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AOK: Blankoverordnungen treiben Heilmittel-Ausgaben

17.03.2026 2 Min. Lesedauer

Der AOK-Bundesverband warnt vor Fehlentwicklungen im Heilmittelbereich und fordert, den Einsatz der 2024 eingeführten Blankoverordnung zu begrenzen. „Die von den Heilmittel-Verbänden vehement geforderte Blankoverordnung wird offenbar in Teilen als Blanko-Scheck für Einnahmeoptimierung missverstanden“, sagte heute die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann. Laut AOK-Bundesverband zeigen die Abrechnungsdaten seit Zulassung der Blankoverordnungen eine deutliche Mengen- und Kostensteigerung. Gleichzeitig fehlten Belege für einen Qualitätsgewinn.

Die Praxis dürfe nicht dazu führen, „dass ausschließlich hochpreisige Leistungen erbracht werden, ohne den Nutzen für die Versicherten zu belegen“, unterstrich Reimann. In der Ergotherapie stiegen die Ausgaben der AOK zufolge im April 2024 in den entsprechenden Diagnosebereichen um 62 Prozent, die Zahl der Behandlungen um 34 Prozent. In der Physiotherapie, wo Blankoverordnungen seit November 2024 für Schulterdiagnosen möglich sind, lag demnach der Kostenanstieg bei fast 100 Prozent, die Behandlungszahl wuchs um 73 Prozent. 

Zugleich verzeichnet die AOK eine Leistungsausweitung, deren Anstieg „medizinisch nicht nachvollziehbar“ sei. In der Ergotherapie stieg die Zahl hochpreisiger Abrechnungen über 3.000 Euro zwischen dem ersten und vierten Quartal 2025 um 950 Prozent – von 464 auf 4.874 Fälle. Die teuerste Blankoverordnung lag demnach in der Ergotherapie bei knapp 14.000 Euro, in der Physiotherapie bei rund 8.000 Euro. Dort habe sich zudem der Anteil kostenintensiver Manueller Therapie im Vergleich zur Krankengymnastik erhöht.

Illustration zeigt einen Therapeuten mit einem Patienten, dazu eine Tortengrafik.
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Mit der Blankoverordnung soll eine stärker patientenorientierte Versorgung durch mehr Therapiefreiheit erreicht werden. Der AOK zufolge tragen jedoch bereits die Pauschalen für Steuerung und Planung mit bis zu 15 Prozent zur Ausgabensteigerung bei. Stichproben zeigten zudem kaum Anpassungen im Therapieaufbau – meist gebe es keinen oder nur geringen Wechsel bei Auswahl, Kombination und Frequenz der Leistungen. Insgesamt stiegen die Aufwendungen für Heilmittel im vergangenen Jahr um 10,4 Prozent beziehungsweise 1,4 Milliarden Euro – und damit das dritte Jahr in Folge um mehr als zehn Prozent. Seit 2019 erhöhten sich die Ausgaben um rund 5,9 Milliarden Euro beziehungsweise 68 Prozent. Für Blankoverordnungen wurden 2025 Ausgaben von 557 Millionen Euro in der Physiotherapie und 439 Millionen Euro in der Ergotherapie verzeichnet. (ts)