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Neun Millionen Atemwegserkrankte: Mediziner plädieren für mehr Schutzverhalten

22.12.2023 3 Min. Lesedauer

In der aktuellen Viruswelle mit fast neun Millionen Atemwegserkrankten geraten Kliniken und Arztpraxen an ihre Belastungsgrenzen. Der Lungenarzt Cihan Celik plädierte daher für mehr Schutzverhalten und Rücksicht gegenüber anderen Menschen. „Wir werden auch wieder mehr schwere Erkrankungen in der Klinik sehen (...) und wir werden natürlich auch wieder viele Personalausfälle sehen“, sagte der Mediziner vom Klinikum Darmstadt im „heute journal“.

Celik betonte, dass Covid-19 nicht nur eine Atemwegserkrankung, sondern eine Systemerkrankung sei. Es gebe viele Ältere, Chroniker und Krebspatienten, die aktuell „sehr stark“ gefährdet seien. Celik sprach sich für Masken in sensiblen Bereichen wie Kliniken und Heimen aus. Außerdem sollten Kranke momentan für ein paar Tage zuhause bleiben, um andere nicht zu infizieren. Auch wer Corona-positiv ohne Symptome sei, solle seine Mitmenschen jetzt schonen. Der Arzt beklagte die schlechte Akzeptanz der Corona-Auffrischimpfung mit dem angepassten XBB-Vakzin und sprach sich für eine Impfkampagne aus. Die Impfrate liege bei nur zehn Prozent. „Das ist nicht nachvollziehbar“, betonte Celik. Es gebe in Deutschland weit mehr Ältere oder Vorerkrankte, die sich schützen müssten.    
 
Rückendeckung erhielt Celik von anderen Forschern wie dem Immunologen Leif Erik Sander von der Berliner Charité und der Genfer Virologin Isabella Eckerle. „Respiratorische Viren bringen das Gesundheitssystem an den Rand der Belastung“, schrieb Eckerle auf X. Mit Corona gebe es noch ein Virus mehr. Daher müsse die Prävention besser werden. Celik wie Eckerle erteilten der These von der „Immunschuld“ eine klare Absage, die den hohen Krankenstand mit zu wenig Viren-Exposition wegen Lockdown und Masken zu erklären sucht. „Eventuelle Nachholeffekte aus 2020 sind längst nachgeholt“, schrieb Eckerle. Auch Celik kritisiert: „Das ist ein viel zu vereinfachtes Verständnis vom Immunsystem.“ 
 
In seinem jüngsten Wochenbericht geht das Robert-Koch-Institut von etwa 8,9 Millionen akuten Atemwegserkrankungen bundesweit in der Woche vom 11. bis 17. Dezember aus – eine Million Erkrankungen mehr als in der Vorwoche. Rund zwei Millionen Menschen suchten laut RKI wegen akuten Atemwegserkrankungen einen Arzt auf. Corona ist weiterhin für den Großteil der Erkrankungen verantwortlich, aber Infektionen mit RSV- und Influenzaviren legen zu.  „Es ist anzunehmen, dass wir mit den Infektionszahlen ab jetzt immer über dem Niveau der Atemwegserkrankungen vor der Pandemie liegen. Wir werden uns also an höhere Krankenstände gewöhnen müssen“, stellte der Modellierer Kristan Schneider auf „t-online“ fest.

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