Drei von vier Kliniken klagen über ihre wirtschaftliche Lage
74 Prozent der Kliniken in Deutschland beurteilen laut dem aktuellen Krankenhaus-Konjunkturbarometer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ihre wirtschaftliche Situation als unbefriedigend. Bei großen Häusern ab 600 Betten sind es sogar 95 Prozent. Zudem reicht die Liquidität bei 91 Prozent der Kliniken nur für sechs Wochen aus. Der DKG-Vorstandsvorsitzende Gerald Gaß sprach angesichts der Zahlen von einem „wirtschaftlichen Notruf der Krankenhäuser“.
Lediglich sieben Prozent der Kliniken schätzen laut der Befragung ihre wirtschaftliche Lage als gut ein. In kreisfreien Großstädten sind es 13 Prozent, in städtischen Kreisen zwei Prozent. Für das nächste Halbjahr erwarten 59 Prozent der befragten Krankenhäuser eine eher schlechtere wirtschaftliche Entwicklung, 39 Prozent eine eher gleichbleibende Lage. Zwei Prozent rechnen mit einer Verbesserung.
Es gehe längst nicht mehr um Klagen über schwierige Rahmenbedingungen, sondern um die nackte wirtschaftliche Existenz vieler Kliniken, sagte DKG-Chef Gaß. „Die Politik muss endlich aufwachen. Wer jetzt nicht handelt, riskiert eine strukturelle Gefährdung der Krankenhausversorgung in Deutschland.“
Bei dem Krankenhauskonjunkturbarometer handelt es sich laut DKG um eine neue repräsentative Befragung, die künftig als Frühindikator die wirtschaftliche Entwicklung der Krankenhäuser messen soll. Sie ist an den ifo-Geschäftsklimaindex angelehnt, in dem der Krankenhausbereich laut DKG nicht vorkommt. Die neue Auswertung soll quartalsweise veröffentlicht werden. An der im April 2026 durchgeführten Befragung haben laut DKG 185 Krankenhäuser ab 100 Betten teilgenommen. In Deutschland gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) Ende 2024 insgesamt 1.841 Krankenhäuser. (tie)