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Mehr Beschäftigte im Gesundheitswesen – Kontroverse um Teilzeit

27.01.2026 2 Min. Lesedauer

Die Zahl der Beschäftigten im Gesundheitswesen in Deutschland wächst, wenn auch moderat: Zum Jahresende 2024 arbeiteten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 6,2 Millionen Menschen im Gesundheitswesen, 102.000 (1,7 Prozent) mehr als im Vorjahr. Umgerechnet auf Vollzeitzeitstellen entsprach dies gut 4,4 Millionen Beschäftigten, ein Anstieg um 1,4 Prozent im Vergleich zu 2023.

Der Personalzuwachs konzentrierte sich vor allem auf die (teil-)stationären Einrichtungen, in denen die Beschäftigtenzahl um 64.000 Personen (3,0 Prozent) zunahm. Der ambulante Bereich wuchs mit 1,3 Prozent deutlich schwächer.

Unterdessen nimmt die Debatte über den grundsätzlichen Rechtsanspruch auf Teilzeit an Fahrt auf. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) warnte vor „falschen Schlussfolgerungen“. Wer Teilzeit pauschal als Wohlstandsproblem darstelle, verkenne die Realität in der Pflege: „Teilzeit ist für viele eine Schutzreaktion auf Überlastung, Schichtdienst und fehlende Planbarkeit – nicht Ausdruck von Bequemlichkeit“, so der Verband. „Druck oder das Stutzen von Rechten löst keinen Fachkräftemangel“, machte DBfK-Präsidentin Vera Lux deutlich. „Wer mehr Arbeitsstunden will, muss zuerst die Arbeitsbedingungen so verbessern, dass Pflege gesund leistbar ist.“ 

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) von CDU und CSU hatte die Debatte am vergangenen Wochenende angestoßen. Sie fordert, den Teilzeitanspruch künftig nur noch bei besonderen Gründen zu gewähren, etwa bei der Erziehung von Kindern, der Pflege von Angehörigen oder für berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung. Dazu will sie einen Antrag mit dem Titel „Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" auf dem CDU-Bundesparteitag im Februar einbringen.“

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Anja Weusthoff, bezeichnete den Vorschlag als einen „Affront gegen all jene, die neben ihrer Erwerbsarbeit Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder sich ehrenamtlich engagieren“. Sie forderte Bund und Länder auf, für mehr Kitaplätze und Kurzzeitpflegeplätze zu sorgen. Für Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), führt der Vorschlag „gleichstellungspolitisch zurück in die Steinzeit“. Auch arbeitsmarktpolitisch gehe er „völlig am Ziel vorbei – es sei denn, man will Frauen, die Sorgearbeit leisten, komplett aus den Jobs raushaben“.

Bundesfamilienministerin Karin Prien dagegen begrüßte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe „mit Blick auf die demografische Entwicklung und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft“ die Diskussion. „Da geht es mir auch um die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen.“ Zugleich betonte die CDU-Politikern, dass Teilzeit wichtig für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei und bekräftigte den Rechtsanspruch hierzu. Daran rüttele auch der Antrag der MIT nicht. (ts)

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