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Ärzteschaft plädiert für mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen

13.02.2026 2 Min. Lesedauer

Vor dem Hintergrund zunehmender gesundheitlichen Folgen ökologischer Krisen fordert die Bundesärztekammer (BÄK) eine stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Gesundheitswesen. Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sei immer auch Gesundheitsschutz, sagte Ärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt anlässlich der heute veröffentlichten Stellungnahme „Planetary Health und ärztliche Verantwortung“. Darin unterstreicht die Zentrale Ethikkommission (Zeko) der BÄK die engen Zusammenhänge zwischen menschlicher Gesundheit und den sie umgebenden Ökosystemen.


„Es ist unsere ärztliche Pflicht, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen und uns mit Nachdruck für eine Transformation hin zu einem nachhaltigen Gesundheitswesen einzusetzen“, betonte Reinhardt. Ärztinnen und Ärzte seien mit neuen Krankheitsbildern und zunehmenden gesundheitlichen Risiken konfrontiert, etwa durch extreme Hitze und Feinstaubbelastung. Daraus ergäben sich neue Anforderungen an Prävention und Versorgung. 

Der Kammerpräsident warnte davor, dass die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels in den nächsten 25 Jahren weltweit zu 14,5 bis 15,6 Millionen Todesfällen führen könnten. Die wirtschaftlichen Folgekosten bis 2050 bezifferte er mit Verweis auf eine Studie der Weltbank auf 8,6 bis 15,4 Billionen US-Dollar. 

Die Zeko-Vorsitzende Eva Winkler machte deutlich, dass das globale Gesundheitswesen selbst erheblich zur Problemlage beitrage. Mit etwa fünf Prozent seien die Treibhausgas-Emissionen im globalen Gesundheitswesen höher als der Anteil des gesamten Flugverkehrs. „Das System, was eigentlich Gesundheit beschützen soll, ist zugleich Mitverursacher.“ Winkler sieht das vorhandene Potenzial – trotz eines ausgeprägten Problembewusstseins innerhalb der Ärzteschaft – „bei weitem nicht ausgeschöpft“. Die ärztliche Profession verfüge über besonderes Wissen, hohes gesellschaftliches Vertrauen und konkrete Gestaltungsmöglichkeiten – daraus erwachse eine besondere Verantwortung.  

Die Ethikkommission fordert in ihrem Papier, Initiativen für „grüne Krankenhäuser“ und „grüne Praxen“ strategisch voranzutreiben und finanziell zu fördern. Außerdem könnten Ärztinnen und Ärzte im unmittelbaren Patientenkontakt Ansätze der klimasensiblen Gesundheitsberatung sowie des „Green Decision Making“ integrieren. Darüber hinaus regt die Zeko eine stärkere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten bei Gesundheitsgesetzen sowie mehr Forschung in diesem Bereich an. Die Stellungnahme richtet sich an Ärzte, die ärztliche Selbstverwaltung sowie politische Entscheidungsträger. (ts)