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Ruf nach mehr Verbindlichkeit bei der Primärversorgung

19.03.2026 2 Min. Lesedauer

Die Diskussion um ein Primärversorgungssystem gewinnt an Kontur. Beim heutigen Fachärztetag des Spitzenverbandes Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (Spifa) wurde deutlich: Die Richtung ist klar, entscheidend wird sein, wie verbindlich das System ist. „Die digitale Ersteinschätzung wird eine zentrale Rolle einnehmen“, sagte der Spifa-Vorstandsvorsitzende Dirk Heinrich in seiner Eröffnungsrede.

Grundlage dieser Einschätzung ist der jüngst abgeschlossene Fachdialog des Bundesministeriums für Gesundheit mit Verbänden des Gesundheitswesens zur Erarbeitung eines Primärversorgungssystems. Daraus leitete Heinrich ab, dass der „unbeschränkte Zugang“ zur Haus- und Kinderarztpraxis bestehen bleibt. Auch Direktzugänge für bestimmte Patientengruppen zum Facharzt gelten als gesetzt. Als zentrales Instrument zeichnet sich eine „elektronische Überweisung“ ab.

Im Grundsatz herrschte Einigkeit: Patienten sollen gezielter gesteuert werden. Christine Neumann-Grutzeck, Präsidentin des Berufsverbandes Deutscher Internistinnen und Internisten (BDI), betonte: „Es geht am Ende nicht darum, welche Struktur wir schaffen, sondern dass wir die Patientinnen und Patienten gut versorgen.“ Eine Lotsenfunktion sei notwendig, dürfe aber „kein Flaschenhals sein“. Voraussetzung seien „gute Diagnostik“ und eine „qualifizierte Überweisung“.

Anke Steuerer, Vizepräsidentin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte (BVKJ), hob die Praxisperspektive hervor. Akzeptanz entstehe, wenn Patientinnen und Patienten „passgenau“ beim richtigen Kollegen landen und Netzwerke genutzt werden. Digitalisierung könne entlasten und Zeit für Versorgung schaffen. „Ein All-Inclusive-Modus 24/7 ist nicht möglich.“

Tino Sorge (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages und Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Gesundheit, forderte „mehr Steuerung“ im Sinne von „Patientenführung“. Bei der Einführung des neuen Versorgungssystems gelte „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“. Ohne Verbindlichkeit werde das System nicht funktionieren. Die Akzeptanz stehe und falle mit der Frage, ob jemand bald einen Termin bekommt. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer (BÄK), warnte vor überhöhten Erwartungen: „Es gibt nicht das Rezept.“ Der Patient bleibe „ein eigenständiges Individuum“.

Klar ist laut Heinrich, dass das Primärversorgungssystem Geld kosten werde. Er forderte eine Entbudgetierung für gesteuerte Patientinnen und Patienten. Zugleich dürfe das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) nicht vorzeitig zurückgenommen werden. 

Offen blieb, wie mit Patientinnen und Patienten umgegangen werden soll, die sich der Steuerung entziehen. Diskutiert wurden Einschreibemodelle und unterschiedliche Tarife. (sr)