Hohe Krankenstände: Storm fordert Gipfel im Kanzleramt
Der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse DAK-Gesundheit, Andreas Storm, hat sich in die von Bundeskanzler Friedrich Merz angestoßene Debatte um die hohen Krankenstände in Deutschland eingeschaltet. Angesichts des auch 2025 hohen Niveaus der Fehltage plädierte er für ein Treffen von Arbeitgebern, Gewerkschaften, Ärzteschaft und Krankenkassen im Kanzleramt und die Möglichkeit „einer Teilkrankschreibung als wichtiges Instrument zur Senkung des Arbeitsausfalls“. Zusammen mit dem Berliner Iges-Institut veröffentlichte die DAK heute eine Analyse des Krankenstands ihrer Versicherten für das Jahr 2025. Der Krankenstand bleibt demnach zwar „mit 5,4 Prozent stabil, jedoch auf weiterhin hohem Niveau“.
Laut Iges-Analyse waren bei der DAK versicherte Beschäftigte im vergangenen Jahr durchschnittlich 19,5 Kalendertage krankgeschrieben, kaum weniger als 2024 (19,7 Tage). „Deswegen ist es richtig und notwendig, eine fundierte Ursachenforschung voranzutreiben. Hierfür braucht es ein gemeinsames Handeln“, begründete Storm seine Forderung nach einem „Krankenstands-Gipfel“. Es gehe es darum, neue Lösungswege zu entwickeln.
Als „wichtigen Baustein“ bezeichnete der DAK-Chef die Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen, die sich in skandinavischen Ländern bewährt habe. Dabei werden Beschäftigte nicht für einen vollen Arbeitstag krankgeschrieben. „Das können zum Beispiel drei von acht Arbeitsstunden pro Tag sein – dort wo möglich auch im Homeoffice“, erläuterte Volker Nürnberg, Professor für Gesundheitsmanagement mit Lehrauftrag an der Technischen Universität München. Die Regelung habe „das Potenzial, zu einem signifikant niedrigeren Krankenstand zu führen“.
Bundeskanzler Merz hatte nach einer CDU-Präsidiumssitzung am Montag seine Forderung bekräftigt, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen. Diese „leichte Krankschreibung“ sei eine der Ursachen für den im internationalen Vergleich hohen Krankenstand hierzulande. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte im „Tagesspiegel“ an, „die aktuellen Regelungen auf den Prüfstand stellen“ zu wollen, um Missbrauch auszuschließen.
Der AOK-Bundesverband sieht keine Hinweise für einen Missbrauch. Die Bedeutung der telefonischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) sei mit einem Anteil von jährlich 0,8 bis 1,2 Prozent an allen AU-Bescheinigungen sehr gering.
Die Iges-Untersuchung nennt Atemwegsprobleme, psychische Erkrankungen sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen als Haupttreiber der Zahlen. Sie seien für rund die Hälfte aller Ausfalltage verantwortlich. Für die aktuelle Analyse wurden die Daten von rund 2,4 Millionen bei der DAK versicherten Beschäftigten ausgewertet. (rbr)