei Patientinnen und Patienten, attraktiver Vergütung Die Leistungserbringer im Gesundheitswesen werden nach unterschiedlichen Systemen vergütet. Die… sowie Raum für persönliche Flexibilität für die Pflegeberufe. Die Ergebnisse zeigen auch, dass die PVE deutlich kosteneffizienter sind, die neue Versorgungsstruktur gut angenommen wird und dass sich die Patientensteuerung verbessert hat. Die Patientenzahlen in den PVE sind den Ergebnissen zufolge über alle Standorte gestiegen.

Strategische und operative Herausforderungen

Derzeit bestehen in Deutschland mehrere Gesetzesvorhaben parallel, was die strategischen und operativen Herausforderungen für die Versorgung besonders macht: „Das Inkrafttreten der Krankenhaus Krankenhäuser sind Einrichtungen der stationären Versorgung, deren Kern die Akut- beziehungsweise… - und der Apothekenreform, sowie die Umsetzungserfordernisse des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes treffen zeitlich versetzt auf die Notfall In Notfällen gewährleistet der Rettungsdienst lebensrettende Maßnahmen und den Transport kranker und… - und die Pflegereform“, berichtet Stefanie Bauer, „erst später treten dann das GeDig und darauf die Primärversorgung in Kraft. Diese Vorhaben sind allesamt wichtig für die Versorgung, aber besonders herausfordernd in der Umsetzung, da sie zeitlich und inhaltlich nicht konsolidiert sind.“ Eine einmalige Chance bietet sich dadurch allerdings ebenso: „Der Fokus sollte darauf liegen, die richtige Versorgung zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen Ort verfügbar zu machen und sicher zu stellen.“ Eine gemeinsame Kraftanstrengung steht damit allen Sektoren bevor. Insbesondere sollten auch regionale Versorgungskonzepte, die bereits praxiserprobt und erfolgreich sind, weiter umsetzbar bleiben.

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Norbert Staudt

AOK Hessen