Weber macht Pharmabranche nach Zollabkommen Mut
Nach dem US-Handelsabkommen mit 15 Prozent Pauschalzöllen auch auf Arzneimittel ruft der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber, dazu auf, sich mit den erschwerten Bedingungen abzufinden und nach vorne zu schauen. Der „Deal“ sei schmerzlich, aber richtig, sagte Weber heute in Berlin. „Europa kann darauf reagieren, in dem wir unseren Markt stärken und vor allem Innovationen in Europa zulassen“, machte er unter anderem der Pharmaindustrie Mut.
Der neue Handelsvertrag zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten legt für nahezu alle europäischen Warenexporte in die USA einen Zollsatz von 15 Prozent fest. Ausnahmen im Bereich Pharma gibt es nur für einige Generika. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA) hat das Abkommen als „einen Bruch mit dem jahrzehntelangen Prinzip des zollfreien Arzneimittelhandels“ und als eine Gefahr für die globale Versorgung sowie den Innovationsstandort Deutschland kritisiert. Ähnliche Sorgen äußerte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI).
Einen Handelskrieg hätte sich die EU nicht leisten können, betonte Weber. Er räumte ein, dass die Pharmaindustrie zu den Branchen gehöre, die aufgrund ihrer Wirtschaftskraft mit am stärksten betroffen seien. Daher müssten nun zum einen die Rahmenbedingungen für Innovationen gestärkt und zum anderen der EU-Binnenmarkt gefördert werden. Die Zukunft der Pharmaindustrie werde in den Bereichen entschieden, in denen es die besten Voraussetzungen für Neuerungen gebe.
Gerade vor dem Hintergrund der Entwicklung der künstlichen Intelligenz bestehe für Europa eine große Chance, die vorhandenen Daten aus der Gesundheitsversorgung für die Forschung zu nutzen, führte Weber weiter aus. „Dann können wir auch unsere Pharmaindustrie in Europa stärken und stabilisieren.“ Konzerne müssten gemeinsam mit den forschenden Universitäten die Rahmenbedingungen für Exzellenz und Innovation bekommen. Auch im Bereich des EU-Binnenmarktes gebe es noch viel Potenzial. Wenn etwa die Beschaffung stärker gemeinsam statt auf nationaler Ebene geschehe, könnten riesige Effizienzgewinne erzielt werden, so der CSU-Vizechef. Die EU habe dies bereits beim Einkauf von Corona-Impfstoffen in der Pandemie bewiesen.
Unterdessen sorgt der Handelskompromiss zwischen der EU und den USA in Deutschland weiter für Unmut. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) betrachten 55 Prozent der Unternehmen die Einigung als eine zu starke Belastung der europäischen Wirtschaft und sind für eine harte Linie in den weiteren Verhandlungen. Der Verband der chemischen Industrie (VCI) beklagte, das Zollabkommen erhöhe den Druck auf den Sektor. Er forderte von der Bundesregierung, die angekündigten Reformen anzugehen. (at)
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