Apotheken protestieren für mehr Geld – Kritik von Kassen
Im Zuge des Streits um eine Erhöhung des Apothekenhonorars sind heute viele Apotheken im Bundesgebiet geschlossen geblieben. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda), die zu dem Protest aufgerufen hatte, will mit der Aktion unter anderem eine Anhebung des sogenannten Packungsfixums auf 9,50 Euro durchsetzen. Auf vier zentralen Kundgebungen in Berlin, München, Düsseldorf und Hannover beteiligten sich zahlreiche der mehr als 160.000 Beschäftigten der Branche. Kritik an den Schließungen, von denen der Notdienst ausgenommen war, kam von den Krankenkassen.
Die „Mär von einer seit 2013 stagnierenden Vergütung“ stimme nicht, betonte die Vize-Vorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV), Stefanie Stoff-Ahnis. „Das Apothekenhonorar steigt Jahr für Jahr – und zwar finanziert aus den Portemonnaies der Beitragszahlerinnen und Beitragszahler der gesetzlichen Krankenkassen“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Da jedes Jahr die Preise für Medikamente stiegen und darüber hinaus die Anzahl der von den Apotheken abgegebenen Packungen zunehme, erhöhe sich damit auch die Vergütung für die Apotheken stetig, erläuterte die GKV-SV-Vizechefin.
ABDA-Präsident Thomas Preis betonte hingegen, dass „diese Effekte nicht ausreichen, um die Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung durch die Apotheken zu stabilisieren“. Die Betriebskosten der Apotheken seien seit 2013 insgesamt um mehr als 65 Prozent gestiegen, die Personalkosten um rund 80 Prozent. Wegen des Honorar-Stillstands hätte seit 2013 jede fünfte Apotheke schließen müssen, so Preis weiter. Die Apothekerschaft forderte deswegen eine „sofortige“ Erhöhung des Apothekenhonorars.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte Anfang März erklärt, die im Koalitionsvertrag angekündigte Anhebung des Apothekenhonorars auf 9,50 Euro pro abgegebener Packung „im Frühjahr“ per Verordnung umsetzen zu wollen. Die Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen (Vdek), Ulrike Elsner, sprach in Bezug darauf von rund einer Milliarde jährlich an Zusatzbelastungen für die Solidargemeinschaft, welche die ohnehin angespannte Finanzlage der GKV verschärfe und den umsatzschwachen Apotheken in strukturschwachen Regionen nur wenig helfe.
Diskussionen gibt es zudem um das derzeit in der parlamentarischen Beratung befindliche Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG). Mit dem Gesetz möchte die Bundesregierung die öffentlichen Apotheken, besonders in ländlichen Regionen, stärken und ihnen mehr Aufgaben, etwa im Impfbereich und bei heilberuflichen Leistungen, übertragen. Die ABDA hatte die Reformpläne in Teilen kritisiert und unter anderem eine Streichung der Regelungen zu Zweigapotheken gefordert. Kassenverbände hatten vor überflüssigen Strukturen, etwa bei neuen pharmazeutischen Dienstleistungen, in der ambulanten Versorgung gewarnt. (tie)