Update

Unzufriedenheit bei den Vertragsärzten wächst

08.12.2023 3 Min. Lesedauer

Die Unzufriedenheit unter den Vertragsärzten wächst und bedroht nach Einschätzung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zunehmend die Gesundheitsversorgung. „Hier laufen wir wirklich mit Volldampf in ein Versorgungsproblem“, erklärte KBV-Chef Andreas Gassen heute vor Beginn der Vertreterversammlung.

Grund sind Gassen zufolge die Rahmenbedingungen für die Praxen, die unter Personalmangel, überbordender Bürokratie, unzureichender Finanzierung und schleppender Digitalisierung litten. Gassen bezog sich auf eine Umfrage des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) zur Stimmung unter den Niedergelassenen. Es war laut ZI mit knapp 32.000 Teilnehmern die größte Ärztebefragung seit mehr als zehn Jahren.

Neun von zehn Praxen seien laut Umfrage der Ansicht, dass die Digitalisierung ihren Arbeitsablauf deutlich beeinträchtige, sagte KBV-Vorstandsmitglied Sibylle Steiner. Kritik übte sie an der verbindlichen Einführung des E-Rezepts, die zum 1. Januar 2024 geplant ist. Bei manchen Systemen sei die E-Signatur weiterhin problematisch, monierte Steiner. „Die händische Unterschrift ist nach wie vor schneller.“ Das E-Rezept führe zu Zeitverlusten, besonders bei den Hausärzten, erklärte KBV-Vizechef Stephan Hofmeister. Die Dauer der Signatur mache den Prozess langsamer als den analogen Weg mit Papier-Rezepten. Der Bundestag will in der kommenden Woche das Digitalgesetz beschließen, mit dem auch das E-Rezept verpflichtend wird. 
 
Auf Grund der Umstände überlegten mehr als 60 Prozent der befragten Vertragsärzte, früher als geplant aus der Versorgung auszusteigen, erläuterte Gassen. Dies sei „mehr als ein deutliches Alarmsignal“. Schon jetzt müssten zwei Drittel der Praxen Patienten aus anderen Praxen übernehmen. Was bisher gesetzgeberisch angedacht sei, reiche nicht einmal im Ansatz aus, um hier gegenzusteuern. Gassen forderte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zum raschen Handeln auf, etwa durch die Abschaffung von Regressen und Budgets. „Wenn die Politik jetzt nicht reagiert, werden wir bereits ab dem kommenden Jahr zunehmende Versorgungslücken haben, nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten.“ 
 
Gassen appellierte an die Öffentlichkeit, eine entsprechende Petition der KBV zu unterzeichnen, um der Forderung der Vertragsärzte Nachdruck zu verleihen. Für kommenden Mittwoch haben die Hausärzte einen Online-Protest geplant. Im vergangenen Monat hatten die Apotheker gegen die Politik der Bundesregierung demonstriert. (at)

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.