MD Bund fordert mehr Fokus auf Prävention in der Pflege
Angesichts der wachsenden Zahl pflegebedürftiger Menschen fordern der Medizinische Dienst Bund (MD Bund) und die Kassen mehr Prävention und eine auskömmliche Finanzierung des Systems. Pflege sei „kein unabwendbares Schicksal“, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des MD Bund, Carola Engler, bei der Vorstellung des Jahresberichts heute. Prävention müsse zum Ziel aller Akteure werden, betonte der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV), Oliver Blatt. Gleichzeitig müssten die Finanzen der sozialen Pflegeversicherung (SPV) zukunftsfest gemacht werden. „In der Pflege brennt weiterhin die Hütte“, warnte Blatt.
Der MD Bund begutachtete den Angaben nach 2025 bundesweit mehr als drei Millionen Versicherte. 29 Prozent davon wurden in den Pflegegrad 1 eingestuft, 34,5 Prozent erhielten Pflegegrad 2, 11,6 Prozent Pflegegrad 3, 2,6 Prozent bekamen Pflegegrad 4 und 0,9 Prozent Pflegegrad 5. Mehr als die Hälfte der Pflegebedürftigen (59,6 Prozent) beantragte Pflegegeld. Insgesamt bezogen mehr als sechs Millionen Menschen Leistungen der SPV. Seit 2015 hat sich laut MD Bund die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen, die Leistungen aus der SPV erhalten, mehr als verdoppelt. Versicherte müssten gezielt unterstützt werden, um „Pflegebedürftigkeit zu vermeiden“, sagte Engler. Bei der Begutachtung könnten die Gutachter wichtige Hinweise zur Prävention, für eine bessere Pflegesituation und zur Entlastung der Angehörigen geben. Dabei sollten auch digitale Lösungen, etwa der Einsatz von Videogutachten, breiter genutzt werden.
Mit Blick auf die geplante Pflegereform forderte Blatt die Politik zum Handeln auf. Ohne Reform drohten der SPV „massive Finanzierungslücken“. Auch in diesem Jahr rechne er trotz eines Bundesdarlehens von 3,2 Milliarden Euro mit roten Zahlen. Im kommenden Jahr werde die Pflegeversicherung voraussichtlich einen zusätzlichen Finanzbedarf von mindestens sieben Milliarden Euro haben. Die Darlehen seien keine „Dauerlösung“. Der GKV-Chef verlangte die Übernahme der Kosten für versicherungsfremde Leistungen wie die Rentenbeiträge für pflegende Angehörige aus Steuermitteln. Es könne nicht sein, dass der Bund sich hier „einen schlanken Fuß“ mache. Er hoffe, dass sich bei der geplanten Pflegereform, anders als beim GKV-Sparpaket, die Interessen der Beitragszahler durchsetzten.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken wollte bereits Mitte Mai ihren Entwurf für eine Pflegereform präsentieren. Offenbar gibt es Verzögerungen. Erste bekannt gewordene Reformbausteine stießen bereits auf starken Widerstand. Experten gehen von einer weiter wachsenden Zahl Pflegebedürftiger aus. Laut Prognose des Statistischen Bundesamts (Destatis) steigt die Zahl der Menschen im Alter ab 67 Jahren bis Ende der 2030er-Jahre auf mindestens 20,5 Millionen. (at)