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Reimann drängt auf Patientensteuerung nach Dringlichkeit

26.01.2026 2:30 Min. Lesedauer

Die Diskussion über ein leistungsfähiges Primärversorgungssystem nimmt an Fahrt auf. Während die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, heute in der „Wirtschaftswoche“ (Wiwo), eine verbindliche Steuerung von Patientinnen und Patienten nach medizinischer Dringlichkeit forderte, präsentierte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) ein Konzept für digitale Lösungen zur Patientensteuerung. Am Dienstag kommt Bundesgesundheitsministerin Nina Warken mit Vertreterinnen und Vertretern aus dem Gesundheitswesen zu einem ersten Austausch über das geplante Primärversorgungssystem zusammen.

Reimann macht fehlende Koordination für lange Wartezeiten bei Fachärzten verantwortlich. Es gebe „keinen grundsätzlichen Mangel an Ärzten“, sondern ein System, in dem „niemand richtig steuert“, sagte sie. Versicherte landeten sogar manchmal erst bei der falschen Fachrichtung und müssten dann erneut warten. Zudem bänden Individuelle Gesundheitsleistungen (Igel) unnötig Kapazitäten. „Wir brauchen ein Primärversorgungssystem“, betonte Reimann. Eine feste Praxis solle dabei als „erste verbindliche Anlaufstelle“ dienen und bei Bedarf gezielt an Fachärzte überweisen. Scharf kritisierte sie die derzeit bevorzugte Terminvergabe für Privatversicherte: „Wenn man anklickt, privat versichert zu sein, gibt es viel mehr und schneller Termine als für gesetzlich Versicherte.“ Entscheidend müsse künftig allein der Behandlungsbedarf sein – „ohne Diskriminierung“.

Illustration: Viele Menschen auf verschiedenen Ebenen, laufen, stehen, darunter ein Mensch im Rollstuhl und einer mit Blindenführhund. Links eine Untersuchung beim Facharzt/Vertragsarzt im Sitzen, rechts eine z.B. im Krankenhaus im Liegen.
Eine verbindliche Primärversorgung steuert Patientinnen und Patienten schnell und effizient durchs Gesundheitssystem. Dabei übernehmen in breit aufgestellten Praxisteams verschiedene Gesundheitsberufe ihren Teil des Aufgabenspektrums.
24.07.2025Sabine Richard7 Min

Einen stärker digital ausgerichteten Ansatz stellte Stefanie Stoff-Ahnis, Vize-Vorsitzende des GKV-SV, im „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) vor. „Wir müssen das deutsche Gesundheitswesen endlich in die digitale Gegenwart bringen“, sagte sie. Angesichts von Fachkräftemangel und Finanzdruck sei das „überfällig“. Nach einem Konzept des GKV-SV soll ein digitales Navigationstool künftig als Erstkontakt vor dem Arztbesuch dienen. Der Zugang ist über Apps oder Webseiten vorgesehen – mit Einbindung der Terminservicestelle 116117. Anhand standardisierter Abfragen und perspektivisch unter Einbeziehung der elektronischen Patientenakte (ePA) soll der Behandlungsbedarf eingeschätzt und in die passende Versorgungsebene gelenkt werden. Es gehe dabei „nicht mehr um die Frage, ob jemand gesetzlich oder privat versichert ist“, betonte Stoff-Ahnis, sondern um „medizinische Notwendigkeit“. Perspektivisch solle das Tool in bestimmten Fällen eine rein digitale Versorgung möglich machen, etwa bei gut eingestellten chronisch Kranken Folgerezepte vergeben. (sr)

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